Die Regularien der 610. Hauptversammlung der Waldshuter Narro-Zunft in der Waldshuter Stadtscheuer waren schnell abgehandelt, allen voran die Wiederwahl des kompletten Vorstands. Stephan Vatter, bei der letzten Präsenz-Versammlung vor zwei Jahren erstmals ins Amt gewählt und jetzt mit großer Mehrheit als Zunftmeister bestätigt, trieb indes eine ganz andere Frage um. Welche Corona-Regeln sollen im kommenden Jahr bei der Saalfasnacht in Waldshut gelten? Die Hauptversammlung selbst fand unter Einhaltung der 3G-Regeln statt.

Da diese Frage weder er alleine noch der Vorstand als Gremium beantworten wollte, ließ Stephan Vatter am Ende der Versammlung die anwesenden Mitglieder darüber entscheiden. Schließlich handele es sich hierbei „um ein ganz heikles soziales Thema“, wie es Stephan Vatter formulierte. Denn bei Veranstaltungen unter Einhaltung der 2G-Regel, grenze man Leute bewusst aus.

Harte Entscheidung

Entscheide man sich für die 3G-Regel könne dies bedeuten, dass geplante Veranstaltungen nicht durchgeführt werden könnten. Das Ergebnis der geheimen Abstimmung war eindeutig. 65 der 67 Stimmberechtigen votierten für die 2G-Regel. Das heißt, nur Geimpfte und Genesene dürfen beispielsweise zum Kappenabend und Heringsessen. Zwei Mitglieder enthielten sich der Stimme, vier Befürworter der 2G-Regel forderten zudem noch einen Schnelltest für geimpfte oder genesene Besucher von Saalveranstaltungen. Vatter wertete dieses Votum als „klaren Auftrag der Zunft“.

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Fest in Planung haben die Waldshuter Narren neben den bekannten Saalveranstaltungen auch die Närrische Gass an Fasnachtsmontag (28. Februar 2022). Das bunte Treiben zwischen den beiden Stadttoren auf der Kaiserstraße soll um 11.11 Uhr mit dem Fassanstich eröffnet werden. Den Abschluss bilden ein Hexenumzug durch die Innenstadt, der Hexensprung auf dem Viehmarktplatz und Unterhaltung in einem Festzelt auf der Kaiserstraße. Von einem ursprünglich angedachten Fackelumzug von der Kaiserstraße zum Chilbiplatz haben die Narren Abstand genommen.

Treue und Neue

Vor dem Ausblick blickten die Narren in der Stadtscheuer aus verschiedenen Blickwinkeln noch einmal zurück auf das vergangene Vereinsjahr. Nach einer närrisch-munteren Overtüre von Zunftmeister Stephan Vatter wurde es zunächst einmal ernst, als dem verstorbenen Mitbegründer der Hansele und Geltentrommler, Werner Knobloch, gedacht wurde. Stephan Vatter: „Werner Knobloch war einer der Väter der heutigen Waldshuter Narrenfamilie.“

Alles nur digital

Beisitzer Norbert Wassmer verlas anschließend ein Extrakt des Protokolls der 609. Hauptversammlung, ehe Zunftschryber Florian Amrein einen Einblick in das Stubenbuch, sprich einen Überblick über die Aktivitäten der zurückliegenden Monate gab. So erinnerte er etwa an die One-Man-Show von Stephan Vatter beim digitalen Heringsessen oder an den digitalen Kappenabend.

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Karl-Anton Ziemer berichtete von den Alt- und Ehrennarren und Säckelmeister Tobias Bartelmess lobte neben dem Verweis auf eine gute Kassenlage die Professionalisierung der Narrenzeitungs-Produktion. Ein dickes Lob für alle an der Bewältigung des „verflucht anstrengenden Jahres“ beteiligten Mitglieder gab es von Zunftmeister Stephan Vatter. Auch wenn die Corona-Pandemie die Fasnacht 2021 im klassischen Sinn so gut wie zum Erliegen brachte, befand Vatter dennoch: „Wir hatten viele tolle Erlebnisse, aber alle leider nur online.“

Der Vorstand der Narro-Zunft Waldshut (von links): Norbert Wassmer (Beisitzer), Florian Amrein (Vize-Zunftmeister), Stephan Vatter (Zunftmeister), Florian Amrein (Zunftschryber) und Tobias Bartelmess (Säckelmeister).
Der Vorstand der Narro-Zunft Waldshut (von links): Norbert Wassmer (Beisitzer), Florian Amrein (Vize-Zunftmeister), Stephan Vatter (Zunftmeister), Florian Amrein (Zunftschryber) und Tobias Bartelmess (Säckelmeister). | Bild: Oldenburg, Kai

Voll der Anerkennung ob der Leistungen war auch Oberbürgermeister Philipp Frank: „Hut ab, was Ihr geleistet habt. Es ist keine Selbstverständlichkeit, was Ihr auf die Beine stellt.“ Keine Prognose wollte Frank dazu abgeben, wie die fünfte Jahreszeit im kommenden Jahr gefeiert werden kann. Den Dank des Werbe- und Förderungskreis Waldshut überbrachte Stefanie Kreß.

Bei den Wahlen wurde der fünfköpfige Vorstand im Amt bestätigt. In geheimer Wahl Stephan Vatter als Zunftmeister, Vize-Zunftmeister Florian Schwald, Säckelmeister Tobias Bartelmess, Zunftschryber Florian Amrein und Beisitzer Norbert Wassmer per Akklamation. Auf Antrag von Marc Jacobshaben, Zunftmeister der Waldshuter Junggesellen, war der Vorstand für die beiden zurückliegenden Vereinsjahre jeweils einstimmig entlastet worden.