Stadtführungen durch Stühlingens Altstadt gibt es auch während der Corona-Pandemie. Auf der nahezu zweistündigen historischen Stadtführung durch das Altstadt-Rund zwischen den beiden nicht mehr stehenden Stadt-Toren tauchten Jutta Binner-Schwarz und Andreas Mahler mit den Teilnehmern tief ein in die Vergangenheit des Hohenlupfen-Städtchens.

Nach langer liebevoller Renovierung wurden bereits einige der historischen Häuser der Stühlinger Altstadt zu wahren Schmuckstücken hergerichtet, darunter das Haus Federle. Moderne Elemente wie die Verglasung treffen hier auf die Erinnerungen an die Geschichte, wie am herausgearbeiteten Holzfachwerk zu erkennen ist.
Nach langer liebevoller Renovierung wurden bereits einige der historischen Häuser der Stühlinger Altstadt zu wahren Schmuckstücken hergerichtet, darunter das Haus Federle. Moderne Elemente wie die Verglasung treffen hier auf die Erinnerungen an die Geschichte, wie am herausgearbeiteten Holzfachwerk zu erkennen ist. | Bild: Yvonne Würth

Der Unterschied zwischen Gerbern und Säcklern, der zweimalige Rathausbrand oder warum die Militär-Sattlereien aus Berlin einst Lederwaren bevorzugt aus Stühlingen bezogen – all dies erfuhren die Teilnehmer bei der Führung. Beinahe vergessene Menschen, Ereignisse und Gegebenheiten wurden wieder lebendig. Nicht jeder weiß, dass Stühlingen neben dem Heiligen Sebastian eine zweite Stadtpatronin namens Margareta hat. Mithilfe von Schaubildern wird beispielsweise die „Handwerker-Hochburg Stühlingen“ im Mittelalter verdeutlicht.

Das schmucke Wappen der Gerberfamilie Würth erinnert noch heute an das lukrative Handwerk.
Das schmucke Wappen der Gerberfamilie Würth erinnert noch heute an das lukrative Handwerk. | Bild: Yvonne Würth

Unter anderem wurde auch erläutert, warum die Stühlinger Bauern trotz der Initiative zum großen Bauernkrieg 1524 mit einem blauen Auge davon kamen. Laut Jutta Binner-Schwarz haben die örtlichen Führer sehr geschickt mit der Obrigkeit verhandelt. 2024 jährt sich der Beginn des Bauernkriegs zum 500. Mal und soll groß gefeiert werden. Unter anderem erwähnte die Stadtführerin auch, dass Edelgard Bernauer aus Stühlingen dankenswerterweise dafür gesorgt hat, dass der jüdische Grabstein unter der Stadtlinde platziert wurde, um an die einstige jüdische Gemeinde zu erinnern.

Die Stühlingerin Edelgard Bernauer hat dafür gesorgt, dass der jüdische Grabstein unter der Stadtlinde platziert wurde, um an die jüdische Gemeinde zu erinnern.
Die Stühlingerin Edelgard Bernauer hat dafür gesorgt, dass der jüdische Grabstein unter der Stadtlinde platziert wurde, um an die jüdische Gemeinde zu erinnern. | Bild: Yvonne Würth

Außerdem war zu erfahren, dass die vom Offenen Bürgerforum renovierte Nothelferkapelle 1766 eine neue Ausmalung durch den Stühlinger Maler Johann Baptist Morath erhalten hatte. Berühmter als der Großvater wurde Johann Martin Morat – dieser schreibt sich, warum auch immer, ohne „h“. Sein Leben und Werk wird in der Ausstellung „Wunderkammer Schwarzwald“ von 1. bis 18. Oktober in der Schür am Stadtgraben gewürdigt.

Zwei Stadtführer

Jutta Binner-Schwarz und Andreas Mahler bereiten mittlerweile seit zwei Jahren die Themen für die Stadtführungen gemeinsam vor: „Es war die Idee von Bürgermeister Joachim Burger, während der Sommermonate städtisch organisierte Stadtführungen anzubieten. Das Angebot besteht seit vergangenem Jahr und wurde bisher gut angenommen“, erläutert Jutta Binner-Schwarz. Sie war Lehrerin mit Wahlfach Geschichte, hat ein museums-pädagogisches Zusatzstudium absolviert und beschäftigt sich seit Jahren mit der Historie Stühlingens. Im Schwarzwaldverein ist sie als Vorsitzende auch zuständig für den Bereich Heimatpflege.

Dass Stühlingen mit dem Heiligen Sebastian und der Heiligen Margret sogar zwei Stadtpatrone hat, ist den wenigsten Menschen bekannt. Jutta Binner-Schwarz erläuterte die Hintergründe.
Dass Stühlingen mit dem Heiligen Sebastian und der Heiligen Margret sogar zwei Stadtpatrone hat, ist den wenigsten Menschen bekannt. Jutta Binner-Schwarz erläuterte die Hintergründe. | Bild: Yvonne Würth

Andreas Mahler ist promovierter Historiker. Für die Website der Stadt Stühlingen verfasst er die Chroniken der Ortsteile und publiziert in Vorträgen und Zeitungsbeiträgen kulturgeschichtliche und historische Beiträge zu Stühlingen.

Führungen trotz Corona

Zum Auftakt der Stadtführungen wurden im Sommer 2019 insgesamt 59 Teilnehmer registriert. „Bei der letzten diesjährigen Führung waren 16 Personen dabei; insgesamt gab es 2020 bei sechs öffentlichen Führungen 148 Teilnehmer“, erläuterte Andrea Mann von der Stadtverwaltung. Dabei seien regelmäßig Einheimische stark vertreten. Während der Corona-Pandemie wird das Innere der Schür am Stadtgraben bei den Stadtführungen ausgespart.

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