Gute Nachrichten für 76 Beschäftigte der Textilveredelung Dreiländereck in der Kreuzmatt: Zum 1. September übernimmt der Textilfabrikant Mattes & Ammann aus dem schwäbischen Meßstetten das Unternehmen. Dies bestätigte nun Brennet-Chef Stephan Denk im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Belegschaft habe sich der neue Arbeitgeber bereits in einer Betriebsversammlung vorgestellt, es seien nur noch einige wenige vertragliche Details zu klären. „Jeder einzelne Posten der Bilanz muss bewertet werden“, erklärt Stephan Denk die letzten Schritte, bis der Vertrag unterzeichnet werden kann. So sehen die Rahmenbedingungen aus: Lediglich die Firma bekommt einen neuen Besitzer; Grundstück, Gebäude und Maschinen bleiben im Eigentum der Brennet GmbH und werden an den neuen Firmeneigentümer Mattes & Ammann verpachtet. Eine Stilllegung des Betriebs, wie es noch vor einigen Wochen im Raum stand, ist damit vorerst vom Tisch.

Das Meßstettener Unternehmen Mattes & Ammann ist ein Familienbetrieb in dritter Generation. 1951 wurde es von Albrecht Ammann und Christoph Mattes gegründet, begonnen wurde damals mit der Herstellung von Meterware in einer Kettenwirkerei. Im Laufe der Jahre erweitert das Unternehmen seine Produktion in mehreren Schritten. Heute werden in insgesamt vier Werken mit über 500 Maschinen pro Jahr etwa 50 bis 60 Millionen Quadratmeter Stoff gefertigt, beispielsweise für die Automobilindustrie. Eine eigene Textilveredelung besitzt das Unternehmen bislang aber nicht, so dass die Wehrer Dreiländereck die Produktionslinien ideal ergänzt.

Für die Firma Brennet schließt sich damit nach 145 Jahren Firmengeschichte das Kapitel Textilproduktion endgültig. Vor fünf Jahren hatte das Unternehmen seine Werke in Wehr und Brennet stillgelegt, zwei Jahre zuvor war das Werk in Hausen abgebrannt. Die Dreiländereck war somit das letzte verbliebene Textil-Standbein. Trotz steter Modernisierung seiner Betriebe war die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Textilproduktion auf dem Weltmarkt nicht mehr zu halten, erklärt Denk. Mehrere 100 Millionen Euro hatte das Unternehmen im Laufe der Jahre in die Modernisierung gesteckt. „Wenn wir es nicht getan hätten, wären wir schon lange vom Markt verschwunden“, blickt Denk zurück.

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Stephan Denk sieht den Verkauf und die Verpachtung der Dreiländereck mit äußerst gemischten Gefühlen: Einerseits schmerze es ihn, das Textil-Kapitel zu schließen, anderseits sei er froh, dass dieser Schritt nicht zu Lasten der Belegschaft gehe und alle Angestellten ihren Job zu gleichen Konditionen behalten. „Dies stand immer an oberster Stelle, das wusste auch der Betriebsrat“, so Denk. Er habe – entgegen aller Gerüchte – nie Krach mit einem Betriebsrat gehabt, mit einer einzigen Ausnahme vor einigen Jahren. Weil ihm die Zukunft der Beschäftigten auch in Zukunft wichtig ist, hat er nach eigenen Angaben bereits einen Fonds mit 600 000 Euro für etwaige Abfindungen bereitgestellt, „für den Fall einer Schließung in zwei oder drei Jahren“, wie er sagt. Dass nun die Textilgeschichte der Brennet zu Ende gehe, schmerze zwar. Erleichtert sei er aber, dass es gelungen sei, dies ohne Insolvenz oder Konkurs hinzubekommen. Als sein Lebensmotto nennt er deshalb mittlerweile den zwispältigen Ausruf: „Oh weh! Gesiegt!“