Exklusive Einblicke in die Aluminium-Werke Wutöschingen (AWW) gewannen 16 Gewinner der „SÜDKURIER öffnet Türen“-Veranstaltung kürzlich bei einer Führung. Burghard von Westerholt, Sprecher des Vorstands der AWW, freute sich bei der Begrüßung: „Wir können unsere Firma nicht richtig für die Öffentlichkeit öffnen, das wäre zu gefährlich. Um so schöner ist es für uns, heute solche Einblicke bieten zu können.“ Der Abend stand ganz im Zeichen der Sicherheit – und ebenso der Anlass dafür, denn die Werksführung wurde im Rahmen der SÜDKURIER-Serie „Sicherheit“ veranstaltet. Kai Oldenburg, SÜDKURIER-Regionalleiter Hochrhein, dankte dem Unternehmen für die Führung und den Lesern für ihr Interesse.

Einer der Teilnehmer der "SÜDKURIER öffnet Türen"-Führung durch die Alu-Werke Wutöschingen - bei der es reichlich heiß herging.
Einer der Teilnehmer der "SÜDKURIER öffnet Türen"-Führung durch die Alu-Werke Wutöschingen - bei der es reichlich heiß herging. | Bild: Dana Coordes

Rund 600 Mitarbeiter hat das Unternehmen, das seit seiner Gründung 1914 im Besitz der Familie von Salmuth ist. Bis 1954 lief die Firma noch unter dem Namen Aluminium-Walzwerk Wutöschingen. Und hatte bis dahin schon einiges erlebt: Zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk vollständig abgebaut und ins Ausland verfrachtet. Doch Curt Freiherr von Salmuth gelang der Wiederaufbau – und der Aufbau eines heute weltweit bekannten Alu-Unternehmens mit rund 180 Millionen Euro Umsatz pro Jahr.

„Der Butzen-Bereich macht etwa die Hälfte unseres Geschäfts aus“, erklärte Burghard von Westerholt den interessierten Gästen aus dem gesamten SÜDKURIER-Verbreitungsgebiet. Butzen sind das Basismaterial für die Verpackungsindustrie, aus ihnen werden vom Kunden Lebensmitteltuben, Dosen oder beispielsweise Aluminiumteile für Klimaanlagen in der Automobilindustrie hergestellt. Seit April läuft die Produktion in einer neuen Butzenfertigungs-Halle. Der Neubau war nach einem Brand im Jahr 2012 notwendig geworden, blickte von Westerholt zurück. Der Vorfall verursachte vor vier Jahren einen Millionen-Schaden und eine Zwangspause für 120 Mitarbeiter. Doch schon zweieinhalb Wochen nach dem Brand ging die Produktion weiter. Er war vermutlich durch einen elektrischen Kurzschluss im Keller ausgelöst worden. Rund 200 Feuerwehrleute waren damals im Einsatz – einer von ihnen war Peter Held, der auch an der SÜDKURIER-Führung teilnahm. „Es gab keine Verletzten, weder bei den Mitarbeitern, noch bei der Feuerwehr. Ich weiß gar nicht, ob ihnen damals gedankt wurde, deshalb holen wir das hiermit nach“, richtete Vorstandsmitglied Burghard von Westerholt seine Worte an den Besucher.
 

Die Leser nutzten die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen. Hier in der Butzenfertigung mit Wolfgang Hoferer (rechts), der für die Arbeitssicherheit zuständig ist.
Die Leser nutzten die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen. Hier in der Butzenfertigung mit Wolfgang Hoferer (rechts), der für die Arbeitssicherheit zuständig ist. | Bild: Dana Coordes

Ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich sind die Aluminiumprofile, die in Möbeln, Maschinen oder Kraftfahrzeugen Verwendung finden. Etwa 50 Prozent des Materials mit dem bei den Alu-Werken gearbeitet wird, sei sogenanntes Kreislaufmaterial, erklärte der Geschäftsführer. Reste, die bei der Produktion entstehen, können durch die eigene Gießerei eingeschmolzen und wiederverwertet werden. „Wir gießen mit über 90 Prozent Schrott, das ist wirklich Recycling was wir machen“, so von Westerholt. Und zudem sei die eigene Gießerei ein großer Wettbewerbsvorteil. Ebenso wie das Fertigungsspektrum des Unternehmens, das vom ersten Schritt, dem Einschmelzen, bis zum Abschluss bei der Oberflächenveredelung reicht. Diese findet bei König Metallveredelung in Lauchringen statt – ein Betrieb, der auch zum Unternehmen der Aluminium-Werke gehört.

