Bierbrauen ist immer noch fest in Männerhand. Immerhin: Bundes-Ernährungsministerin Julia Klöckner ist "Botschafterin des Bieres". Frauen sind im Brauerhandwerk immer noch die Ausnahme. Nina Nüßle aus Ofteringen gehört zu diesen Ausnahmen. Und sie erinnert an die alten Germanen, wo die Frauen das Bier für die Männer brauten. Die 21-Jährige lernt zurzeit in der badischen Staatsbrauerei Rothaus das Bierbrauen.

Das Brauereihandwerk hat auch seine handwerkliche Seite, wie Nina Nüssle an ihrem Arbeitsplatz demonstriert.
Das Brauereihandwerk hat auch seine handwerkliche Seite, wie Nina Nüssle an ihrem Arbeitsplatz demonstriert. | Bild: Gerald Edinger

In diesem Jahr hat sie ihre Abschlussprüfung, Ende Juni möchte sie das Abschlusszeugnis in der Hand halten. "Ich habe gute Noten und hoffe, dass ich die Prüfungen im Mai und Juni bestehe", sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. Besonders freut sie sich auf die praktische Prüfung in Ulm, wo sie die Brauerschule besucht. Dort gibt es eine Brauerei, in der alle Schritte bis zum fertigen Gerstensaft gemacht werden können. "Ich freue mich schon darauf, wenn ich bald den Gesellensud in unserem eigenen Brauereilabor ansetzen darf", sagt sie lächelnd.

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Der Weg zu dieser Ausbildung war bei ihr nicht unbedingt klassisch, erzählt sie. Nach der mittleren Reife folgte in der Justus-von-Liebig-Schule Waldshut die Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin. Praktika im Gipserhandwerk und in einer Schreinerei waren nicht genau das, wonach sie suchte. "Ich wollte aber auf jeden Fall etwas Handwerkliches machen."

Selbstbewusst präsentiert sich Nina Nüssle in der Männerdomäne der Bierbrauer.
Selbstbewusst präsentiert sich Nina Nüssle in der Männerdomäne der Bierbrauer. | Bild: Gerald Edinger

Sie erfuhr von der Möglichkeit, ein Praktikum in der Brauerei Rothaus zu machen. Nach ein paar Tagen schrieb sie eine Bewerbung. Sie erinnert sich noch genau an den Start in die Ausbildung: "Ich bin schon zwei Wochen vor Beginn der Ausbildung nach Brünnlisbach gezogen, habe den Wecker so gestellt, als müsste ich schon zur Arbeit gehen. Dann bin ich zur Brauerei gelaufen, um zu sehen, ob es zeitlich klappt." Nervös war sie auch, als die Azubis von Alleinvorstand Christian Rasch zum Essen eingeladen wurden. "Das hat viele Ängste genommen und ich habe mich wie daheim gefühlt."

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Dass Bierbrauen immer noch eine Männerdomäne ist, merkt sie vor allem in der Schule. Unter den etwa 60 Mitschülern sind in ihrer Klasse zehn Frauen: "Da gibt es schon mal blöde Sprüche von den Jungs und man spürt den Konkurrenzkampf. Alle wollen später in diesem Beruf arbeiten, die Stellen sind aber nicht so üppig." Bei der Arbeit in Rothaus fühlt sie sich dagegen anerkannt, da spiele es keine große Rolle, dass sie als Frau das Brauhandwerk erlernt. Ihr großer Wunsch bleibt dennoch: "Es sollte selbstverständlich werden, dass eine Frau Brauerin oder Malerin sein kann."

"Es sollte selbstverständlich werden, dass eine Frau Brauerin oder Malerin sein kann." Nina Nüßle, Bierbrauerin in der Auszubildung
"Es sollte selbstverständlich werden, dass eine Frau Brauerin oder Malerin sein kann." Nina Nüßle, Bierbrauerin in der Auszubildung | Bild: Gerald Edinger

Realität und ihre Vorstellungen vom Berufsbild lagen nach dem Praktikum nicht so weit auseinander, erzählt sie. Nun steht die Prüfung bevor, klar dass sie auf den Abschluss mit einem Bier anstoßen wird – gerne mit einem Weizen oder Pils. Ob sie den Meisterbrief anstrebt weiß sie noch nicht: "Ich möchte erst einmal einige Jahre Erfahrung sammeln, dann werde ich mich entscheiden. Auch Familienplanung ist eine Option"

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