In Bad Säckingen wird es noch in diesem Jahr ein neues Angebot für sozial schwächere Menschen geben. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) will als Träger des geplanten Sozialkaufhauses bereits diesen Herbst eröffnen. Das teilte Awo-Kreisgeschäftsführer Thomas Bomans auf Anfrage mit. Diesen Mittwoch nahm das Projekt eine große Hürde: Der Kreistag Waldshut bewilligte für die ersten beiden Jahre als Anschubfinanzierung einen Zuschuss von jeweils 30.000 Euro. Die Stadt Bad Säckingen hatte bereits beim Haushaltsbeschluss im März ebenfalls 60.000 Euro für die ersten beiden Betriebsjahre bewilligt. Die Awo-Einrichtung soll in Wallbach entstehen.

Die nächsten Schritte

Awo-Geschäftsführer Bomans will jetzt sofort an die konkrete Umsetzung gehen. Als nächstes soll der Mietvertrag mit der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Christiani in Wallbach geschlossen werden. Gleichzeitig soll nun auch die Leitungsstelle ausgeschrieben werden. Dann müsse man sich über die Gestaltung der Halle Gedanken machen. Bomans freute sich über das positive Votum des Kreistages, vor allem darüber, dass die Zustimmung von einer breiten Mehrheit getragen werde. Auch in der Stadt Bad Säckingen spüre er aus der Bevölkerung gute Signale: Nach der ersten Veröffentlichungen im SÜDKURIER hätten sich bereits Menschen gemeldet und ihre Unterstützung angeboten.

Die Finanzierung

Die Zuschüsse von Stadt und Landkreis sieht Bomans als reine Anschubfinanzierung. Eine Startförderung in dieser Höhe hält er für nötig, um die Einrichtung in den ersten beiden Jahren zu etablieren und die nötigen Strukturen zu schaffen. Danach müsse sich das Sozialkaufhaus jedoch selber tragen.

Wohin kommt das Sozialkaufhaus?

Schon im Vorfeld hatte die Awo von Christiani in Wallbach die Zusage für eine Unterkunft bekommen. Im Gebäude von Christiani (frühere Firma Tekuwa) stehen für das Sozialkaufhaus 470 Quadratmeter zur Verfügung, so Bomans. Die Standortsuche in Bad Säckingen bezeichnete er als schwierig, daran seien schon andere gescheitert, weshalb die Einrichtung bislang nicht zustande gekommen sei. Die Chance mit Christiani sei ein Glücksfall.

Wie funktioniert die Einrichtung?

Die Funktionsweise eines Sozialkaufhauses beruht auf der Spendenbereitschaft der Bevölkerung. „Darauf sind wir angewiesen“, so Bomans. Die bereitgestellte Ware müsse dann von eigenem Personal durchgecheckt und hergerichtet werden. Dafür seien viele ehrenamtlichen Mitarbeiter nötig. „Da braucht man zum Beispiel für elektrische Geräte einen Elektriker, der die Sicherheit und Funktionsfähigkeit überprüft“, sagt Bomans. Im Anschluss werden die Waren zu günstigen Preisen verkauft. Neben dem sozialen Aspekt hält Bomans aber auch den der Nachhaltigkeit für wichtig. Ein Sozialkaufhaus biete die Möglichkeit, nicht mehr gebrauchte, aber noch gut verwertbare Produkte weiterhin einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Dies sei im Übrigen ein richtiger Trend geworden, sagte er, was sich auch am großen Zulauf der Repaircafés bemerkbar mache.

Die Mitarbeiter

Mit dem geeigneten Personal stehe und falle das Projekt, so der Geschäftsführer. Es stecke viel Arbeit in einer solchen Einrichtung, die in der Hauptsache ehrenamtlich bewältigt werden müsse. Ansonsten sei keine Wirtschaftlichkeit gegeben. Denn je geringer die Kosten, desto günstiger könnten Waren an die Käufer abgegeben werden. Bomans plant hier auch Kooperationen mit dem Jobcenter und Flüchtlingshelfern.

Das Angebot

Geplant ist ein rundes Angebot an noch gut verwertbaren Produkten wie beispielsweise Kleinmöbel, weiße Ware (Kühlschränke, Waschmaschinen etc.), Bekleidung, Schuhe, Dekorationsartikel, Spielsachen, Lampen und auch Haushaltsartikel.

Die Kundschaft

Ziel eines Sozialkaufhauses ist es, gebrauchte Produkte zu sehr günstigen Preisen anbieten. Der Kundenkreis ist jedoch nicht auf ausschließlich sozial schwache Menschen beschränkt. Thomas Bomans bezweifelt, dass bei einer solchen Eingrenzung des Kundenkreises ein wirtschaftlicher Betrieb der Einrichtung überhaupt möglich wäre. Denn Ziel sei es, ein günstiges Warenangebot zu ermöglichen, was dauerhaft aber nur über ausreichend Umsatz funktioniere. Geplant sei jedenfalls eine Rabattierung der Produkte für Sozialhilfeempfänger und Tafelladenbesucher.