Elisabeth Baumeister

Auf einem Rundgang ging es kürzlich durch das Kloster in Riedern am Wald. Beim Roten Tor im vorderen Pfarrgarten empfängt Irmgard Blatter-Kramhöller ihre Besucher für den Rundgang. Mit ihrem fundierten Wissen, ihrer Liebe zur Geschichte und zum Kloster und mit vielen kleinen Episoden nimmt sie die Gäste mit auf die Reise in die Vergangenheit. Anhand eines colorierten Schaubildes gibt sie den ersten Überblick vor dem großen Kloster.

Das älteste Stück, das sich im Museum befindet, ist die Bibel von Johannes Dietenberg aus dem Jahr 1582.
Das älteste Stück, das sich im Museum befindet, ist die Bibel von Johannes Dietenberg aus dem Jahr 1582. | Bild: Elisabeth Baumeister

Hier waren im linken Teil des Gartens früher die Stallungen für die Tiere. Dieser Teil ist heute sehr beliebt für Empfänge und kleine Feiern. Im rechten Teil hat die Katholische Landjugend in einer 72-Stunden Aktion naturgetreu den barocken Garten wieder angelegt.

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Irmgard Blatter-Kramhöller zeigt den Gästen die Aufteilung der Appartements, die der Probst und der Abt von Kreuzlingen in diesem riesigen Gebäude bewohnt haben. Im ehemaligen Refektorium, dem heutigen Pfarrsaal, finden häufig standesamtliche Trauungen statt. Dieser Teil war von 1838 bis 1972 im Eigentum der politischen Gemeinde. Hier war das Rathaus, das Schulzimmer und der Arrest (Gefängnis) untergebracht. Darüber war die Wohnung des Lehrers.

Treppenwinkel mit guter Akustik

Alle Zimmer sind nach Südwesten ausgerichtet, während der malerische Treppenaufgang nordöstlich ausgerichtet ist. Dieser Treppenwinkel mit seiner guten Akustik wird sehr oft für kulturelle Veranstaltungen genützt. Anhand der Baulichkeit können im ersten Stock vier Zellen ausgemacht werden, die von den Augustiner Chorherren bewohnt waren. In diesen Räumen befindet sich seit 25 Jahren die Bücherei. Im ersten oberen Raum, dem Empfangszimmer des Abtes, bietet sich dem Besucher ein architektonisch außergewöhnliches Bild.

Dieser Treppenwinkel mit seiner guten Akustik wird sehr oft für kulturelle Veranstaltungen genützt.
Dieser Treppenwinkel mit seiner guten Akustik wird sehr oft für kulturelle Veranstaltungen genützt. | Bild: Elisabeth Baumeister

Es ist der Blick durch vier Türen der fünf hintereinanderliegenden Zimmer. Hier steht auch einer der beiden Öfen, die der fünfte Urgroßvater von Irmgard Blatter-Kramhöller aufgebaut hat. Der Ofenbaumeister Nüssle kam um 1740 aus Karlsruhe, um für das Kloster St. Blasien neue Öfen zu setzen und so auch ins Kloster in Riedern, das nach dem Brand von 1740 gerade wieder aufgebaut wurde. In diesem Raum beginnt das Museum, das insgesamt aus 10 Räumen besteht. Es ist das Geld- und Finanzzimmer. Hier befinden sich u.a. Geldscheine aus Waldshut und Tiengen von 1923, als die Städte in der Hochinflation Notgeld drucken durften, alte Rechnungsbücher vom Kloster, ein 250 Jahre altes dreisprachiges Lexikon, französisch, lateinisch und deutsch und die drei einzigen hier verbliebenen Bücher vom Frauenkloster Riedern. Das restliche Archiv des Frauenklosters ist in Donaueschingen bei den Fürstenbergern.

