Rund 150 Pendlerparkplätze fallen mit Beginn des neuen Jahres an der Robert-Gerwig-Straße hinter dem Waldshuter Bahnhof weg. Dann soll an dieser Stelle der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses mit Kindertagesstätte beginnen. Alternativen zum Parken für Pendler zu finden, bezeichnete Jürgen Wiener, Leiter der Ortspolizeibehörde Waldshut-Tiengen, im Gemeinderat als „knifflige Aufgabe“.

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Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Bürgermeister Joachim Baumert, in die Mitarbeiter von Stadtbauamt und Ordnungsamt, des Waldshuter Tarifverbunds (WTV) und der Sübadenbus GmbH (SBG) sowie der Stadtwerke Waldshut-Tiengen eingebunden sind, hat nun Ideen für ein Parkkonzept gesammelt, das Wiener in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorstellte.

  • Welche kostenlose Alternative zum Parken hat die Arbeitsgruppe gefunden? „So viele freie Flächen haben wir nicht“, sagte Jürgen Wiener über die Schwierigkeit, Ersatz für den wegfallenden Parkplatz zu schaffen. Diesen nutzen vor allem Menschen, die mit der Bahn zur Arbeit pendeln. Eine kostenlose Möglichkeit zum Parken möchte die Stadt am Waldshuter Freibad schaffen. Dort wäre Platz für 240 Stellplätze. Von dort beträgt der Fußweg zum Bahnhof 800 Meter. Eine Gehzeit von rund neun Minuten hat die Arbeitsgruppe errechnet.
Bild: Steller, Jessica
  • Welche anderen Möglichkeiten zum Parken gibt es in Waldshut? In ihrem Konzept, das als Flyer in kleiner Auflage gedruckt und verteilt werden soll, listet die Stadtverwaltung die bestehenden kostenpflichtigen Parkhäuser am Kornhaus und am Viehmarktplatz auf. Eine weitere Möglichkeit ist das Parken auf dem unteren Chilbiparkplatz.
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  • Was ist mit Pendlern, die nicht so gut zu Fuß sind? Der Fußweg vom Freibad zum Bahnhof ist stellenweise steil. Für mobilitätseingeschränkte Personen plant die Stadt, ab Januar 2020 bis zu 35 Stellplätze bei den Lebensmittelgeschäften in der Robert-Gerwig-Straße von Montag bis Freitag anzumieten und den Pendlern für 50 Euro Monatsmiete zur Verfügung zu stellen.
  • Welche Alternativen gibt es für Pendler zum Auto? Mit dem Waldshuter Tarifverbund hat die Stadt einen Spezialtarif des WT-Tickets ausgehandelt. Pendler, die nachweisen, dass sie nach Waldshut fahren, würden das WTV-Abo für die Hälfte bekommen. Das heißt, sie bezahlen für sechs Monate, können das Ticket aber zwölf Monate lang nutzen. Darüber hinaus soll es zum Fahrplanwechsel im Dezember 2019 vier zusätzliche Fahrten am Tag auf den Aarberg und wieder zurück geben. Zudem regt die Stadtverwaltung Pendler an, auf (Elektro-)Fahrräder umzusteigen oder Fahrgemeinschaften zu bilden.
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  • Wie lauteten die Reaktionen im Gemeinderat auf das Parkkonzept der Stadt? „Der große Wurf ist es nicht“, sagte Harald Würtenberger, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, nach Jürgen Wieners Ausführungen und bat diesen darum, das Konzept zu überarbeiten. Würtenberger brachte die Stellplätze auf dem oberen Lidl-Parkdeck in der Robert-Gerwig-Straße zur Sprache. „Das ist leer“, so der Freie-Wähler-Chef. Bürgermeister Joachim Baumert sagte dazu, dass eine Stadt ein Unternehmen wie Lidl nicht dazu zwingen könne, Parkplätze abzugeben. Oberbürgermeister Philipp Frank betonte, dass das Parkraumkonzept eine Freiwilligkeitsleistung der Stadt sei, da es sich bei der derzeit als Pendlerparkplatz genutzten Schotterfläche an der Robert-Gerwig-Straße um eine Interimslösung handele.
  • Gab es auch Lob für das Konzept? Ja, die SPD-Stadträtin Claudia Hecht begrüßte die Möglichkeit für mobilitätseingeschränkte Pendler, weiterhin in Bahnhofsnähe zu parken. Allerdings gab sie zu bedenken, dass der Fußweg vom Freibad zum Bahnhof in der dunklen Jahreszeit für Frauen problematisch sein könnte. Petra Thyen, Fraktionsvorsitzende der Grünen, lobte den Spezialtarif des WTV für Pendler, die ihr Auto gegen Bus oder Bahn eintauschen. Sie regte außerdem an, Fahrradboxen und E-Bike-Stationen am Bahnhof einzurichten.
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  • Was sagt der Handel zum Konzept? „Wir müssen Besuchern Parkplätze bieten“, nicht nur Pendlern, sagte Jörg Holzbach, neuer Stadtrat der Freien Wähler und Mitglied des Werbe- und Förderungskreises Waldshut im Gemeinderat. Dessen Vorsitzender Christian Straub sagt auf Nachfrage dieser Zeitung zum Parkkonzept der Stadt: „Das ist eine richtig gute Idee.“
  • Wie ist der Stand bei den Planungen für ein drittes Parkhaus in Waldshut? „Bei einem weiteren Parkhaus sehen wir Informationsbedarf“, sagte Petra Thyen im Namen der Grünen-Fraktion. Dazu teilte die Verwaltung mit, dass sie den Bau vorbereite. Über mögliche Standorte soll der Gemeinderat im Herbst 2019 abstimmen.
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