Nach zwei Jahren Zwangspause sind die Schausteller 2022 erstmals wieder auf dem Chilbiplatz in Waldshut. In einem Punkt sind sich alle einig: „Es tut gut, wieder hier zu sein!“

Dosenwerfen

Wer beweisen möchte, dass er ein goldenes Händchen im Dosenwerfen hat, der muss sich die Bälle bei Walter Schubert holen. Und dieses Jahr waren das einige Leute. Diese seien alle gut gelaunt, sagt Walter Schubert.

„Die Besucherzahl ist mindestens so hoch, wie in den Jahren vor Corona“, sagt er und fügt hinzu: „Die Leute haben Lust. Das merkt man nicht nur an der Anzahl von Menschen, sondern auch daran, wie die Leute drauf sind. Alle kommen mit einem Lächeln her und sind freundlich. Daran sieht man, wie froh jeder ist, dass wir endlich wieder da sind.“

Walter Schubert im Stand für das Dosenwerfen.
Walter Schubert im Stand für das Dosenwerfen. | Bild: Jannic Hofmuth

Der beste Tag sei Sonntag gewesen. Was ihn an der diesjährigen Chilbi besonders freut: Unangenehme Auseinandersetzungen, die es in anderen Jahren gegeben hätte, seien bislang ausgeblieben. „Auf dem Festzeltgelände gab es früher immer mal wieder Streitigkeiten und teilweise auch Schlägereien, das kam dieses Jahr gar nicht vor. Die Leute gehen alle anständig mit einander um, deswegen kann ich wirklich nur positives berichten“, erzählt Walter Schubert.

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Crêpes-Verkauf

Eva-Maria und Bruno Frey berichten freundlich über ihre Erfahrung der vergangenen zwei Jahre. Beide sind taub, deshalb holen sie vom Stand nebenan ihren Schwiegersohn Michael, der als Dolmetscher für das Interview fungiert. Bruno Frey schätzt die Besucheranzahl auf der diesjährigen Chilbi ähnlich hoch wie in den anderen Jahren.

Eva-Maria und Bruno Frey betreiben einen Crêpes-Stand auf der Chilbi.
Eva-Maria und Bruno Frey betreiben einen Crêpes-Stand auf der Chilbi. | Bild: Jannic Hofmuth

Sie seien „unendlich froh“, wieder auf der Chilbi zu sein, denn die zwei Jahre ohne Betrieb seien für sie „schon schwierig gewesen“. „Weniger finanziell, als, dass es einfach langweilig und bedrückend war, nichts tun zu können“, übersetzt Michael Frey die Aussagen seiner Schwiegermutter. Trotz ihrer Taubheit können sie sich gut mit den Kunden an ihrem Verkaufsstand verständigen.

Knusperhaus

Auch Michael Frey freut sich, wieder auf der Chilbi zu sein und wieder im Festbetrieb arbeiten zu können. Er habe einen kleinen Unterschied im Verhalten der Leute bemerkt. „Meinem Gefühl nach bleiben die Leute dieses Jahr abends länger als sonst. Da kriegt man schon den Eindruck, dass es die Leute vermisst haben.“

Michael Frey ist Betreiber des Süß- und Backwarenstandes „Knusperhaus“ und hilft nebenbei bei Verständigungsschwierigkeiten ...
Michael Frey ist Betreiber des Süß- und Backwarenstandes „Knusperhaus“ und hilft nebenbei bei Verständigungsschwierigkeiten mit seinen tauben Schwiegereltern aus. | Bild: Jannic Hofmuth

Auf die Frage, ob die zwei Jahre Pause eine finanzielle Lücke aufgerissen hätten, antwortet er zwiegespalten: „Aus rein finanzieller Sicht kann ich mich eigentlich nicht beklagen, denn es gab schon Unterstützung vom Staat. Aber aus moralischer Sicht ist das einfach nicht das selbe, wie sein Geld selbst zu verdienen. Ich möchte selbstständig für meinen Lebensunterhalt sorgen und nicht von staatlichen Zuwendungen abhängig sein und das kann ich jetzt auch zum Glück wieder.“

Bonbonniere

Ebenso froh, wieder an der Chilbi mitwirken zu dürfen, ist das Ehepaar Maier. Die Frage nach den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise sagen die Maiers- anders als Michael Frey: „Klar gab es über die zwei Jahre finanzielle Einbußen. Ob wir die so schnell wieder reinholen, wissen wir nicht“, erzählen die beiden Süßwarenverkäufer.

Das Ehepaar Maier verkauft Süßigkeiten an seinem Bonbonniere-Stand.
Das Ehepaar Maier verkauft Süßigkeiten an seinem Bonbonniere-Stand. | Bild: Jannic Hofmuth

Deswegen freue sich das Ehepaar umso mehr, wieder auf dem Rummel zu sein. Ihrer Einschätzung nach teilen diese Freude auch die Besucher. „Ob es jetzt viel mehr Leute sind als in anderen Jahren, können wir nicht genau sagen, aber man merkt auf jeden Fall, dass die Leute raus wollen“, sagen die beiden.

Kinderkarussell

Besonders über die Rückkehr nach Waldshut freut sich Martin Buhmann, der sich aus Traditionsgründen mit der Waldshuter Chilbi verbunden sieht. Seit er sich erinnern kann, sei seine Familie an die Waldshuter Chilbi gekommen.

Martin Buhmann (links) und sein Neffe Benjamin Buhmann (rechts), der in dritter Generation das Kinderkarussell in der Mitte des ...
Martin Buhmann (links) und sein Neffe Benjamin Buhmann (rechts), der in dritter Generation das Kinderkarussell in der Mitte des Chilbiplatzes betreibt. | Bild: Jannic Hofmuth

„Das ist ein Stück Heimat für mich, meine Familie hat Freunde hier, mit denen wir teilweise auch ganzjährig Kontakt haben, deswegen ist es ein herrliches Gefühl wieder hier zu sein“, sagt Benjamin Buhmann. Immer wieder freue es ihn, wenn seine Familientradition zum Vorschein kommt. „Manchmal kommen Eltern, deren Kinder jetzt mit unserem Karussell fahren, zu mir und erzählen mir, dass sie selber als Kinder schon bei uns mitgefahren sind“, sagt der Karussellbetreiber in dritter Generation.

Gerade in diesem Jahr seien die Leute auffallend froh, Chilbi feiern zu dürfen, erklärt er: „Dieses Jahr sind es vom Gefühl her bestimmt mehr Besucher als in anderen Jahren. Auch, was mir in diesem Jahr an Freude und Dankbarkeit entgegenströmt, ist wirklich toll.

Doch finanziell habe man einiges in den vergangenen zwei Jahren verloren. „Klar hat Corona uns einen riesen Strich durch die Rechnung gemacht, wir waren ja zum kompletten Stillstand gezwungen“, beklagt Benjamin Buhmann und sein Onkel Martin wirft ein: „Naja und jetzt müssen wir uns ja schon auf den nächsten Sturm einstellen.“ Damit spielt er auf die Energiekrise an, die sie bislang noch einigermaßen verschont habe, aber für große Bedenken sorge. „Wir haben jetzt alles, was geht, möglichst energiesparend eingerichtet“, sagt Martin Buhmann.

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