Die ersten Schritte zum 500. Jahrestag 2024 zum Bauernkrieg Landgrafschaft Stühlingen 1524 wurden gemacht, darüber wurde in der Ausschussitzung Tourismus im Feuerwehrgerätehaus Stühlingen berichtet. Der städtische Historiker Andreas Mahler war beauftragt worden, frühzeitig Ideen zu sammeln. Sowohl mit dem Landratsamt Waldshut als auch mit dem Wissenschafts- und Kunstministerium BW hat er bereits Kontakt aufgenommen, um mögliche Förderungen nutzbar zu machen. „Was könnten wir dem Land anbieten?“, fragte Bürgermeister Joachim Burger.

Die Altstadt Stühlingens von der Franz-Kehl-Brücke bei der Stadthalle aus gesehen. Direkt beim Kunsthaus Schwarzer Adler stand früher das untere Stadttor.
Die Altstadt Stühlingens von der Franz-Kehl-Brücke bei der Stadthalle aus gesehen. Direkt beim Kunsthaus Schwarzer Adler stand früher das untere Stadttor. | Bild: Yvonne Würth

Neben dem rechtzeitigen Förderantrag ist der frühe Zeitpunkt auch wichtig für einen eventuellen Kompositionsauftrag zum Thema Bauernkrieg, der dann mit dem SWR Symphonieorchester und der Stadtmusik Stühlingen gemeinsam aufgeführt werden könnte. Ein Freilichttheaterstück sei ebenso möglich und bedarf rechtzeitiger Vorarbeit. Noch gibt es kein Festkomitee oder ähnliches, die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Joachim Burger freut sich jedoch bereits jetzt über engagierte Bürger aus Stühlingen und der Region für die erste Phase der Ideen­sammlung.

  • Erinnerungen an die Stadtgeschichte: Der Rückblick auf historische Ereignisse wurde stets groß gefeiert in Stühlingen. Zuletzt zur 750-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte 1262 war im Jahr 2012 von der Heimatbühne Stühlingen „Im Bur si Recht“ mit Regisseurin Corina Rues-Benz und Regieassistenz Bernadette Nußberger als großes und erfolgreiches Freilichttheater den Sommer über aufgeführt worden.
Die Altstadt Stühlingens und das Schloss Hohenlupfen (links oben).
Die Altstadt Stühlingens und das Schloss Hohenlupfen (links oben). | Bild: Yvonne Würth

Die 700-Jahr Feiern 1962 fanden mit einem zweiwöchigen Zeltfest statt. Neben musikalischer Unterhaltung und einem Festumzug war das Bühnenschauspiel „Obervogt Ballbach“ von August Vetter unter der Leitung von Hermann Amann einer der Höhepunkte 1962. Die Wiedererhebung zur Stadt im Jahr 1950 wurde mit der Pflanzung der Stadtlinde im Judenwinkel und dem Festspiel „Als Stühlingen Stadt ward“ von Friedrich Singer unter der Regie von Berthold Winterhalder als Höhepunkt gefeiert.

Das Jubiläum 1925

Um den Stühlinger Bauernaufstand ging es im Sommer 1925. Damals wurde das Theaterstück „Der Stühlinger Bauernaufstand“ von Hans Müller-Brandeck unter der Regie von August Schmidt mit Ehrenbürger Franz Hug als Technischer Leiter auf dem Marktplatz im Städtle aufgeführt. Dabei wurden die Stadttore eigens für den Anlass kurzzeitig originalgetreu wieder aufgebaut. „Davon spricht man in Stühlingen noch heute“, ist von Journalistin Edelgard Bernauer auf der betreffenden Internetseite (www.750-jahre-stadt.de) zu lesen. Das Mittelalterspektakel und weitere Feste, die an Historisches erinnerten, lebten ebenfalls einige Male in öffentlicher und privater Hand auf dem Schloss Hohenlupfen auf.

  • Der Bauernkrieg: Der „Deutsche Bauernkrieg“ oder die „Revolution des gemeinen Mannes“ bezeichnet die Gesamtheit der Aufstände von Bauern, Städtern und Bergleuten, die 1524 aus ökonomischen und religiösen Gründen in weiten Teilen Süddeutschlands, Thüringens, in Österreich und der Schweiz ausbrachen. Die „Zwölf Artikel von Memmingen“, die damals aufgestellt wurden, gelten als frühe Formulierung von Menschenrechten. Die Aufstände wurden von Grund- und Landesherren niedergeschlagen, wobei geschätzt 75.000 Menschen ums Leben kamen.
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In Stühlingen gibt es die Sage vom „Schneckenstreit“ als Anlass zum Aufstand. „Sicher ist jedoch, dass der Funke, der den Bauernkrieg auslöste, von der Landgrafschaft Stühlingen ausging. Die Gründe hierfür sind sozialer Natur, lokale Ursache war ebenso der Schweizerkrieg, der erst 25 Jahre zurücklag, und unter dessen Lasten des Wiederaufbaus die Stühlinger Bevölkerung immer noch litt. Zudem waren die Landgrafen von Stühlingen bekannt dafür, ein verschwenderisches Hofleben zu führen, welches im Endeffekt immer in Form von Abgaben und Frondiensten zulasten der Bevölkerung ging.“ Mit diesen Worten wird der Stühlinger Hauptlehrer Emil Müller (1905 bis 1912), der sich in Drehbüchern Hans Müller-Brandeck nannte, im Internet zitiert.

  • Landgrafschaft Stühlingen und Stadt Stühlingen: Die Landgrafschaft Stühlingen umfasste ab dem Jahr 1120 das Gebiet östlich von Schlücht und Schwarza bis hin zur Wutach und dem Randen und grenzte im Süden an den Klettgau. Der erste Graf war Rudolf von Lenzburg, Stühlingen war der Hauptort der Landgrafschaft Stühlingen. Dass beim Ausbruch der Aufstandes Bauern aus der Landgrafschaft Stühlingen, wenn auch nicht aus dem Gebiet der heutigen Stadt Stühlingen, erschienen waren, ist nachzulesen bei der Dissertation des in Konstanz lebenden Japaners Hiroto Oka aus dem Jahr 1995. Vor dieser Dissertation war die eher einseitige Ausrichtung des Forschungsinteresses zum Bauernkrieg auf Oberschwaben und das Allgäu gerichtet gewesen.

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