Es sind 70 Maßnahmen, die im ersten Klimaschutzbericht der Stadt aufgelistet sind – und es ist schwierig, dabei nicht den Überblick zu verlieren. Die Aktivitäten reichen von der Gebäudesanierung über einen Klimabürgerrat bis hin zu einer nachhaltigeren Mobilität. Außerdem werden alle städtischen Tochtergesellschaften, die Marketing Tourismus GmbH, die Wobak und die Stadtwerke einbezogen.

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Das sind die Probleme

Die Schwierigkeiten, die sich aus dem Bericht ergeben, nennt die Stadtverwaltung im Gemeinderat selbst: etwa das Problem der Messung. Um die eigene Leistung im Vergleich zu anderen Kommunen zu bewerten, sei der European Energy Award (EEA) am besten geeignet, erläutert Klimaschutzmanager Lorenz Heublein.

Dabei stehe man seit Jahren bei etwa 60 Prozent, 2019 habe sich Konstanz auf 64 Prozent verbessert. Ab 75 Prozent erhält eine Kommune den EEA in Gold.

Außerdem gelte es, die territoriale CO2-Bilanz zu messen. Diese liegt in Konstanz bei etwa 4,2 Tonnen CO2-Ausstoß pro Person und Jahr. Das Problem dabei: nicht alle Faktoren, die in diese Bilanz einfließen, beziehen sich auf Kohlendioxidausstoß, der durch die Kommune beeinflussbar ist. So haben Industriestädte etwa einen höheren CO2-Ausstoß.

Bild 1: Konstanz kann bis 2030 nicht klimaneutral werden – so die Voraussage nach dem ersten Klimaschutzbericht
Bild: Eva Marie Stegmann

Das Problem mit der sozialen Gerechtigkeit

Oberbürgermeister Uli Burchardt leugnet nicht, dass es zu Zielkonflikten kommen werde. Neben dem Klimaschutz sei es in Konstanz die wichtigste Aufgabe, für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. „Weiterer Flächenverbrauch ist unvermeidbar“, sagt Burchardt. Zudem sei es eine Frage des Geldes: „Wenn wir klimafreundliches Bauen für bezahlbaren Wohnraum wollen, dann kostet das.“ Bisher gebe es noch wenige Förderprogramme, die klimafreundliches Bauen für geförderten Wohnraum bereitstellten.

Es fehlt an Personal für das Sanierungsvolumen

Ein ganz anderes Problem stellt sich bei den verfügbaren Ressourcen. Vieles werde nicht am Geldmangel scheitern, so Burchardt: „Es geht um das nötige Personal“. Gerade bei der Sanierung von Gebäuden ist die Planungsarbeit umfassend. „Will man alle städtischen Gebäude bis 2050 sanieren, müsste man ein Volumen von 20 Millionen Euro pro Jahr verbauen.“ Ein städtischer Architekt könne aber höchstens das Volumen von einer Million Euro pro Jahr bewältigen.

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Klimaneutralität bis 2030 nicht möglich

Die Stadt hat sich das Ziel gesteckt, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten und die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Es werde aber kaum möglich sein, dass Konstanz bis 2030 klimaneutral werde, sagt Burchardt. Klimaschutzmanager Lorenz Heublein ergänzt: „Wir würden die Klimaneutralität bis 2030 gern erreichen, aber das wird seriös kaum möglich sein.“ Es gebe zu viele bundesweite und globale Faktoren, die von Konstanz aus nicht beeinflussbar seien.

Eine Solaroffensive und die Pflicht, alle Neubauten mit Solaranlagen auszustatten sind Maßnahmen, die im Gemeinderat gelobt wurden. Im ...
Eine Solaroffensive und die Pflicht, alle Neubauten mit Solaranlagen auszustatten sind Maßnahmen, die im Gemeinderat gelobt wurden. Im Bild Olaf Westerhoff, der eine Solaranlage der Stadtwerke zeigt. | Bild: Hanser, Oliver

Fridays-Aktivisten loben und kritisieren

Klima-Aktivisten stehen vor der Ratssitzung vor dem Rathaus, um Passanten auf das Thema Klimaschutz aufmerksam zu machen. Später folgen viele aus ihren Reihen der Debatte im Rat. Manuel Oestringer von Fridays for Future hat sich genauer mit dem Klimabericht befasst: „Viele Maßnahmen sind gut, man sieht, dass etwas passiert. Aber vieles bleibt zu vage. Ich verstehe, dass man nicht gut abschätzen kann, wie viel CO2 man einspart. Bei dem Bericht kann man aber zu wenig erkennen, wo man hinwill. Ein Beispiel: der Nachhaltigkeitsworkshop der Wobak: Was kommt dabei konkret heraus? Allein darüber zu reden, wird nichts bringen.“

Auch bei der Kommunikation fordert Oestringer mehr Einsatz: Es sei nötig, die Bevölkerung darauf vorzubereiten, dass man die Klimaziele rasch erreichen wolle, dass es dringlich sei und, dass es Veränderung geben werde. „Die große Diskussion fehlt mir bei dieser Vorlage.“