Der Busbahnhof in Waldshut ist und bleibt für Pendler und Passanten ein Brennpunkt. Seit dem vergangenen November war die Polizei 34-mal dorthin ausgerückt und hat 14 Straftaten aufgenommen, meist im Zusammenhang mit Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzung. Bei vielen Waldshutern gilt der Bereich als hässlicher Fleck. Zu Unrecht, sagt Fareed Sayd, Pächter des städtischen Kiosks. Vor einer Woche erst wurde einer seiner Mitarbeiter bei einer Schlägerei verletzt und musste stationär behandelt werden.

Dennoch beschreibt Sayd das Sicherheitskonzept von Polizei und Ordnungsamt als gelungen, denn die häufigsten Störenfriede könne man hier an einer Hand abzählen. Den Platz um den Kiosk herum frequentierten täglich Hunderte von Menschen. Angefangen bei Schülern, über Stammgäste, Pendler, Reisende, bis hin zu Anwälten und Richtern vom nahegelegenen Gericht sei alles dabei. Gerade die Gemeinschaft der Stammgäste helfe sich gegenseitig und sei unproblematisch. Wenn besagte Störenfriede des Platzes verwiesen seien, herrsche wieder Ruhe und Frieden.

Zu den Stammgästen gehören auch solche Menschen, die in dem Bereich tagtäglich viele Stunden verbringen. Sie fühlen sich zu Unrecht angeprangert. Für sie ist der Kiosk seit Jahrzehnten ein sozialer Treffpunkt. Viele sind Rentner oder arbeitslos. Sie berichten aus erster Hand von den Geschehnissen: „Es findet ein Generationenwechsel statt“, sagt einer, der aus Angst vor neuen Konflikten unerkannt bleiben will. In den vergangenen Jahren sei der Konsum verschiedenster Drogen unter den Jüngeren sprunghaft angestiegen. Mit dem Rauschgift sei auch die Aggression angestiegen. „Aber wohin sollen wir denn ausweichen?“, fragt der Rentner.

Fareed Syed ist seit 2012 Pächter des städtischen Kiosks am Busbahnhof. Er arbeitet gerne hier und verweist auf den Bereich als sozialen Treffpunkt von Stammgästen, aber auch von Schülern und Mitarbeitern der umliegenden Geschäfte und des Gerichts.
Fareed Syed ist seit 2012 Pächter des städtischen Kiosks am Busbahnhof. Er arbeitet gerne hier und verweist auf den Bereich als sozialen Treffpunkt von Stammgästen, aber auch von Schülern und Mitarbeitern der umliegenden Geschäfte und des Gerichts. | Bild: Peter Rosa

Auch Jürgen Wiener, Leiter der Ortspolizeibehörde der Stadt Waldshut-Tiengen, bestätigt: „Der Großteil der Kioskbesucher ist friedlich. Gegen die Störenfriede wird konsequent vorgegangen.“ Passanten seien bei den Delikten nur in Einzelfällen involviert. Aber warum kommt es dennoch derart häufig zu polizeilichen Einsätzen und entsprechenden Meldungen? Ein Aufenthaltsverbot könne maximal für drei Monate ausgesprochen werden, erklärt Wiener. Danach kämen Wiederholungstäter häufig wieder.

Ein großes Problem sei die städtische Toilette. Hier werde campiert und es würden Drogen konsumiert. Während Hans Peter Seibold, Niederlassungsleiter der SBG, eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation in der Schließung des Kiosks sieht, entgegnet Pächter Syed, dass bei ihm keine Spirituosen verkauft werden. Diese würden wenige Hundert Meter weiter besorgt. Vielmehr versuchten er und seine Mitarbeiter selbst, Streitigkeiten zu schlichten, was auch zu der Körperverletzung von vergangener Woche geführt habe.

Die Stadtverwaltung schaue sich laut Jürgen Wiener gerade Möglichkeiten an, wie die Situation weiter verbessert werden könnte und wie andere Städte wie Freiburg mit solchen Szenarien umgehen. Bereits jetzt gilt der Busbahnhof laut Mathias Albicker von der Polizei als Örtlichkeit im Sinne des Personenfeststellungsgesetzes eingestuft. Sie ist dort, wie auch das Ordnungsamt, regelmäßig im Rahmen des Streifendienstes präsent. Bereits jetzt wird zudem präventiv der Schulweg der Kinder am Busbahnhof kontrolliert.

Ort und Situation

  • Der BusbahnhofWaldshut wurde 1984 eingeweiht. Davor hielten die Busse im Bahnhofsbereich. Die Stadt versucht seit mehreren Jahren, den Ort durch bauliche Veränderungen weniger attraktiv für den Aufenthalt von nicht reisenden Gruppen zu machen. Auch gibt es bereits erste Überlegungen zum Umbau der Toiletten. Eine Videoüberwachung ist aus Datenschutzgründen nicht möglich.
  • Probleme: Seit dem vergangenen November verzeichnete die Polizei mehr als 34 Einsätze. 14 Straftaten wurden aufgenommen, die Mehrzahl waren Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, es gab aber auch Beleidigungen, Sachbeschädigungen und Diebstähle, sagt Polizeipressesprecher Mathias Albicker. Besonders in den späten Nachmittagsstunden rücke man zur Schlichtung von Streitigkeiten aus.