Die Flokk AG gibt nach fast 150 Jahren Firmengeschichte den Produktionsstandort der ehemaligen Giroflex in Koblenz/Schweiz bei Waldshut auf. Für das Dorf sei das ein großer Verlust, sagt der Ammann Andreas Wanzenried.

Schon im Sommer 2017 stand der Standort des Bürostuhl­herstellers Giroflex in Koblenz vor einer unsicheren Zukunft. Damals übernahm die norwegische Flokk-Gruppe das fast 150-jährige Traditionsunternehmen. Schließlich gab Flokk 2018 bekannt, von 110 Arbeitsplätzen 30 ins Ausland zu verlagern. Diesen Dienstag teilte der skandinavische Konzern nun seine Pläne mit, den Standort im Zurzibiet definitiv aufgeben zu wollen.

60 Stellen fallen weg

Davon sind 60 Stellen betroffen. Die restlichen fünf Mitarbeiter der Bereiche Service und Brand-Marketing sollen an den letzten verbleibenden Schweizer Standort in Opfikon (Glattbrugg) wechseln, wo heute elf Mitarbeitende vorwiegend im Bereich Verkauf und Marketing arbeiten. Für das Dorf ist das Ende der Flokk AG, wie die ehemalige Giroflex seit 2018 heißt, ein großer Verlust.

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„Mit der Aufgabe des Standortes in Koblenz endet eine 150-­jährige Tradition“, sagt Renato Hirrlinger, Geschäftsführer des Standortes Koblenz. Zwar lebe die Marke Giroflex in Polen weiter, wo im Werk Turek die Bürostühle in Zukunft produziert werden sollen. „Emotional geht uns aber etwas verloren“, sagt Hirrlinger. Denn Giroflex war eines der letzten Unternehmen aus der Möbelindustrie, die im Zurzibiet auf eine lange und stolze Tradition zurückblicken kann.

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Nach dem Aus des 150-jährigen Familienunternehmens Weibel Möbel in Endingen 2015, dem Konkurs der ZKD Büromöbel AG in Kleindöttingen im selben Jahr und der Schließung der Stuhl- und Tischfabrik Klingnau AG 2019 bleiben nach dem Aus von Giroflex noch der international tätige Klingnauer Luxus­ledermöbelhersteller de Sede und das Familienunternehmen Intertime in Endingen.

Bedauern

Der Koblenzer Ammann Andreas Wanzenried bedauert das Ende des Traditionsunternehmens, welches das Dorf stark geprägt habe. „Patron Albert Stoll war eine bedeutende Persönlichkeit“, sagt Wanzenried. „Er engagierte sich sozial und bewirkte viel in Koblenz.“

Dorfentwicklung

So habe Stoll beispielsweise in den 90er Jahren die Überbauung Dörfli realisiert, die weit herum bekannt sei und heute noch Vorbildcharakter habe. „Dass der Standort in Koblenz nun geschlossen werden soll, tut weh.“ Steuertechnisch sei es ebenfalls ein Verlust, auch wenn der große Teil an Einnahmen schon 2017 weggebrochen sei. „Besonders schlimm ist aber, dass Arbeitnehmer ihre Stellen verlieren.“ Zudem würden wohl in Zukunft dem Gewerbe im Dorf und der Region Aufträge fehlen.

So geht es weiter

Auch die Flokk AG hätte sich einen anderen Start ins neue Jahr gewünscht, sagt Geschäftsführer Renato Hirrlinger. „Die Besorgnis bei den Mitarbeitenden ist groß.“ Bis zum 2. Februar läuft das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren, während dessen die Belegschaft Vorschläge unterbreiten kann, wie die Entlassungen vermieden oder die Folgen gemildert werden könnten.

Verlagerung nach Polen im August

Bis Ende Februar wird die Geschäftsleitung über den definitiven Entscheid bezüglich der Standortaufgabe informieren. Den geplanten Kahlschlag in Koblenz begründet der Flokk-Konzern damit, die Kostenstrukturen des gesamten Konzerns reduzieren, Synergien nutzen und die Produktionseffizienz steigern zu wollen. Im August sollen die ersten Anlagen nach Polen transportiert werden. Die Verlagerung der Produktion würde bis Ende 2021 abgeschlossen sein. Ob das Gebäude umgenutzt oder verkauft wird, ist laut Hirrlinger noch offen.