Um die rechtlichen Grundlagen für den Bau des Zentralklinikums auf dem Albbrucker Gewann „Bannhag“ zu schaffen, brachte der Gemeinderat jetzt die Änderung des Flächennutzungsplanes auf den Weg und beschloss die Aufstellung des Bebauungsplans „Gesundheitspark Hochrhein“. An der Sitzung nahmen auch Landrat Martin Kistler, Finanzdezernent Michael Hajden und der Geschäftsführer des Klinikums Hochrhein, Hans-Peter Schlaudt, teil.

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Bürgermeister Stefan Kaiser betonte: „Das Klinikprojekt ist ein Meilenstein für unsere Gemeinde.“ Dabei habe die Zusammenarbeit mit dem Kreis bestens funktioniert: „Albbruck liefert den Bebauungsplan, der Kreis zahlt die Planungskosten.“ Landrat Martin Kistler warnte davor, das Projekt überhastet anzugehen. Zu rechnen sei mit einer Zeitspanne von acht bis zehn Jahren. Bei der Standortsuche habe Albbruck mit großem Abstand die meisten Pluspunkte verbuchen können. „Auch das Gelände konnte relativ günstig von der bayerischen Karl-Gruppe erworben werden“, so Kistler.

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Zur Corona-Krise sagte der Landrat: „Die aktuelle Entwicklung spielt uns in die Hände, denn im Vordergrund der Planung stehen sowohl die Intensiv-Medizin als auch die Grundversorgung.“ Und weiter: „Es geht uns nicht darum, große Bettenburgen zu errichten“, daher habe man für das Projekt den Titel „Gesundheitspark“ gewählt. „Für uns geht es darum, auf der Höhe der Zeit zu bleiben, flexibel auf die Entwicklung zu reagieren und den medizinischen Fortschritt im Auge zu behalten“, erklärte Kistler.

Schon im vergangenen Jahr kursierten Pläne, wie künftig die Bebauung auf dem Klinikareal und die Anbindung an die B 34 aussehen könnten.
Schon im vergangenen Jahr kursierten Pläne, wie künftig die Bebauung auf dem Klinikareal und die Anbindung an die B 34 aussehen könnten. | Bild: Repro Manfred Dinort

Bestens geklappt habe die Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium des Landes, das eine größtmögliche Förderung, nahe 100 Prozent, zugesagt habe. „Damit bekommen wir landespolitisch kräftigen Rückenwind, den wir natürlich gerne nutzen möchten“, so der Landrat. Noch in diesem Jahr sei der Erstellung eines Masterplans vorgesehen. Danach werde es einen Architektenwettbewerb geben. Das Landratsamt werde die eigene Organisationsstruktur weiterentwickeln.

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Die nächsten Beratungen im Kreistag stehen am 19. Mai an. Dann werde man sich auch mit dem Thema Lärm und der Infrastruktur befassen. Dazu zählten zusätzliche Einrichtungen für Kooperationspartner, ein Ärztehaus für ambulante Behandlung, Unterkünfte, Hotel, Sanitätshaus, Apotheke, eine Cafeteria und Einkaufsmöglichkeiten sowie eventuell auch Schulungsräume für Pflegekräfte.

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Landrat Martin Kistler rechnet mit Kosten in Höhe von 200 Millionen Euro: „Das ist eine grobe Schätzung, Geld, das rechtzeitig in den Landesetat eingeplant werden muss.“ Gemeinderat Lothar Schlageter (FWV), praktizierender Arzt, erklärte, dass für Albbruck das Spital sicher eine gute Sache sei. Allerdings habe die Schließung des Krankenhauses in Bad Säckingen weh getan. Jetzt sorge das neue Spital für eine gewisse Entschädigung. „Zu einem schlagkräftigen Krankenhaus gehören aber mehr Betten“, sagte er. „Da kann es eigentlich nicht sein, dass man so klein plant.“ Ein Haus sei auf Dauer nur überlebensfähig, wenn es mindestens über 500 Betten verfüge, wie es derzeit auch in Lörrach geplant sei. Der Standort Albbruck biete genügend Flächen, um auch in die Spezialisierung hineinzugehen.

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Dazu sagte Landrat Martin Kistler: „Das Errichten einer Bettenburg garantiert noch keine optimale medizinische Versorgung.“ Die Anzahl der Betten werde sicher über der des Waldshuter Krankenhauses liegen, aber kleiner ausfallen als in der Lörracher Klinik. „Wir haben jetzt die Chance, ein Krankenhaus zu entwickeln, das auch in 20, 25 Jahren noch aktuell ist“, sagte der Landrat und fügte an: „Wir sollten die Geburtsstunde einer tollen Klinik nicht mit einer Betten-Diskussion beginnen.“

Hans-Peter Schlaudt bestätigte: „Wir möchten die Anzahl der Betten so konzipieren, dass es passend ist und auch eine entsprechende Auslastung gegeben ist. Auch ein Zentralklinikum sollte am Ende auskömmlich sein. Schlaudt: „Wir werden keine Maximalversorger sein, das können wir sicher nicht leisten, aber wir können eine verhältnismäßig breite Aufstellung anstreben und damit Helikopterflüge in andere Krankenhäuser einsparen.“ Jedenfalls sei die Bettenzahl kein Maßstab für die Qualität eines Hauses. „Wir sind auf vielen Gebieten leistungsstark. Wir wollen passend bauen und flexibel reagieren und nicht am Ende vor dem Problem stehen: Wie kriegen wir unsere Betten voll?“, sagte Schlaudt.