Die Corona-Krise und die damit verbundene mehrwöchige Schließung von Geschäften und Gastronomiebetrieben haben die Gewerbetreibenden von Waldshut-Tiengen schwer getroffen. „Die Situation ist zum Teil desaströs“, schilderte Nikola Kögel, Geschäftsführerin und Sprecherin der Aktionsgemeinschaft Tiengen, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats die aktuelle Lage aller drei Waldshut-Tiengener Gewerbevereine. Zwischen 30 und 50 Prozent betrage derzeit der maximale Umsatz der Mitglieder. „Das ist ein Wert, den wir nicht lange durchhalten“, so Kögel weiter.

Um das Geschäft nach der Krise wieder anzukurbeln, planen die drei Gewerbevereine der Doppelstadt – der Werbe- und Förderungskreis Waldshut (W+F), die Aktionsgemeinschaft Tiengen und die Interessengemeinschaft Schmittenau (IGS) – erstmals eine gemeinsame Imagekampagne. „Wir brauchen Ihre Unterstützung“, appellierte Kögel an den Gemeinderat. Die Stadt wird die Vereine daher bei ihrem Vorhaben mit 10.000 Euro bezuschussen.

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Oliver Novak und Gilberto Cammisa, die beiden Geschäftsführer der Waldshuter Kreativagentur Lógos Lab, stellten die Imagekampagne vor. „Die Grundidee ist nichts Neues: Wir wollen willkommen heißen: Besucher, Kunden, Touristen“, sagte Novak. Neu sei hingegen, dass Waldshut und Tiengen als Zeichen der Verbundenheit erstmals mit einheitlichen Werbeplakaten einladen. Die Aktion sei „erweiterbar auf die Ortsteile“, fügte der Marketingexperte hinzu, bevor Gilberto Cammisa die verschiedenen Plakatmotive auf einer Großbildleinwand präsentierte.

Schlagwörter wie „Willbummeln“, „Willshoppen“, „Willgenießen“, Willsüßes“ und „Willvielfalt“ sind auf den Plakaten zu lesen. Darauf abgebildet sind außerdem zum Text passende Bildmotive. So sind beispielsweise auf einem Plakat mit dem Slogan „Willtradition“ drei junge Menschen in der Tracht der Vereinigung Alt Waldshut zu sehen. „Wir haben tolle Angebote und tolle Menschen in unserer Doppelstadt“, sagte Cammisa. Diese möchte die Kampagne über die Motive auf Plakaten und in sozialen Netzwerken nach außen transportieren.

„Mit Abstand am Schönsten“ steht auf einem Plakat in der  Tiengener Hauptstraße, das auf die Wiedereröffnung der Geschäfte nach der Corona-bedingten Schließung hinweist.
„Mit Abstand am Schönsten“ steht auf einem Plakat in der Tiengener Hauptstraße, das auf die Wiedereröffnung der Geschäfte nach der Corona-bedingten Schließung hinweist. | Bild: Schlichter, Juliane

Interessiert verfolgten die Stadträte die Präsentation. „Ich habe Freude gesehen in Ihren Gesichtern. Die Kampagne funktioniert schon mal“, freute sich W+F-Vorstandsmitglied Thomas Wartner. Fast durchgehend positiv fielen dann auch die Reaktionen auf die Kampagne aus. „Das ist ein unglaublich gutes Konzept mit einem einmaligen Wiedererkennungseffekt für unsere Doppelstadt“, lobte CDU-Stadtrat Maximilian Wagner, und seine Fraktionskollegin Nathalie Rindt ergänzte: „Unseren Gewerbetreibenden geben wir damit etwas zurück.“

Die SPD-Stadträtin Claudia Hecht begrüßte, dass es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der drei Gewerbevereine handelt. „Das ist das erste Mal, dass man bewusst sagt, Waldshut und Tiengen machen was zusammen“, sagte sie und schlug in diesem Zusammenhang vor, einen gemeinsamen Einkaufsgutschein für die Gesamtstadt einzuführen. „Das Thema ist bei uns angekommen“, entgegnete Thomas Wartner. FDP-Stadtrat Raimund Walde schlug vor, die Ortsteile auf den Plakaten „stärker hervorzuheben“.

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Claudia Linke von den Grünen störte sich daran, dass auf den gezeigten Motiven nur junge Leute abgebildet seien. „Mit dieser Kampagne laden Sie die Rentner aus“, sagte sie. Die Macher versicherten, dass man die Motive noch erweitern könnte. Der Freie-Wähler-Fraktionsvorsitzende Harald Würtenberger schlug vor, mit den Plakaten beispielsweise im Europapark Rust, an den Triberger Wasserfällen oder in der Innerschweiz zu werben.

„Die Schweizer, die das Plakat am Waldshuter Zoll sehen, kommen eh“, meinte er und schlug vor, den Zuschuss der Stadt auf 20.000 Euro aufzustocken. „Dieses Geld wird die Stadt mehrfach wieder erreichen“, sagte Würtenberger, bevor er einen Antrag auf Aufstockung der Summe stellte.

Dieser wurde mehrheitlich abgelehnt. Der Gemeinderat stimmte bei fünf Gegenstimmen dem Verwaltungsantrag zu, die Imagekampagne der Gewerbevereine mit 10.000 Euro zu bezuschussen. Oberbürgermeister Philipp Frank sagte, dass der Gemeinderat in der Zukunft über eine Aufstockung nachdenken könne, „wenn man sieht, wie die Kampagne läuft“.

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