Rosemarie Tillessen

Das Geheimnis ist gelüftet: Chordirektor Ernst Raffelsberger, der mit seiner Familie in Jestetten lebt, erhält 2023 den großen Musikpreis der Volksbank-Hochrhein-Stiftung. Der Preis, der mit 12.500 Euro dotiert ist, wird nur alle drei Jahre verliehen.

Raffelsberger ist damit der 13. Preisträger der Stiftung, die 1988 von Bankdirektor Hermann Kobler gegründet wurde. Peter König vom Vorstand der Stiftung freut sich: „Der Vorstand und das Kuratorium der Stiftung sind davon überzeugt, dass Ernst Raffelsberger durch die musikalische Qualität in seinen beruflichen Stationen und sein freiwilliges und ehrenamtliches Engagement auf dem Gebiet der Kultur, insbesondere der Musik, die beste Wahl ist.“

Ernst Raffelsberger hat natürlich auch zu Hause ein Klavier.
Ernst Raffelsberger hat natürlich auch zu Hause ein Klavier. | Bild: Rosemarie Tillessen

Wer ist Ernst Raffelsberger? In Jestetten kennt sicherlich jedes Kind ihn und seine musikalische Familie, die sich seit fast 30 Jahren dort engagiert. Gerade hat er in Bonn seinen zweiten Enkel kennengelernt und auf der Heimfahrt noch ein Konzert seines Sohnes Sebastian angehört, der inzwischen Solo-Oboist der Badischen Philharmonie Pforzheim ist und 2012 selbst bereits den Förderpreis der Volksbank-Hochrhein-Stiftung erhalten hat.

So bastelte Tochter Teresa die musikalische Familie Raffelsberger.
So bastelte Tochter Teresa die musikalische Familie Raffelsberger. | Bild: Rosemarie Tillessen

Doch zurück zum Preisträger: Ernst Raffelsberger (geboren im Jahr 1961) war die musikalische Karriere nicht in die Wiege gelegt. Als Kind einer Handwerker- und Bauernfamilie in der Nähe von Gmunden in Oberösterreich geboren, lernte er wohl eher einen Traktor als ein Instrument kennen. Doch der Glücksfall brachte den Eltern als Mieter ein Pfarrerehepaar ins Haus, das zwei Klaviere besaß. Hier lernte der fünfjährige Ernst begeistert das Tastenspiel und wurde gefördert. Das war für ihn eine entscheidende Prägung: Er wurde kein Handwerker, sondern ging aufs Gymnasium.

Danach studierte er Schul- und Kirchenmusik in Wien und wurde im Alter von 22 Jahren Kapellmeister der Wiener Sängerknaben. „Das war eine Herausforderung, denn ich war ja kaum älter als sie. Oft dachte ich bei pädagogischen Problemen mit diesen Jungs: ‚Das schaff‘ ich nie!‘ Aber man lernt dazu. Und nun konnte ich die Welt entdecken“, sagt er rückblickend und fügt vergnügt hinzu: „Da waren Tourneen durch Europa, Nordamerika und Südafrika und einmal durfte ich mit meinem Chor sogar für Lady Di singen!“

Engagement am Salzburger Landestheater

In dieser Zeit heiratete er auch seine Frau Bärbel und bewarb sich erfolgreich als Chordirektor und Kapellmeister ans Salzburger Landestheater (1986 bis 1989). Raffelsberger erzählt sprudelnd und mit österreichischem Akzent. Nächste Station war das Stadttheater Freiburg im Breisgau, bis er 1993 als Chordirektor am Opernhaus Zürich engagiert wurde – ein folgenschwerer Schritt: „Denn jetzt beschlossen wir, mit unserer jungen Familie (mit inzwischen zwei kleinen Kindern) nach Jestetten zu ziehen. Von dort ist Zürich mit dem Zug leicht zu erreichen. Und Zürich ist mein Hauptjob geblieben. Er macht mir viel Spaß und die Chorarbeit ist toll.“ Zusätzlich kam seit 2012 noch hinzu, dass er jährlich im Sommer mit dem Wiener Staatsopernchor für Auftritte bei den Salzburger Festspielen verantwortlich war – bis zum vergangenen Jahr.

Und das erwähnte ehrenamtliche Engagement? Wenn man in das gerade erschienene und von ihm mit verfasste Buch zum 40-jährigen Bestehen des Jestetter Kulturkreises schaut, kommt man um den Namen Raffelsberger nicht herum: Er hat einen Kinderchor gegründet, leitete Kinder-Musicals und -konzerte sowie die Galakonzerte des Sängerbunds Hochrhein und organisierte zahlreiche musikalische Projekte. Er sagt lachend: „Das war oft ganz schön hektisch, wenn ich dann rechtzeitig in der Oper sein musste.“ Seit 2009 ist er dann auch im Vorstand des Kulturkreises. Seine Frau sowie seine Kinder Teresa (Geige), Sebastian (Oboe) und Tobias (Cello) waren oder sind immer – zumindest solange sie noch zu Hause wohnten – mit engagiert.

Wie kann man Kinder heute noch für ein Instrument oder für Konzerte oder Opern begeistern? Ist das nicht total uncool? Er überlegt: „Meine Kinder mussten einfach ein Instrument lernen. Das Üben sollte für sie so selbstverständlich wie Zähneputzen sein. Wichtig ist natürlich ein gutes Instrument und ein guter Lehrer. Wir haben unsere Kinder viel in Konzerte mitgenommen und versuchen hier in Jestetten, Jugendliche durch freien Eintritt und die besten Plätze ins Konzert zu locken. Sie können dann auch mit den Künstlern reden. Mit unserm Kinderchor waren wir auch in Zürich und haben die Oper besichtigt. Wichtig ist, die Sprache der Kinder zu sprechen. Musik muss einfach unter den Fingernägeln brennen.“

Und nun zum Musikpreis selbst: Wie haben Sie reagiert? Er lacht: „Ich habe mich natürlich riesig gefreut. Es ist mein erster Preis überhaupt. Da meine Frau noch nie in Rom war, wollen wir mit dem Preisgeld vielleicht unter anderem eine Kulturreise dorthin machen. Ich würde zu gerne mal in den Palazzo Farnese, der in der Oper „Tosca“ besungen wird.“