Lehrer und Mitschüler sind noch immer tief betroffen von der Abschiebung der 14-jährigen Aleksandra Saciri, die seit Anfang 2017 die Wehrer Gemeinschaftsschule besuchte. Inzwischen ist es ihrem Klassenlehrer gelungen, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Die früheren Mitschüler der Vorbereitungsklasse haben nun eine spontane Sammelaktion gestartet und ein Päckchen nach Serbien geschickt. Wie bereits berichtet, wurde Aleksandra Saciri Ende März mit ihren Eltern nach Belgrad (Serbien) abgeschoben – völlig überraschend für die Schule. Erst am Morgen der Abschiebung erfuhr ein Mitschüler über eine Handynachricht, dass Aleksandra nicht mehr zur Schule kommen kann, weil sie und ihre Familie gerade abgeschoben werde. An der Wehrer Gemeinschaftsschule löste die Nachricht damals große Bestürzung aus.

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Ihrem Klassenlehrer gelang es nun, Kontakt zu dem Mädchen herzustellen. Demnach besucht Aleksandra zwischenzeitlich wieder eine Schule. „Sie bat um Hilfe, da ihr Kleidung und Schulsachen fehlen“ berichtet Benita Hasselblatt, Klassenlehrerin der Vorbereitungsklasse für Flüchtlingskinder, die auch Aleksandra in ihren ersten Monaten in Wehr besuchte. „Ihre früheren Mitschüler haben sofort gesagt, dass sie etwas spenden wollen. Am nächsten Tag haben sie Schulsachen und ein paar Kleidungsstücke, auf die sie verzichten können, mitgebracht.“

Auch das Deutsche Rote Kreuz in Bad Säckingen hat sich mit einer Kleiderspende beteiligt. „So konnten wir ein ordentliches Paket schnüren. Meine Klasse hat noch Briefe geschrieben und Bilder gemalt und viele liebe Grüße mit in das Paket getan. Nun hoffen wir das alles ankommt“, so Benita Hasselblatt. „Es gibt noch außerdem zwei spontane Spender aus Freiburg, die 150 Euro dazugetan haben.“

Die Minister Eisenmann und Strobel schreiben

Reaktionen bekam die Schule mittlerweile auf den Brief, den 24 Lehrer an Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Kultusministerin Susanne Eisenmann und Innenminister Thomas Strobl geschrieben haben, um gegen die Art und Weise der Abschiebung zu protestieren. Von den Politikern wollten sie Antworten auf die Frage, wie sie als Pädagogen mit den dramatischen Erlebnissen der Schüler umgehen sollen: „Wie sollen wir gegenüber Siebtklässlern rechtfertigen, dass man ein 14-jähriges Mädchen mitten in der Nacht wie eine Verbrecherin von der Polizei abholen lässt? Warum gibt es keine Möglichkeit für ein 14-jähriges Mädchen, sich von ihren wichtigsten Bezugspersonen und ihren engen Freunden angemessen zu verabschieden? Wie sollen wir anderen Schülerinnen und Schülern mit prekärem Aufenthaltsstatus erklären, warum es sich lohnt, Deutsch zu lernen, sich in das Schulleben zu integrieren, sich anzustrengen, wenn sie erleben, wie schnell Perspektiven und Hoffnungen zerschlagen werden können?“, fragten die Lehrer.

Serbien gilt als sicheres Herkunftsland

Durchaus Verständnis für den Unmut der 24 Lehrer zeigt die Staatskanzlei von Ministerpräsident Kretschmann und erklärt, warum es zur Abschiebung kam: „Gerade für Familien aus Serbien gilt, dass der Weg nach Deutschland über die Stellung eines Asylantrages meist der falsche Weg ist, da Serbien ein sicherer Herkunftsstaat ist. Bei sicheren Herkunftsstaaten wird vermutet, dass weder eine politische Verfolgung noch unmenschliche oder erniedrigende Behandlung stattfindet. Im Gegenzug wurde für Menschen aus diesen Ländern jedoch ein Einwanderungskorridor geschaffen, der es ihnen ermöglicht, bei Nachweis einer Beschäftigung legal nach Deutschland einzureisen und sich hier eine Zukunft aufzubauen.

Dieser Weg wurde jedoch von Aleksandras Familie wohl nicht gewählt, weshalb sie abgeschoben wurden. Das klingt leider hart, ist aber die derzeit bestehende Rechtslage“, so die Staatskanzlei. Sie widerspricht auch der subjektiven Wahrnehmung der Lehrer, dass es keine Gelegenheit für die Familie gegeben habe, sich zu verabschieden. In einem ersten Schritt sei die Familie aufgefordert worden, das Land wieder zu verlassen. „Wer dann trotzdem nicht selber ausreist, bekommt einen Termin, bis wann er Deutschland verlassen muss. Erst in einem letzten Schritt wird die vollziehbare Ausreisepflicht von der Polizei durchgesetzt.“

Die Antwort des Kultusministeriums ist dagegen für die 24 Lehrer enttäuschend. Statt einer Antwort auf die Frage, wie mit dem für das Schulleben dramatischen Ereignis pädagogisch umgegangen werden soll, erklärt sich das Kultusministerium für nicht zuständig und verweist auf das Innenministerium.

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