Die neue, seit einigen Wochen erstmals angebotene historische Stadtführung durch Stühlingens Altstadt kommt so gut an, dass beim jüngsten Termin die große Gruppe geteilt werden musste.

Wenn Geschichte lebendig wird

Initiatorin Jutta Binner-Schwarz und Andreas Mahler führten zwei Gruppen mit interessierten Touristen und einer erfreulich großen Anzahl an Einwohnern, darunter die beiden Ortsvorsteher Gaby Fischer (Weizen) und Wolfgang Löhle (Eberfingen).

Andreas Mahler und Jutta Binner-Schwarz führten bei der Stadtführung Touristen sowie Einheimische durch das Altstadtrund Stühlingens.
Andreas Mahler und Jutta Binner-Schwarz führten bei der Stadtführung Touristen sowie Einheimische durch das Altstadtrund Stühlingens. | Bild: Yvonne Würth

Die eineinhalbstündige Führung durch die markantesten Punkte des Städtle in Gerberstraße und Herrengasse ist barrierefrei (außer dem Zugang zur altkatholischen Kirche), kurzweilig und informativ: Hier wird die Geschichte Stühlingens lebendig erzählt.

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Alte Stadt im topografischen Dreiklang

Andreas Mahler startete in der Schür am Stadtgraben, in der der Schwarzwaldverein Stühlingen das Bild des Stühlinger Lithografen Emil Würth ausgestellt ist. Darin wird der topografische Dreiklang des Kernorts mit Dorf, Städtle und Schloss ersichtlich.

Der topografische Dreiklang von Dorf (unten), Städtle (Mitte) und Schloss Hohenlupfen (oben) ist auch heute noch in Stühlingen erkennbar. Andreas Mahler erläuterte auf der historischen Stadtführung die Hintergründe und Besonderheiten.
Der topografische Dreiklang von Dorf (unten), Städtle (Mitte) und Schloss Hohenlupfen (oben) ist auch heute noch in Stühlingen erkennbar. Andreas Mahler erläuterte auf der historischen Stadtführung die Hintergründe und Besonderheiten. | Bild: Yvonne Würth

Sehenswerte Ausstellung in Freiburg

Mahler empfahl die Ausstellung im Freiburger Augustinermuseum, die bis zum 1. September Werke des Stühlinger Malers Johann Martin Morath entdeckt: „Die Freiburger haben Johann Martin Morath für Stühlingen wieder entdeckt.“

Wo heute Großmärkte und Tennisanlage stehen, gab es 1840 nur Pappeln und eine einsame Säge, dies belegen Bilder von Johann Martin Morath (bis 1. September im Augustinermuseum Freiburg ausgestellt).
Wo heute Großmärkte und Tennisanlage stehen, gab es 1840 nur Pappeln und eine einsame Säge, dies belegen Bilder von Johann Martin Morath (bis 1. September im Augustinermuseum Freiburg ausgestellt). | Bild: Yvonne Würth

In dessen Werken ist die Entwicklung in Stühlingen durch die Zeit erkennbar. Wo heute die Großmärkte und Tennisanlage stehen, gab es 1840 nur Pappeln und eine Säge, die später erweitert wurde. 1851 stand dort der Vorängerbau der Zwirnerei.

Gebäude zeugen von wechselvoller Geschichte

In der Rückansicht des Städtlerunds sind die Strukturen ersichtlich. Der damals gefüllte Stadtgraben wurde von den Rotgerbern genutzt. Bis ins 16. Jahrhundert zurück geht eines der ältesten sichtbaren Gebäude mit dem wehrhaften Turm.

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Erkennbar sind die Bürgerhäuser und Handwerkerhäuser mit den Gärten noch heute, ein besonderes Merkmal des Stühlinger Städtles. Erwähnenswert sind ebenso der Schürgarten und die Nothelferkapelle mit dem alten Spritzenhaus.

Gut erhaltene Überbleibsel aus alter Zeit: Die Nothelferkapelle und das ehemalige Spritzenhaus.
Gut erhaltene Überbleibsel aus alter Zeit: Die Nothelferkapelle und das ehemalige Spritzenhaus. | Bild: Yvonne Würth

Das Rathaus wurde 1610 erbaut und brannte 1904 abgebrannt. „Bereits damals entbrannte die Diskussion, ob der Wiederaufbau im Städtle oder im Dorf erfolgen soll.“ Mahler ist froh, dass das Rathaus in den 70er Jahren nicht dem „Modernisierungszwang“ erlag.

Blick auf eine einflussreiche Familie

Der Marktplatz wurde seit der Stadtgründung im Jahr 1262 rege genutzt (die älteste urkundliche Erwähnung ist aus dem 16. Jahrhundert).

Auch dieses Gebäude weist nach der Renovierung auf seine umtriebige Geschichte hin: „1411 Gutshof, 1499 im Schweizerkrieg Gutshof und Stadt (Stühlingen) niedergebrannt, 1595 aufgebaut, 1614 Pappenheimsches- und von 1639 Fürstenbergisches Rentamt, 1826 Badisches Bezirksamt, 1891 ging das Amtshaus an die Stadt Stühlingen und 1959 erwarb die Familie Porten Besitzer des Rebstocks, das Gebäude und renovierte dieses 1978.
Auch dieses Gebäude weist nach der Renovierung auf seine umtriebige Geschichte hin: „1411 Gutshof, 1499 im Schweizerkrieg Gutshof und Stadt (Stühlingen) niedergebrannt, 1595 aufgebaut, 1614 Pappenheimsches- und von 1639 Fürstenbergisches Rentamt, 1826 Badisches Bezirksamt, 1891 ging das Amtshaus an die Stadt Stühlingen und 1959 erwarb die Familie Porten Besitzer des Rebstocks, das Gebäude und renovierte dieses 1978. | Bild: Yvonne Würth

Beim Gang um das Städtlerund tauchten die Besucher in die Vergangenheit ein und erfuhren einiges über die Juden in Stühlingen, zeitweise bis zu acht Wirtshäuser, Apotheke und Gefängnis sowie die Hoch-Zeit der Rotgerberfamilie Würth, wodurch Stühlingen an Bedeutung gewann und regelmäßig mit München und Berlin verkehrte.

Das Wappen der Rotgerber-Familie Würth, einer der reichsten Familien im Städtle Stühlingen aus dem Jahr 1813.
Das Wappen der Rotgerber-Familie Würth, einer der reichsten Familien im Städtle Stühlingen aus dem Jahr 1813. | Bild: Yvonne Würth

Auf die Anfänge des Bauernkrieges in Stühlingen wies Andreas Mahler besonders hin: „2024 jährt sich der Bauernkrieg zum 500. Mal. Ich bin gespannt, was Stühlingen daraus macht!“