Herr Haug, was ist die Geschichte hinter dem Eichhaldenhof und seit wann ist er im Besitz ihrer Familie?

Im 16. oder 17. Jahrhundert gab es hier oben in Bechtersbohl noch an die sieben Höfe. Der Eichhaldenhof ist als einziger übriggeblieben. Meine Großeltern, die aus dem Stuttgarter Raum stammten, haben ihn im Jahr 1921 erworben. Meine Großmutter ist seit 1922 auf den Tiengener Wochenmarkt gegangen. Damals ist sie mit zwei Handkörben nach Tiengen gelaufen und hat dort ihre drei Radieschen und ihre 20 Eier verkauft. In der Region sind wir also tief verwurzelt.

War es immer schon ihr Traum Landwirt zu werden und stand damit die Übernahme des Hofes von ihren Eltern von Anfang an fest?

Ich habe Automechaniker gelernt und war auch noch lange in der Schweiz als Mechaniker tätig. Als meine Frau das zweite Kind bekommen hat, mussten wir uns entscheiden – wollen wir den Hof übernehmen oder nicht. Halbe Sachen wollte ich nicht machen. Es kam für mich also nicht in Frage, Nebenerwerbslandwirt zu werden. Und dann haben wir uns dafür entschieden.

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Wie bewerten Sie ihre Entscheidung rückblickend, Vollerwerbslandwirt geworden zu sein?

Es hat seine Vor- und Nachteile. Das Allerschönste war, dass ich meine Kinder wirklich aufwachsen gesehen habe. Da es viel Arbeit auf dem Hof gibt, waren die Kinder die ganze Zeit um einen herum und ich habe ihre Entwicklung von Tag eins wirklich miterlebt. Das wäre natürlich anders gewesen, hätte ich weiter in der Schweiz gearbeitet. Doch rein von der finanziellen Seite war es keine gute Entscheidung. Als Landwirt zahlt man in die Alterskasse ein und je niedriger das Einkommen, desto geringer der Beitragssatz. Nun da es Richtung Rente geht, merkt man das dann.

Auch die Paprika von Dieter Haug können sich sehen lassen. Im Oktober gedeihen die Paprika und der Feldsalat im Gewächshaus auf dem Eichhaldenhof.
Auch die Paprika von Dieter Haug können sich sehen lassen. Im Oktober gedeihen die Paprika und der Feldsalat im Gewächshaus auf dem Eichhaldenhof. | Bild: Vanessa Amann

Kleine und familiär geführte Höfe werden zunehmend von Großbetrieben verdrängt. Wieso können kleine Höfe nicht bestehen?

Es geht nicht anders, es liegt immer am Geld. Kleine Höfe können nicht so viel produzieren und da die Preise für Lebensmittel im Keller sind, können die Betriebe nicht aufrechterhalten werden. Auch wir hätten ohne die Direktvermarktung und unsere treuen Marktkunden nicht bestehen können. Auf der anderen Seite zahlen auch wir dieselben Strom- und Benzinpreise, die laufenden Kosten sind also vergleichsweise hoch zu dem, was wir für unsere Lebensmittel noch bekommen. Diese Kosten kann ich aber nicht auf die Waren umlegen, weil sonst keiner mehr zu mir kommen würde. Und mit den Discountern können wir schon lange nicht mehr mithalten.

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Aber legen die Konsumenten mittlerweile nicht mehr Wert auf regionale Lebensmittel?

Ich würde sagen, das sind immer noch nur zwei bis fünf Prozent, die wirklich regionale und saisonale Lebensmittel beziehen. Wenn man am Abend in die Discounter geht und die leeren Gemüse- und Fleischregale sieht, dann weiß man Bescheid. Aber natürlich ist es einfacher und bequemer, den Einkauf im Supermarkt oder Discounter zu machen, anstatt zehn Läden und Wochenmärkte anzusteuern.

Was erwarten Sie von den deutschen Konsumenten?

Mehr auf das Regionale und das Saisonale achten. Aber heutzutage wissen leider viele nicht mehr, was saisonal ist. Wer auf den Wochenmarkt geht, weiß das natürlich. Aber wenn mich im Februar jemand an meinem Stand nach Bohnen fragt, dann weiß ich alles. Früher hatten noch mehr Menschen einen eigenen Garten auf dem Land. Da war dieses Bewusstsein für die Natur und ihre Pflanzen ein ganz anderes.

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War also früher in der Landwirtschaft alles besser?

Von der technischen Seite gesehen natürlich nicht. Wenn das Geld stimmt, kann man sich natürlich super Maschinen kaufen, diese erledigen dann einen Großteil der Arbeit. Früher war es vom Verdienst her allerdings besser. Seit die Discounter aus dem Boden geschossen sind, ist es für uns kleine Landwirte schwer. Die haben uns die Preise kaputtgemacht, da sie zum Beispiel Zucchini für 99 Cent pro Kilo anbieten, während ich 2,90 Euro verlangen muss, um meine Kosten zu decken. Dafür sind unsere Zucchini aber frisch vom Feld, ohne lange Transportwege und das wissen unsere Kunden natürlich zu schätzen.

Herr Haug, im Jahr 2016 haben Sie die schwerste nicht-genmanipulierte Tomate in ganz Deutschland gezüchtet. Was ist ihr Geheimrezept?

Ja, die Tomate hatte 1,66 Kilogramm. Dafür braucht es Herzblut, und ich arbeite viel mit Kompost, den wir auch selbst hier herstellen. Und ein weiteres Geheimnis ist die Brennneseljauche, die ich selbst ansetze. Ein idealer natürlicher Volldünger, den ich sehr gerne verwende. So kann ich auf Kunstdünger im Tomatenanbau komplett verzichten. Das sind neben Fleiß und langjähriger Erfahrung sowie der richtigen Sorte die Geheimnisse, um eine so schwere Tomate zu züchten.

Ein Grund zum Strahlen: Im August 2016 hat Dieter Haug diese Tomate mit 1,66 Kilogramm gezüchtet – ganz ohne chemisch-synthetische Düngemittel.
Ein Grund zum Strahlen: Im August 2016 hat Dieter Haug diese Tomate mit 1,66 Kilogramm gezüchtet – ganz ohne chemisch-synthetische Düngemittel. | Bild: Nicole Haug

Was ist in der Landwirtschaft der ertragsreichste Monat?

Es wechselt immer und hängt von den Jahreszeiten ab. In meinem Fall sind die Monate August und September die ertragreichsten, weil das Obst unserer Streuobstwiesen und unsere Tomaten erntereif sind. Ich habe dann an die 300 Tomatenstöcke und sogar das ist noch zu wenig, da die Nachfrage nach unseren Tomaten auf dem Wochenmarkt sehr groß ist. Ich baue viele uralte Sorten und auch Raritäten an, die nicht nur sehr gut schmecken, sondern im Supermarkt auch nicht angeboten werden.

Wieso haben Sie sich nun dazu entschlossen, den Betrieb nach 100 Jahren einzustellen?

Weil ich und meine Frau im Januar in die wohlverdiente Rente gehen werden und unsere Kinder sich für andere Wege entschieden haben. Auf dem Eichhaldenhof wird sich einiges verändern, was aber nicht negativ ist. Leben heißt Veränderung und diese kommt jetzt. Der gesamten Familie ist diese Entscheidung nicht leichtgefallen. Ich bin aber froh, dass beide Kinder auf dem Hof bleiben und er in Familienhand bleibt. Denn es ist unsere Heimat und für uns das schönste Fleckchen Erde, das es gibt.

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