Die aktuell geplante Kunstausstellung im „Schwarzen Adler“ Stühlingen muss aufgrund des Inzidenzwerts mindestens bis zum 16. Mai warten. Kurator Ingo Nitzsche hatte die Eröffnung für diese Woche geplant. Sobald die Ausstellung geöffnet werden darf, freut sich Ingo Nitzsche über eine telefonische Anmeldung: „Die Ausstellung steht, alle Auflagen sind bei uns erfüllt, wir haben getrennte Ein- und Ausgänge und wir sind dauernd dabei, uns klug zu machen, wie die juristische Lage ist und wie es in anderen Orten gehandhabt wird. Leichtfertig sind wir sicher nicht. Wir sind sehr dabei, uns rückzuversichern, wie es gehandhabt wird.“

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  • Persönlich, authentisch, jung: Aus der Sicht von 19 jungen Künstlern der Türkei wird die Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens dargestellt. Ingo Nitzsche, Inhaber des Kunsthauses „Schwarzer Adler“, erläutert seine Beweggründe: „Nachdem wir in Zeiten zunehmend größerer nationaler und internationaler Gräben und Spaltungen leben, tut es Not, immer mal einen Blick in die Befindlichkeiten anderer Länder zu werfen. Als Ausstellungskurator habe ich bekanntlich die engsten Kontakte in die Türkei oder besser gesagt: nach Anatolien. Von außerhalb kaum bemerkt, hat sich Anatolien zwischen Gebze und Van, zwischen Kars und Denizli in den vergangenen 20 Jahren nach und nach zu einer riesigen, kaum noch zu überblickenden Baustelle mit zunehmender Industrialisierung gewandelt. Über Jahrhunderte gewachsene Strukturen werden zerstört, die Natur, die Lebensräume von Mensch und Tier sowie die landwirtschaftlichen Erwerbsquellen zunichte gemacht.
Werke von Gözde Yurdunmali aus Eskisehir (Anatolien) sind ebenfalls im Kunsthaus „Schwarzer Adler“ Stühlingen zu sehen, sobald es öffnen darf. Bild: Privat
Werke von Gözde Yurdunmali aus Eskisehir (Anatolien) sind ebenfalls im Kunsthaus „Schwarzer Adler“ Stühlingen zu sehen, sobald es öffnen darf. Bild: Privat | Bild: Privat

Viele junge Künstler aus ganz unterschiedlichen ländlichen und städtischen Gebieten Anatoliens haben sich dieses Thema der radikalen Zerstörungen und Entfremdungen zu eigen gemacht – nicht zuletzt, weil sie und ihre Familien selbst davon betroffen sind. So gesehen, sind die Objekte der aktuell in Vorbereitung befindlichen Kunstausstellung im Stühlinger „Schwarzen Adler“ von höchst persönlichem Charakter. Gleichzeitig gestatten sie uns aber auch authentische Einblicke in die junge, zeitgenössische Kunst des Landes Türkei. Denn die 19 Künstler der Ausstellung sind genau dies: jung und an einer der Fakultäten für Bildende Kunst der Türkei mit abgeschlossenem Studium akademisch ausgebildet. Geboren und aufgewachsen sind sie alle an verschiedenen Orten in der anatolischen Provinz. Und teilweise haben sie bereits beachtenswerte Karrieren vorzuweisen.“

