Am westlichen Hang des Steinatals liegt Breitenfeld. Der Name beruht darauf, dass ein breites, unbewaldetes Landstück so benannt wurde. Erst später folgte eine Besiedelung, aber der Name blieb. Um 1300 gehörte das Dorf zum Besitz der Herren von Krenkingen, danach zu den Herren von Hohenfels und von Rumlang, die 1480 den Besitz an das Kloster St. Blasien verkauften. Die unterschiedlichen Besitzer zeichnen sich auch im Wappen von Breitenfeld ab, wobei die linke Schildhälfte die Krenkinger Linie symbolisiert und auf der rechten Seite mit dem silbernen aufsteigenden Hirsch an die ehemalige Klosterherrschaft erinnert wird.

Das Wappen von Breitenfeld.
Das Wappen von Breitenfeld. | Bild: Stadt Waldshut-Tiengen
Auf dem „Aussichtsbalkon“ von Breitenfeld laden Himmelsliegen zum Verweilen ein.
Auf dem „Aussichtsbalkon“ von Breitenfeld laden Himmelsliegen zum Verweilen ein. | Bild: Melanie Mickley

Die Umgebung und ein weiter Blick in den Klettgau bis zum Randen und von der Küssaburg bis zu den Glarner Alpen laden zu Wanderungen ein. Ein beliebter Rundweg von circa acht Kilometern führt vom Vitibuck entlang des Waldrandes „Hoher Brand“ auf 525 Meter Höhe, über den Sommerhaldenweg wieder abwärts durch die Ortschaft und über den Hasenhof und den Mittleren Berg zurück nach Tiengen. Ein kürzerer Weg verläuft oberhalb des Dorfes. Hier laden neu aufgestellte Himmelsliegen wie auf einem Aussichtsbalkon zu einer Rast ein.

Idylle herrscht am Hasenhof.
Idylle herrscht am Hasenhof. | Bild: Melanie Mickley

Der Ort hat drei Pferdehöfe. Die vielen Pferde- und Kuhweiden um das Dorf haben dazu geführt, dass weniger Ackerland, dafür aber noch große offene Wiesenflächen vorhanden sind. Ein Fest für Bienen und die Sinne ist die Blütezeit der vielen alten Obstbäume am Ortsrand. Für den Erhalt der Streuobstwiesen lädt die Ortschaftsverwaltung die Bewohner jedes Jahr zur Obstbaumpflanzaktion ein. Dazu gibt es eine Liste mit 30 verschiedenen Obstbaumarten, von der sich die Teilnehmer einen aussuchen dürfen. Auch Baumpflanz- und Schnittkurse gehen damit einher. Schon 335 Obstbäume wurden in den vergangenen zehn Jahren mit dieser Aktion gepflanzt.

Die Obstblüte ist ein Fest für Bienen und die Sinne.
Die Obstblüte ist ein Fest für Bienen und die Sinne. | Bild: Melanie Mickley

Drei Wegewarte kümmern sich um den Erhalt von Ruhebänken und um die Pflege von Böschungen und Grünflächen. Die zahlreichen Blumenanlagen werden von den Landfrauen gepflegt. Die Breitenfelder scheinen ihre Dorfputzete-Aktionen gründlich auszuführen, denn die Straßen und Plätze sind auffallend sauber. Der Dorfplatz am Brunnen und Rathaus wirkt heimelig. Hier trifft man sich zum Dorfhock, zu Vorträgen oder zum Apfelsaftpressen. Zur jährlichen Serenade der Stadtmusik Tiengen wird dann auch mal die gesamte Straße gesperrt, damit der Platz voll genutzt werden kann. Der Brunnen wird im Sommer gelegentlich gerne von Kindern für ein kühles Bad genutzt oder von Pferden als Tränke.

Bio-Hof und Gasthof

Am Dorfplatz liegt auch der Bio-Hof Ebner, der seit mehr als 20 Jahren Mutterkuhhaltung betreibt, das heißt: Kalb und Mutter bleiben die ersten neun Monate zusammen. Ebenso zentral liegt das Traditionsgasthaus „Hirschen“, das die Familie Knöpfle schon seit 88 Jahren führt. Da Breitenfeld keine Halle, Schule oder Kindergarten hat, ist es für die Dorfgemeinschaft wichtig, dass man für Veranstaltungen auf den großen Saal im „Hirschen“ zurückgreifen kann.

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Auch für Wanderer ist der Landgasthof „Hirschen“ ein beliebtes Ziel. Für sie lohnt sich auch ein Blick in die aus dem Jahr 1651 stammende Sankt-Georgs-Kapelle, die in den 1970er Jahren komplett saniert wurde. Auffallend ist auf dem kleinen Altar eine bronzene Schatulle mit Verzierungen, in die ein großer Bergkristall eingelassen ist. Auch ein Schloss befindet sich daran und es mutet an, als würde sich ein Schatz darin verbergen. Für jemanden der nicht katholisch ist, bedarf es einer Aufklärung.

Die St. Georgskapelle mit gotischem Fenster und Tabernakel.Bild: Melanie Mickley
Die St. Georgskapelle mit gotischem Fenster und Tabernakel.Bild: Melanie Mickley | Bild: Melanie Mickley

„Das ist ein Tabernakel“, erklärt Mesnerin Vera Giebels. Im katholischen Glauben bleibt Jesus Christus in Gestalt von Brot und Wein über die Eucharistiefeier (Fronleichnam) hinaus gegenwärtig, wobei das Brot in Form der geweihten Hostie (das Allerheiligste) mit Schloss und Riegel aufbewahrt wird. Meistens hat das Tabernakel die Form eines Tresors, der künstlerisch gestaltet ist. In älteren Kirchen ist dieser in den Altaraufbau eingelassen. Nur in evangelischen Kirchen gibt es so etwas nicht, weil die Reformatoren die Gegenwart Christi auf den Augenblick des Empfangs einschränkten.

Offenheit und Grenzen

Der kleinste Ortsteil von Waldshut-Tiengen zählt in diesem Jahr zum ersten Mal mehr als 200 Bewohner, nämlich genau 203. Weil der Ort so klein ist, gibt es auch keine Straßennamen, sondern nur Hausnummern, und da die Nummernfolge sich offensichtlich nicht sofort erschließt, stößt so mancher Paketdienst hier schon einmal an seine Grenzen. Grenzen sieht man in dem beschaulichen Dörfchen jedoch nicht, denn es gibt fast keine Zäune oder Begrenzungsmauern zwischen den Grundstücken. „Das charakterisiert die offenen und liebenswerten Bewohner von Breitenfeld“, sagt Ortsvorsteher Jürgen Bacher.