Nach der Theorie im Konferenzraum ging es dann in die Praxis und die verschiedenen Werkshallen. Natürlich nicht ohne auf die nötige Sicherheit zu achten, denn vor dem Start stand für die Teilnehmer erst einmal ein Schuhwechsel an. Ohne Sicherheitsschuhe kein Zutritt. „Das Thema Arbeitsschutz wird immer wichtiger in einem Unternehmen“, sagte Wolfgang Hoferer, der bei der Alu für die Arbeitssicherheit zuständig ist. Gemeinsam mit Thomas Jehle, Leiter der Werksplanung und Instandhaltung, führte er die Besucher vorbei an heißen Öfen, frisch gestanzten Butzen und meterlangen Aluminiumprofilen. Wo kommen die Rohmaterialien her, wie wird die Abwärme genutzt und was wird gegen den Lärm getan – die Besucher nutzten die Gelegenheit ihre Fragen loszuwerden, an einem Ort, an den sie so schnell wohl nicht mehr kommen werden.

„Mit einer Stimme auftreten“

Burghard von Westerholt.
Burghard von Westerholt. | Bild: Aluminum-Werke Wutöschingen


Burghard von Westerholt ist eines von zwei Mitgliedern und Sprecher des Vorstands bei den AWW. Seit 2014 ist der Ingenieur und Wirtschaftsingenieur in dieser Funktion.

Herr von Westerholt, was ist der Vorteil des AWW-Standorts in Wutöschingen?

Der Vorteil für die AWW liegt in dem seit Jahrzehnten aufgebauten erfahrenen Mitarbeiterstamm, den wir ständig durch unser eigenes Ausbildungssystem erneuern. Das ist für unser Geschäft sehr wesentlich und lässt sich an einem neuen Standort nicht ohne weiteres aufbauen. Hinzu kommt die erforderliche Infrastruktur um ein solches Werk zu betreiben. Die fehlende Autobahnanbindung, das stark verbesserungsfähige Datennetz und die Konkurrenz um Facharbeiter auch mit unseren Schweizer Nachbarn würde Wutöschingen allerdings vermutlich nicht auf die Nummer 1 bei der Standortwahl setzen. Ein Plus ist natürlich das schöne und freizeitgerechte Umfeld, welches wir hier am Rande des Schwarzwalds bieten können.

Im Aluminium Forum Hochrhein kooperieren neun Unternehmen und die Gemeinde Wutöschingen – was bringt diese Zusammenarbeit?

Das Aluminium Forum Hochrhein bietet zunächst einmal die Möglichkeit eines geregelten Informationsaustausches zwischen verschiedenen Unternehmen aus der Branche. Eine große Hilfe ist es auch, dass wir uns insbesondere in Notfällen zum Beispiel durch Austausch von Ersatzteilen oder Know How unter die Arme greifen können, was ohne die aufgebaute Vertrauensbasis sicher nicht möglich wäre. Wesentlich ist auch das gemeinsame Sprachrohr nach außen. Mit Hilfe des Aluminium Forums können wir mit einer gewichtigen Stimme unsere Wünsche an die Entwicklung der Region adressieren.

Was sind die besonderen Herausforderungen der Aluminium-Branche?

Ich denke die Herausforderungen unterscheiden sich nicht wesentlich von anderen metallverarbeitenden Industrien am Hochlohnstandort Deutschland. Stärker werdender Wettbewerb, Globalisierung der Märkte und steigende Kundenerwartungen in Bezug auf Qualität und logistische Leistungsfähigkeit stellen uns unter erheblichen Kosten- und Leistungsdruck, dem wir nur durch stetige Verbesserung begegnen können. (dc)