Diesen Ofen hat der fünfte Urgroßvater von Irmgard Blatter-Kramhöller aufgebaut. Der Ofenbaumeister setzte diesen um 1740.
Diesen Ofen hat der fünfte Urgroßvater von Irmgard Blatter-Kramhöller aufgebaut. Der Ofenbaumeister setzte diesen um 1740. | Bild: Elisabeth Baumeister

Im Ausstellungsraum vom Heimatdichter und Maler Heinrich-Ernst Kromer steht ein weiterer Ofen, mit drei Besonderheiten, auf die Irmgard Blatter-Kramhöller im Einzelnen eingeht. Es sind die Kacheln, die Farbe und ein spezielles Wappen. Das älteste Stück, das sich im Museum befindet, ist die Bibel von Johannes Dietenberg aus dem Jahr 1582. Im ehemaligen Ankleidezimmer des Abtes finden sich unter anderem historische Orgelwerke und Gesangbücher vom Kirchenchor Riedern am Wald. Weiter führt der Gang durch die mutmaßlich ehemalige Bibliothek der Augustiner Chorherren. In einem schwarz gestalteten Zimmer ist auf hinterleuchteten Glasbildern die Dorfgeschichte von Riedern und Hürrlingen von 1890 bis 1992 festgehalten.

Ein architektonisch außergewöhnliches Bild. Es ist der Blick durch vier Türen der fünf hintereinanderliegenden Zimmer.
Ein architektonisch außergewöhnliches Bild. Es ist der Blick durch vier Türen der fünf hintereinanderliegenden Zimmer. | Bild: Elisabeth Baumeister

Im vermutlich ehemaligen Skriptorium, der Schreibstube, befindet sich ein liebevoll eingerichtetes Schulmuseum, das von Irmgard Blatter-Kramhöller, Patrick Burger und Pfarrer Fritz im Jahr 2009 eingerichtet wurde. Auch die Werke von Erich Rastätter aus Ühlingen, einem Heimatkünstler der Neuzeit, sind im Kloster in zwei Räumen zu besichtigen.

Archiv als Lieblingskind

Auf unserem Rundgang mit Kunst, Kultur und Geschichte kommen wir ins Archiv, dem „Lieblingskind“ von Irmgard Blatter-Kramhöller. Hier konnte sie in 26 Jahren, aus längst vergangenen Zeiten schon sehr viel recherchieren. Leider ist der Schrank, in dem die Kirchenbücher standen, die bis ins Jahr 1693 zurückgingen, leer. Sie mussten Anfang Januar zur Digitalisierung nach Freiburg abgegeben werden. „Jeder Raum atmet Geschichte und kann Geschichten erzählen. Das möchte ich mit meinen Führungen lebendig werden lassen und deshalb muss dieser geschichtsträchtige Ort als kulturelles Zentrum der Großgemeinde erhalten bleiben“, so Blatter-Kramhöller

In dieser Vitrine liegen die drei einzigen hier verbliebenen Bücher vom Frauenkloster Riedern.
In dieser Vitrine liegen die drei einzigen hier verbliebenen Bücher vom Frauenkloster Riedern. | Bild: Elisabeth Baumeister

Wenn wir dann vor der Pfarrkirche angekommen sind, weiß sie zu berichten, dass sich bis zum Jahr 1813/14 der Friedhof vor der Kirche befand. Als dann in dieser Zeit in wenigen Monaten 80 Einwohner von Riedern an Typhus starben war der Friedhof zu klein und wurde verlegt.

Im vermutlich ehemaligen Skriptorium, der Schreibstube, befindet sich ein liebevoll eingerichtetes Schulmuseum, das von Irmgard ...
Im vermutlich ehemaligen Skriptorium, der Schreibstube, befindet sich ein liebevoll eingerichtetes Schulmuseum, das von Irmgard Blatter-Kramhöller, Patrick Burger und Pfarrer Fritz im Jahr 2009 eingerichtet wurde. | Bild: Elisabeth Baumeister

Führungen: Eine Führung in der Pfarrkirche St. Leodegar kann direkt im Anschluss oder auch separat gemacht werden. Seit 2002 gibt es die Führungen im Kloster. Ungefähr 6000 Personen wurden seither von Ekkehard Blank, Kerstin Kaiser und Irmgard Blatter-Kramhöller durch das Augustiner-Kloster geführt. Anmeldungen bei Irmgard Blatter-Kramhöller, Telefon 07743/1434