Betreuungsplätze für Kinder sind ein rares und damit begehrtes Gut. Auch in Waldshut-Tiengen. Deshalb sollten Eltern ihr Kind für einen Kita-Platz am besten noch vor der Geburt anmelden. Brigitte Reichmann, bei der Stadt Waldshut-Tiengen zuständig für die Kinderbetreuung und Schulen, gibt einen Überblick über freie Plätze, das geplante neue Anmelde-System und die Ausweitung des Angebots.

Weshalb sind Betreuungsplätze knapp?

Das liegt zum einem an gesellschaftlichen Veränderung – immer mehr Mütter wollen oder müssen früher in den Beruf zurückkehren. Zum anderen hat dies gesetzliche Gründe. Seit 1996 haben Kinder ab drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Dieser Anspruch wurde 2013 auf Kinder ab dem ersten Lebensjahr ausgeweitet.

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Wie können Eltern ihr Kind anmelden?

Aktuell erfolgt die Anmeldung direkt bei einer der 21 Einrichtungen. Denn derzeit führt laut Brigitte Reichmann noch jede Kita ihre Wartelisten dezentral. „Das ist nicht mehr zeitgemäß, das wissen wir“, sagt Reichmann. Ab dem 1. Januar 2020 stelle die Stadt deshalb auf ein Online-Verfahren um, bei dem sich alle Eltern registrieren und ihren Bedarf anmelden können. Über einen Link auf der Homepage der Stadt können sich Eltern registrieren und vier Wunsch-Einrichtungen auswählen. Jede Einrichtung mit freien Plätzen nimmt dann Kontakt zu den Eltern auf. „Ausführliche Infos zum neuen System werden wir rechtzeitig an die Eltern weitergeben und veröffentlichen“, erklärt Reichmann.

Welche Kindergärten haben lange Wartelisten?

Die meisten Kindergärten in der Stadt sind laut Brigitte Reichmann belegt. Das liege unter anderem daran, dass in diesem Sommer besonders viele Familien in die Stadt gezogen seien. „Diese haben ganz spontan einen Kindergarten-Platz gebraucht.“ Oft seien dies Familien mit Kindern über drei Jahren gewesen. Das katholische Kinderhaus St. Marien in Waldshut habe traditionell die längste Warteliste, da es mit Krippe, Kindergarten und Tagesstätte alle Betreuungsformen anbietet und zentral in der Stadt liegt. In Tiengen ist Warteliste des städtischen Kindergartens Zeppelinstraße sehr lang.

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Gibt es in der Stadt noch freie Plätze in Kindergärten?

„Es gibt immer wieder freie Plätze, die kurzfristig durch Um- und Wegzüge entstehen“, informiert Reichmann. Aktuell habe der Kindergarten in Oberalpfen noch freie Plätze.

Wie ist derzeit das Verhältnis von Angebot und Nachfrage?

„Wir haben aktuell eine höhere Nachfrage, als Plätze im Angebot“, sagt Reichmann. In Waldshut-Tiengen gib es 21 Einrichtungen mit mehr als 1000 Plätzen. „Das ist richtig viel, reicht aber trotzdem nicht. Ende August fehlten in der Gesamtstadt rein rechnerisch 22 Plätze“, macht Brigitte Reichmann deutlich.

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Wie früh sollten Eltern ihr Kind anmelden?

Laut Brigitte Reichmann ist es auch in Waldshut-Tiengen üblich, dass Eltern ihre Kinder anmelden, wenn diese noch nicht geboren sind. Ein Weg, den sie grundsätzlich empfiehlt.

Welche Anfahrtswege zum Kindergarten sind für Eltern zumutbar?

Mit dem Mangel an Plätzen müssen Eltern oft einen längeren Weg zur Betreuungseinrichtung in Kauf nehmen. Eine Autofahrt von 15 Minuten sei laut Brigitte Reichmann zumutbar. Zum Beispiel könne ein Kind aus Waldshut oder Gurtweil in einen Kindergarten nach Tiengen gefahren werden oder auch ein Kind aus Eschbach nach Oberalpfen. Dies sei derzeit auch so üblich, erläutert Brigitte Reichmann.

„Die Tagesstätte ist der Bedarf der Zukunft, da es immer mehr berufstätige Elternteile gibt. Deshalb bauen wir das Krippenangebot in der Stadt immer mehr aus“, sagt Brigitte Reichmann, bei der Stadt zuständig für die Schulen und Kindergärten.
„Die Tagesstätte ist der Bedarf der Zukunft, da es immer mehr berufstätige Elternteile gibt. Deshalb bauen wir das Krippenangebot in der Stadt immer mehr aus“, sagt Brigitte Reichmann, bei der Stadt zuständig für die Schulen und Kindergärten. | Bild: Stadt Waldshut-Tiengen

Wo werden in Waldshut-Tiengen neue Plätze geschaffen?

„Wir sind aktuell dabei, in Detzeln eine Kleingruppe zu eröffnen. Dazu haben wir bereits Personal eingestellt“, berichtet Brigitte Reichmann. In der Kita Eichholzstraße auf dem Aarberg in Waldshut soll eine weitere Gruppe mit 25 Plätzen eingerichtet werden. Diese soll, je nach Personalstand, im Januar oder Februar eröffnet werden. 2022 soll die Kita auf dem Dach des geplanten Feuerwehrhauses in Waldshut eröffnet werden. Dort sind eine Krippengruppe mit zehn Plätzen und zwei Kitagruppen mit je 20 bis 25 Plätzen geplant.

So ähnlich könnte die Kita in Waldshut aussehen, die auf dem Dach des neuen Feuerwehrhauses entstehen soll.
So ähnlich könnte die Kita in Waldshut aussehen, die auf dem Dach des neuen Feuerwehrhauses entstehen soll. | Bild: Querwärts Architekten

In Waldshut gibt es zudem laut Reichmann aktuell Planungen eines privaten Trägers, weitere 25 Plätze zu schaffen. Aktuell könnten 19 Prozent aller Kinder aus Waldshut-Tiengen unter drei Jahren einen Platz in der Krippe bekommen. „Die Tagesstätte ist der Bedarf der Zukunft, da es immer mehr berufstätige Elternteile gibt. Deshalb bauen wir das Krippenangebot in der Stadt immer mehr aus“, so Reichmann.

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