Das Hotel Trompeterschlössle alt zu nennen, wäre unangebracht. Historisch passt besser zum Anfang des 20. Jahrhundert errichteten Gebäude. Schließlich verhandelten dort Vertreter aus Konstanz in der Nacht zum 25. April 1945 im Geheimen mit Offizieren aus der Schweiz und Frankreich.

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Das Tage später erfolgreich umgesetzte Ziel: die Zerstörung der Stadt am Ende des Zweiten Weltkriegs verhindern. Ein geschichtsträchtiges Gebäude, direkt an der Grenze.

Gemeinde Tägerwilen froh über Modernisierung

Es soll nun umfangreich saniert und modernisiert werden – dies alles „nach denkmalpflegerischen Grundsätzen“, wie Markus Thalmann erklärt. Der Präsident der zuständigen Gemeinde Tägerwilen sagt, dass diese das entsprechende Bauvorhaben „auf jeden Fall genehmigen“ wird, Einsprüche würden abgelehnt.

Einsprüche? Geht es hier nicht um eine Aufwertung eines historischen Gebäudes, das immer auch Begegnungsort für Konstanzer und Tägerwiler war? Um ein Haus, das lange leer und vor einer ungewissen Zukunft stand? Und in das nun der Eigentümer, die International Sporting Club GmbH, groß investieren will?

Eigentümer will ab Herbst bauen lassen

„Wir werden voraussichtlich ab Herbst 2020 mit den Umbau- und Renovationsarbeiten beginnen“, kündigt Christian Rosenberg, gebürtiger Konstanzer und Geschäftsführer der Eigentümergesellschaft, an. Er freue sich, „dass wir dieses denkwürdige Haus wiederbeleben dürfen“.

Christian Rosenberg ist Geschäftsführer der International Sporting Club GmbH. Ihr gehört das Hotel Trompeterschlössle in der Gemeinde Tägerwilen.
Christian Rosenberg ist Geschäftsführer der International Sporting Club GmbH. Ihr gehört das Hotel Trompeterschlössle in der Gemeinde Tägerwilen. | Bild: Archiv: Kreuzlinger Zeitung

Es scheint nicht so, als ob die Pläne noch scheitern: Der Tägerwiler Gemeindepräsident bezeichnet das Vorhaben als „sehr begrüßenswert“, es stelle „in allen Punkten eine Aufwertung und Win-Win-Situation“ dar. In der Schweizer Gemeinde hofft man unter anderem auf zusätzliche Arbeitsplätze.

Stadt Konstanz ist ebenfalls für das Projekt

Die Stadt Konstanz will das Verfahren konstruktiv begleiten. Dort ist man der Ansicht, dass die Pläne der Eigentümer einen drohenden Verfall im direkten Konstanzer Vorland verhindern. Zudem habe der Trompeterschlössle-Eigentümer am benachbarten ehemaligen Zollhaus bewiesen, dass er derartige Projekte stemmen kann.

Konstanz gehören knapp 1200 Quadratmeter der für die Erweiterung vorgesehenen Fläche. „Grundsätzlich wurde eine Verpachtung an den Eigentümer des Hotels in den Vorgesprächen avisiert“, heißt es aus dem Amt für Liegenschaften.

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„Fünfstelliger Betrag jährlich“ für Pacht

Weil die Baugenehmigung aus Tägerwilen noch ausstehe – sie soll in der nächsten Gemeinderatssitzung erteilt werden – bestehe noch kein Vertrag. Christian Rosenberg sagt, es werde „jährlich ein fünfstelliger Betrag“ in die Pacht investiert. In eine Fläche, die seit Jahren brachliege und „in den letzten Jahren nicht landwirtschaftlich bewirtschaftet wurde“.

Tatsache ist: Auf dem Gebiet wurde einst zwar in bescheidenem Ausmaß Landwirtschaft betrieben. Seit Jahren ist das aber nicht mehr der Fall. Grün ist es dort – vor allem aber aufgrund des Wildwuchses. Und die Fläche befand sich schon immer in einer Zone für Wohn- und Arbeitsbebauung, wie die Gemeinde Tägerwilen erklärt.

Warum es dennoch einen Einspruch gibt?

Und damit weg von der ungeteilten Freude und zurück zu den Einsprüchen. Diese hatte Robert Martin, der keine 100 Meter entfernt vom Trompeterschlössle in der Grießeggstraße im Stadtteil Paradies lebt. Ihm gehe es nicht um die grundsätzliche Aufwertung des Hotels samt Restaurant.

„Hier soll gerne wieder etwas entstehen, ich war selbst immer gerne im zugehörigen Restaurant„, sagt Martin, der selbst als Geschäftsführer des Cafés Laib und Seele in der Gastronomie tätig ist.

Skepsis wegen Größe der Außengastronomie

„Mir geht es einzig um die Ausmaße“, erklärt er seine Skepsis, „insbesondere, was die Gartenwirtschaft angeht“. Sie soll ebenfalls vergrößert werden, auf bis zu 100 Plätze. Bislang waren es laut Gemeinde Tägerwilen halb so viele. Zudem soll es mehr Parkplätze geben: 36 statt wie bisher rund 20. Auch Fahrradstellplätze kommen hinzu.

„Ich bin hier aufgewachsen und hänge an der Umgebung“, sagt Ur-Paradiesler Robert Martin und fragt: „Warum kann es um das Hotel nicht einfach so grün bleiben wie bisher?“ Die zusätzlichen Parkplätze könnten, so seine Befürchtung, „wieder mehr Autos und Motorräder ins Tägermoos ziehen“.

Zweifel bleiben auch nach Gespräch mit Eigentümer

Ein persönliches Gespräch mit Hotelier Christian Rosenberg hätten seine Zweifel nicht ausgeräumt. Seine Sorge: Die Vergrößerung des Hotels ist möglicherweise nur der erste Schritt einer weiteren Bebauung am Tägermoos.

Ob es also tatsächlich zur Win-Win-Situation für alle kommen wird – zumindest aber zu einer, von der auch besorgte Paradiesler wie Robert Martin überzeugt sind? Im kommenden Frühjahr wird es sich weisen. Dann soll laut Christian Rosenberg das Trompeterschlössle wiedereröffnet werden.

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