Zum Greifen nah erscheinen die Alpen bei klarem Wetter, wenn man von der Sankt-Sebastian-Kapelle blickt. Ein Stück weiter, den Aichener Berg hinauf, eröffnet sich dann das Alpenpanorama vom Säntis, den Churfirsten, über Glärnisch, Tödi und Titlis bis zu Eiger, Mönch und Jungfrau. Hier, auf 690 Metern Höhe, befindet sich auch die Alpenblickhütte mit Grill- und Spielplatz, die bei der Ortschaftsverwaltung gemietet werden kann. Den Weg weiter hinab folgend ist auch der Schlüchtfelsen zu sehen, bevor es in die Ortschaft Aichen geht.

Von der Alpenblickhütte und der Sankt Sebastians-Kapelle aus ist bei klarem Wetter das Alpenpanorama zu sehen. Das vergletscherte Massiv des Glärnisch liegt auf 2915 Metern Höhe in den Schwyzer Alpen (Bildmitte) und ist mit bloßem Auge zu erkennen, obwohl es 90 Kilometer entfernt liegt.
Von der Alpenblickhütte und der Sankt Sebastians-Kapelle aus ist bei klarem Wetter das Alpenpanorama zu sehen. Das vergletscherte Massiv des Glärnisch liegt auf 2915 Metern Höhe in den Schwyzer Alpen (Bildmitte) und ist mit bloßem Auge zu erkennen, obwohl es 90 Kilometer entfernt liegt. | Bild: Melanie Mickley

Zum ersten Mal wird Aichen im Jahr 1275 in einem Dokument erwähnt. Der Ortsname variierte zeitweilig wie „Eichain“, „Aichan“ oder auch „Aychen“. Der Ursprung macht sich auch im Wappen bemerkbar, auf dem drei grüne, sternförmig angelegte Eichenblätter und Eicheln auf silbernem Grund zu sehen sind. Zu Aichen gehört auch der nördlich gelegene Ortsteil Allmut und der südlich gelegene Ortsteil Gutenburg.

Im frühen Mittelalter gehörte Aichen dem Rittergeschlecht der Herren von Allmut, die ihre Burg Allmut über den Steilhängen der Schlücht hatten. Im Zuge der Belagerung von Waldshut wurde diese aber bis auf die Grundmauern zerstört. Um 1495 ging die Verwaltung des Ortes auf das Kloster St. Blasien über.

Das Wappen von Aichen
Das Wappen von Aichen

Die Sankt Sebastians Kirche fällt durch ihre Kombination aus spätbarockem Kirchturm und neuem Kirchenschiff aus den 70er Jahren auf. 1840 wurde das Rathaus erbaut und den auch heute noch existierenden Landgasthof „Löwen“ gibt es schon seit 1857.

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Etwa 400 Meter unterhalb des Gasthofs, Richtung Witznau, befindet sich der Ein- beziehungsweise Ausstieg des Hutpfades. Der Hutpfad, der im 19. Jahrhundert zur Hut des Gemeindewaldes an den Abhängen des Schlüchttals angelegt wurde, ist inzwischen als Etappe 9 ein Teil des Fernwanderweges „Mittelweg“ des Schwarzwaldvereins.

Der Hutpfad führt oberhalb der Schlücht über Stock und Stein, durch Wälder und über Bäche. Gutes Schuhwerk ist hier ein Muss.
Der Hutpfad führt oberhalb der Schlücht über Stock und Stein, durch Wälder und über Bäche. Gutes Schuhwerk ist hier ein Muss. | Bild: Melanie Mickley

Der schmale Pfad führt etwa 2,5 Kilometer entlang des Schlüchttals über mehrere Bäche, vorbei an Felsen und durch Wälder. Stellenweise müssen umgestürzte Bäume und Geröll überstiegen werden, gutes Schuhwerk und Trittsicherheit sollten also mitgebracht werden.

Der Hutpfad führt oberhalb der Schlücht über Stock und Stein, durch Wälder und über Bäche. Gutes Schuhwerk ist hier ein Muss.
Der Hutpfad führt oberhalb der Schlücht über Stock und Stein, durch Wälder und über Bäche. Gutes Schuhwerk ist hier ein Muss. | Bild: Melanie Mickley

Wird der Hutpfad von Aichen Richtung Gutenburg durchlaufen, kommt man etwa einen Kilometer vor Gutenburg auf der Verbindungsstraße heraus. Etwas weiter unterhalb der Straße, nahe der Haltestelle, liegt die Burgruine Gutenburg. Im 10. Jahrhundert wurde diese vom Kloster Sankt Gallen erbaut. Im 12. und 13. Jahrhundert war sie von den Herren von Gutenburg belegt, 1480 kaufte das Kloster Sankt Blasien den Besitz.

Geschichte: Wie beeindruckend die Gutenburg einmal ausgesehen haben muss, wird auf einer Rekonstruktion und Zeichnung von Wolfgang Braun deutlich.
Geschichte: Wie beeindruckend die Gutenburg einmal ausgesehen haben muss, wird auf einer Rekonstruktion und Zeichnung von Wolfgang Braun deutlich. | Bild: Wolfgang Braun

Mitte des 17. Jahrhunderts ließ der Abt jedoch die Burg „schleifen“, also abreißen, um von dort keine Zerstörungen durch Feinde zuzulassen. Heute zeugen nur noch wenige Mauerreste, die inzwischen von der Natur erobert wurden, von der einst stattlichen Burg. Besteigen darf man diese jedoch nicht, es wäre zu gefährlich und außerdem ist das Grundstück in Privatbesitz.

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In Gutenburg befindet sich auch der größte Arbeitgeber des Ortsteils, die Holzfaserplattenfabrik Gutex. Ursprünglich wurde hier um 1900 Wasserkraft zur Stromerzeugung aus der Schlücht genutzt. Im Jahr 1932 entstand dort bereits eine Fertigungsstraße für Holzfaser-Dämmplatten.

Wirtschaft: Die Holzfaserplattenfabrik Gutex im Ortsteil Gutenburg.
Wirtschaft: Die Holzfaserplattenfabrik Gutex im Ortsteil Gutenburg. | Bild: Archiv Gutex

In Aichen mit seinen Ortsteilen Allmut und Gutenburg leben heute 320 Einwohner. „Das sind freundliche Menschen, die zusammenhalten“, so beschreibt Ortsvorsteher Christian Maier die Bewohner, die auch ein reges Vereinsleben pflegen. Musik- und Narrenverein Guggenloch-Spatzen, Landfrauen und Landjugend, Kirchen- und gemischter Chor sowie der Fußballclub Black Sheeps, bieten Geselligkeit und setzen sich für ihren Ort ein.

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