Die Statistik des Standesamtes verrät viel über die Entwicklung unserer Gesellschaft, so auch in Waldshut. 639 Erdenbürger kamen im Klinikum in Waldshut zur Welt, davon waren 334 Jungen und 305 Mädchen. Das sind 55 weniger als im Vorjahr. Und das obwohl das Klinikum Hochrhein in Waldshut das Einzige im Landkreis ist, das noch eine Entbindungsstation hat.

Luisa Denz, Leitung der Kommunikation der Klinikum Hochrhein GmbH, erklärt das Phänomen: "Wie bereits im Jahr 2017 verzeichnet Deutschland generell einen leichten Geburtenrückgang, der sich auch bei uns im Klinikum Hochrhein abzeichnet. Einer der Gründe, den wir hierbei beobachten, ist die Flüchtlingswelle, die uns 2015 und 2016 einen sprunghaften Geburtenanstieg beschert hat und nun rückläufig ist."

Im Klinikum entbanden im vergangenen Jahr Frauen aus allen Regionen des Landkreises, egal ob aus St. Blasien, Jestetten oder Wehr. Direkt aus Waldshut kamen 186 Frauen, aus Bad Säckingen 29, so Denz. Diese Zahlen entsprächen im Durchschnitt den Vergleichswerten aus den Vorjahren.

Über die Grenze zum Entbinden

Die Entbindungsstation im Krankenahus Bad Säckingen wurde 2013 geschlossen, jene in Stühlingen bereits im Jahr 2010. Und so kommt es, dass sich viele Frauen für eine Geburt in der Schweiz entscheiden.

Besonders beliebt ist das Asana Spital in Leuggern. Von 766 Geburten im Jahr 2017, kamen allein 273 Mütter aus Deutschland. Da das Asana Spital mit verschiedenen deutschen Krankenkassen Absprachen getroffen hat, ist hier die Behandlung nicht (oder nur wenig) teurer als in Deutschland.

Aber: "Die Schweiz erscheint auf den ersten Blick attraktiver, man muss hierbei jedoch bedenken, dass dies nur der Fall ist, wenn eine Geburt ohne Komplikationen verläuft. Kommt es nach der Geburt zu nachbehandlungspflichtigen Komplikationen, so erfolgt unweigerlich der Gang in ein deutsches Krankenhaus. Aus medizinischer Sicht ist es jedoch immer sicherer, wenn die Schwangere und auch das Kind von der Vorsorge über die Geburt bis hin zum Wochenbett aus einer Hand betreut werden", sagt Luisa Denz und: "Die Krankenkassen bezahlen die Geburten in der Schweiz. Im Gegensatz dazu ist eine geplante und bezahlte Geburt von Schweizern in Deutschland nicht möglich".

Kampf gegen Abwanderung

In den vergangenen Jahren habe das Klinikum in Waldshut zwar mehr Geburten verzeichnet, aber es habe noch Kapazitäten und würde daher gerne die Abwanderungen der Geburten in die Schweiz unterbinden, so Denz.

So habe es in den vergagenen Monaten sein Angebot rund um Schwangerschaft und Geburt stark ausgebaut, sei es durch ein erweitertes Kursangebot wie beispielsweise „Yoga in der Schwangerschaft“ als auch durch zusätzliche Leistungen wie „Kinesiotape“. "Die Sicherheit der Neugeborenen ist uns ein besonderes Anliegen, sodass wir seit dem vergangenen Jahr über eine moderne Intensiv Behandlungs- und Überwachungseinheit für Neugeborene verfügen, sodass auch die Kinder, die etwas Starthilfe benötigen, dank der 24/7-Betreuung auch durch unsere Abteilung für Intensiv, Anästhesiologie und Notfallmedizin eine optimale Betreuung erfahren.", informiert Denz.

Elina und David am beliebtesten

Auch die beliebtesten Vornamen verrät das Standesamt: Bei den Mädchen kam Elina am häufigsten vor, dicht gefolgt von Emilia und Mia. Bei den Jungen war David am beliebsteten, hoch im Kurs waren auch Elias und Jonas. Interessantes Detail: Amelie, der häufigste Mädchenname von 2017, landete 2018 nur noch auf Platz 62. Leon, der beliebteste Jungenname 2017, war auch 2018 wieder unter den Top Ten.

Zwei Kirchenaustritte mehr

Das "Ja"-Wort gaben sich 2018 in Waldshut-Tiengen 145 Paare, darunter wurden sechs gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen. Damit heirateten zwei Paare weniger als im Vorjahr. 15 Prozent der Paare von außerhalb feierten ihre Hochzeit lieber in Waldshut als in ihrer Wohngemeinde.

Einen traurigen Rekord gab es bei den Sterbefällen: 2018 sind in Waldshut-Tiengen 543 Personen verstorben und damit 80 mehr als im Vorjahr. 54 Prozent kamen von außerhalb des Standesamtsbezirks.

Auch die Zahl der Kirchenaustritte steigt weiter an: 165 Bürger kehrten der Kirche den Rücken zu, das sind zwei mehr als im Jahr 2017.