Eigentlich ist es erfreulich, dass der einst ausgerottete Biber den südlichen Schwarzwald wieder erobert hat. Die Zeit, als quasi jedes dieser Tiere nicht nur von Naturschützern mit Handschlag begrüßt wurde, ist vorbei.

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Trotz Naturschutzgesetz oder Biberbeauftragten: Das Zusammenleben mit dem Nager ist, wie in Grafenhausen, nicht immer so ganz störungsfrei. Die Ortsverbindungsstraße in Richtung Sommerau ist bereits seit Wochen gesperrt. Wann ein sicheres Befahren möglich sein wird, steht in den Sternen.

Bürgermeister Christian Behringer (links) und Bauhofleiter Michael Lüber betrachten die Unterhöhlung, die rund zwei Meter in den Fahrbahnbereich reicht.
Bürgermeister Christian Behringer (links) und Bauhofleiter Michael Lüber betrachten die Unterhöhlung, die rund zwei Meter in den Fahrbahnbereich reicht. | Bild: Wilfried Dieckmann

Bürgermeister Christian Behringer hat nichts gegen Biber. Ganz im Gegenteil. „Das Zusammenleben muss aber im Einklang stehen, wobei die Sicherheit der Bürger nicht gefährdet sein darf“, betonte er. Es sei eine nicht ganz einfache Entscheidung gewesen, die Straße in Richtung Ebersbach komplett zu sperren. Der Bürgermeister fühlt sich von Seiten des Regierungspräsidiums Freiburg (RP) allein gelassen.

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In einem Schreiben habe er das RP aufgefordert, die Situation nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch den Inhabern des Hotels Sommerau zu erklären, die von der Sperrung betroffen sind. „Es ist aus meiner Sicht unglaublich, dass sich von RP-Seite kein Verantwortlicher dazu bewegen lässt, die Situation vor Ort anzuschauen.“ Und fügte an, dass „es keinen Sinn mache, sich hinter dem Schreibtisch zu verschanzen“.

RP für Reperatur zuständig

Auf Anfrage bestätigte die RP-Pressesprecherin Heike Spannagel, dass die Verantwortlichkeit für die Straßensperrung bei der Gemeinde Grafenhausen liegt. „Laut Aussage von Bürgermeister Christian Behringer wird die Sperrung aus Sicherheitsgründen auch beibehalten, bis eine Klärung der Situation sowie eine umfassende Reparatur vorgenommen wurde“, so die Pressesprecherin. Nicht nur für die Prüfung, auch für eine eventuelle Reparatur ist gemäß der Gesetzeslage aber nicht die Kommune, sondern das RP zuständig.

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Fakt ist: Biber leben im Untergrund. Wie weit der Bau in die Straße ragt, ist von außen nicht festzustellen. Bisher sei auch nicht bekannt, wie weit der Biber seinen Bau in die Böschung gegraben hat. Vom RP ist nun geplant, den Straßeneinbruch zu öffnen und die darunter liegende Höhlung freizulegen. Unter Umständen sei der gesamte Biberbau betroffen, um umfassende Sanierungsmaßnahmen vornehmen zu können.

Artenschutz verbietet Arbeiten derzeit

Da der Biber nach Aussage der Pressestelle aber derzeit nachweislich Junge hat, können die Arbeiten aus artenschutzrechtlichen Gründen (Bundesnaturschutzgesetz) nicht vor Ende August durchgeführt werden, wenn die jungen Biber mobil sind und den Bau für längere Zeit verlassen können.

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Es sei derzeit schwierig, ein Unternehmen für die Arbeiten zu finden. „Seit Meldung der Straßenschäden bei der RP-Biberbeauftragten Bettina Sättele am 27. Juni fanden drei Ortstermine mit verschiedenen Firmen statt. Erst das dritte Unternehmen stellte in Aussicht, den Auftrag zu übernehmen“, teilte die Pressesprecherin mit. Eine schnelle Lösung, wie beispielsweise eine Verfüllung des Lochs, komme nach Aussage von Heike Spannagel nicht Frage, da sämtliches eingebrachte Material in die Uferuntergrabungen hineinrutschen würde und die Gefahr der Tötung oder Verletzung eines Bibers bestünde.

Schäden Wasserrainweg

In Grafenhausen sind Biber nicht nur unterhalb des Schlüchtsees, sondern auch im Schlüchtsee selber aktiv. Hinzu kommen Aktivitäten an der Schlücht in der Langmatt am Ortsausgang in Richtung Birkendorf, unterhalb der Kläranlage in Grafenhausen sowie im Bereich der Kläranlage der Staatsbrauerei in Rothaus. Auch am vom Biber aufgestauten kleinen See am Wasserrainweg in Richtung Steinatal gibt es Probleme. Hier ist der Forstweg aufgrund von Biberaktivitäten eingebrochen. Die Unterhöhlung reicht rund zwei Meter in den Fahrbahnbereich. Dieser wurde von Bauhofleiter Michael Lüber gesichert.