Dass Klimaschutz wichtig ist, auch, dass es drängt, darüber herrscht Einigkeit im Gemeinderat. Doch wie viel müssen Stadt und Rat investieren und welches Ergebnis wird erreicht?

Eine erste Analyse

Der erste Klimaschutzbericht der Stadt liefert mehr Fragen als Antworten und das ist sogar eine gute Nachricht. Er zeigt, wo die Probleme liegen – genau das hatten sich die Fridays-Aktivisten im Mai 2019 gewünscht, als sie vom OB forderten, regelmäßig Fortschritte zu dokumentieren.

Mehr Fragen als Antworten

Ein Problem ist, dass es keinen messbaren Ausgangspunkt gibt. Wie viel CO2 stoßen die Konstanzer aus und wie viel davon ist von Konstanz aus nicht steuerbar wie etwa der Reiseverkehr? Wie viel Einsparung bringt eine neue Solaranlage? Wie schnell kann man bei der Sanierung öffentlicher Gebäude vorgehen? Ist ein autofreier Stephansplatz ein starkes Symbol oder Klima-PR, die nicht ein Gramm Kohlendioxid einspart, da die Autos eben woanders parken? Was ist sinnvolle Anregung zum Mitmachen und welche Öffentlichkeitsarbeit gleicht aktonistischer Klimafolklore?

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Weniger Illusion

Der erste Bericht hat mit mancher Illusion aufgeräumt: Klimaneutral bis 2030, das wird nicht möglich sein, sagt der Klimaschutzmanager. Möglich wäre es nur, wenn man Ausgleichszahlungen zuließe – eine Methode, die als Ablasshandel empfunden würde. Die Botschaft ist immerhin ehrlich: Wir strengen uns an, aber wir werden nicht so weit kommen wie gefordert.

Zwischen Aktionismus und Sorgfalt

Die schlechtere Nachricht: Der Klimaschutzbericht leistet nicht mehr als einen ersten Schritt. Die Verwaltung ist bei der Thematik – nicht viel anders als die Bundesregierung – gefangen zwischen Aktionismus und Sorgfalt. Sie hat 70 Maßnahmen entwickelt, aber keinen Startpunkt benannt. Das wird dann schwierig, wenn man in einem Jahr sagen möchte, wie weit man gekommen ist. Es ist schwierig, CO2-Einsparungen zu berechnen. Aber es wäre denkbar, zu sagen, wie viele Kilowattstunden Strom man bis 2025 durch Solarenergie bereit stellen will. Oder, wie viele Fahrzeuge weniger in Konstanz 2025 fahren sollen.

Gleichzeitig planen, berechnen und handeln

Der Oberbürgermeister hat zum ersten Mal Begrenzungen genannt. Die Stadt hat zu wenig Personal, um alle städtischen Gebäude zügig zu sanieren. Das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, darf wegen des Klimaschutzes nicht vernachlässigt werden. Das macht alles teurer. Im kommenden Jahr werden Stadt und Rat beides leisten müssen: Sie müssen die großen Brocken (weniger Autoverkehr, Sanierungen) mit Vorrang angehen und dabei berechnen, welche Maßnahmen am meisten bewirken. Sie müssen zugleich handeln und dokumentieren und das unter Zeitdruck. Und der Bevölkerung deutlich machen, dass es spürbare, unbequeme Veränderungen geben wird. Eine Herkules-Aufgabe – aber eine unumgängliche.

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