Wie die Acrylmalerei von Serap Öney aus Ankara zeigt die Ausstellung im Kunsthaus „Schwarzer Adler“ Stühlingen die Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht 19 junger türkischer Künstler.
Wie die Acrylmalerei von Serap Öney aus Ankara zeigt die Ausstellung im Kunsthaus „Schwarzer Adler“ Stühlingen die Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht 19 junger türkischer Künstler. | Bild: privat
  • Das Buch zur Ausstellung: Zur Ausstellung liegt ein knapp 170 Seiten starkes, türkisch- und deutschsprachiges Begleitbuch vor. In diesem wird die Entwicklung der türkischen Gegenwartskunst aus der klassischen Moderne nachgezeichnet, Lehrbeauftragte der Universitäten von Istanbul und Izmir kommen zu Wort, ebenso wie ein Historiker aus Kütahya und eine junge, wütende Arbeiterschriftstellerin aus Bozüyük.
Sobald die Kunstausstellung im Stühlinger Kunsthaus „Schwarzer Adler“, Schlossstraße 1 nach den Pandemie-Vorschriften öffnen darf, ist eine telefonische Anmeldung beim Kurator Ingo Nitzsche unter 07744/55 93 möglich. Im Bild ist Ayse Öcal mit dem Katalog zu sehen.
Sobald die Kunstausstellung im Stühlinger Kunsthaus „Schwarzer Adler“, Schlossstraße 1 nach den Pandemie-Vorschriften öffnen darf, ist eine telefonische Anmeldung beim Kurator Ingo Nitzsche unter 07744/55 93 möglich. Im Bild ist Ayse Öcal mit dem Katalog zu sehen. | Bild: Ingo Nitzsche 
  • Mörderischer Vortrag: Texte und Lieder von Georg Kreisler werden im „mörderischen Vortrag“ von Michaela Polkehn und Vasiliy Antipov dargestellt. Der Termin ist auf den Donnerstag, 6. Mai, um 19.30 Uhr im Kunsthaus Schwarzer Adler angesetzt und muss verschoben werden.
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  • Corona-Regeln im Landkreis: Pressesprecherin Susanna Heim vom Landratsamt Waldshut erläutert auf Nachfrage, wie es aussieht mit einer möglichen Öffnung der Kunstausstellung. Eine Aufhebung der Notbremse im Landkreis erfolgt, wenn der Inzidenzwert fünf Tage hintereinander unter 100 liegt. Sobald dies der Fall ist, wird in dieser Zeitung darüber informiert. „Wenn man die aktuelle Corona-Verordnung liest (das Land Baden-Württemberg hat sie mit Gültigkeit bis zum 16. Mai erlassen), dann findet man auch den Hinweis, dass Veranstaltungen in Innenräumen verboten sind. Die Veranstaltung am 6.Mai (Vortrag) ist folglich nicht erlaubt“, erläutert Susanna Heim die Vorgaben der Landesregierung.
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  • Der Kurator und sein Kunsthaus : Ingo Nitzsche ist freier Kurator und sieht sich als Ideengeber und Initiator. Er bereitet seit 25 Jahren Ausstellungen junger türkischer Künstler in ganz Deutschland und der Schweiz vor. Ihm liegt die künstlerische Vielfalt junger zeitgenössischer Türken am Herzen, die in Deutschland noch nicht erkannt wurde: „Wir nehmen die Türkei künstlerisch nicht wahr.“ Im historischen, über 500 Jahre alten Gebäude Schwarzer Adler in Stühlingen, das er vor einigen Jahren erworben hatte und zusammen mit seiner Mutter bewohnt, widmete er sich bereits der Interkultur, „als die Ministerien und die Kulturämter deutscher Großstädte diesen Begriff gerade neu zu prägen begannen. Damit hat sich der „Schwarze Adler“ früh den Inhalten und Zielen gewidmet, die für eine gelungene und gesellschaftliche Integration und Inklusion unerlässlich sind, nämlich: Interkulturelles Interesse, Achtung und Respekt.“
Ingo Nitzsche, freier Kurator und Inhaber des Kunsthauses „Schwarzer Adler“ Stühlingen fördert gerne junge Menschen, nun hofft er auf die baldige Eröffnung der aktuellen Ausstellung.
Ingo Nitzsche, freier Kurator und Inhaber des Kunsthauses „Schwarzer Adler“ Stühlingen fördert gerne junge Menschen, nun hofft er auf die baldige Eröffnung der aktuellen Ausstellung. | Bild: Yvonne Würth
  • Bereits vor der Corona-Pandemie nahm sich Ingo Nitzsche der Kinder an und vermittelte ihnen mit dem Theaterstück „Zenobia“ und verschiedenen Malprojekten, auch während des Lockdowns im Rahmen des jeweils Erlaubten, ein Stück Selbstbestimmung und die Möglichkeit, sich künstlerisch auszudrücken: „Der Respekt gegenüber Kunst ist gerade in Familien, die sehr schwere Zeiten erlebt haben, nicht sehr groß.“