Seit einer Woche dürfen die meisten Einzelhändler in Waldshut-Tiengen ihre Geschäfte aufgrund der Corona-Krise vorübergehend nicht mehr öffnen. Eine Woche, in der sich viele Geschäftsinhaber Gedanken gemacht haben, wie sie trotzdem Umsatz generieren, aber auch den Kontakt zu ihren Kunden weiter aufrecht erhalten können. Einige Einzelhändler versuchen es beispielsweise mit einem Lieferservice und dem Online-Handel. So wie die Tiengener Buchhändlerin Nikola Kögel.

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Bezahlung per Rechnung

„Wir hatten eigentlich schon immer einen Lieferservice, den vor allem Schulen genutzt haben. Seit der Schließung unserer Buchhandlung, nutzen den Service auch immer mehr private Kunden“, sagt Nikola Kögel. Die Buchhändlerin setzt dafür verstärkt auf die sozialen Netzwerke, um ihre Kunden über das Angebot zu informieren. Und es funktioniert. „Ich habe vor Kurzem vier Stunden lang Bestellungen ausgeliefert“, freut sich Kögel. Zwar könne sie mit dem Angebot bei weitem nicht den Umsatz generieren, den sie sonst einnimmt, aber zumindest „habe ich Kontakt zu meinen Kunden“. Wie das zu Zeiten von Corona funktioniert, erklärt Nikola Kögel: „Ich stelle die Pakete vor die Haustür der Kunden, klingel dann und gehe wieder zu meinem Auto. Wir winken uns dann auf Entfernung zu und wechseln auch das eine oder andere Wort miteinander.“ Gezahlt wird laut Kögel per Rechnung.

Buchempfehlung über Video-Service

Eine Herausforderung für Nikola Kögel sind dabei die langen Wege. „Deshalb wollen wir jetzt auch verstärkt Bücher verschicken“, sagt sie. Es gehe der Tiengenerin nicht allein um die Wirtschaftlichkeit, sondern auch darum, ihren Beitrag zu leisten, denn „Bücher gehören zum Kulturgut“. Als besonderen Service bietet sie ihren Kunden eine Bücherberatung über den Video-Service von Whatsapp oder Facetime an. „Natürlich ist das nicht das Gleiche, wie wenn Kunden in meinen Laden kommen. Aber zumindest kann man sich über das Handy sehen.“

Mittlerweile organisieren sich in Tiengen sogar mehrere Geschäfte zusammen. Nikola Kögel: „Wir bieten kleine Care-Pakete auch von unterschiedlichen Geschäften an. Kunden können sich so zum Beispiel Spielwaren von Max Fritz, Wein vom Weinladen, Süßes von Xocoo und Bücher zusammen in einem Paket liefern lassen.“ Damit auch die Einzelhändler keinen Kontakt untereinander haben, werden die bestellten Waren vor die Tür desjenigen gestellt, wo das Care-Paket bestellt wurde. „Es ist wichtig, dass wir gerade jetzt alle zusammenhalten“, sagt Nikola Kögel.

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