Die „Alte Mühle“ am Stühlinger Loretoweg, erbaut 1746, ist nur ein Jahr älter als die „Neue Mühle“, einst das stattlichste Gebäude der Stühlinger Unterstadt. Während die Untere Mühle ihr Alter längst nicht mehr verbergen kann, hat Albert Bregenzer als Eigentümer aus der wesentlich kleineren Alten Mühle ein Schmuckstück geschaffen. Die Neue Mühle gehört einer Erbengemeinschaft, die sich bisher über die Zukunft des großen Anwesens nicht einigen konnte.

Albert Bregenzer besitzt noch ein Bild vom Zustand der „Alten Mühle“, bevor er aus dem Anwesen ein Schmuckstück geschaffen hat.
Albert Bregenzer besitzt noch ein Bild vom Zustand der „Alten Mühle“, bevor er aus dem Anwesen ein Schmuckstück geschaffen hat. | Bild: Edelgard Bernauer

Viel weiß man über die früheren Eigentümer der Alten Mühle nicht. Bekannt ist der Name Sebastian Baschnagel, als Nachfolger tritt die Familie Hähnle in Erscheinung. Hedwig Hähnle , Albert Bregenzers Mutter, ehelichte in der Nachkriegszeit den Müller Peter Bregenzer aus Hopetenzell aus dem Hinterland des Bodensees. Der Lauf der Dinge zwang in der Nachkriegszeit zur Aufgabe der Mühle.

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Ein Mühlrad aus Weizen

Als ältester Sohn übernahm 1984 Albert Bregenzer (67) die alte Mühle und baute diese mit viel Liebe zu historischen Details um. Sogar ein Mühlrad wurde wieder installiert. Dieses stammte von einer längst stillgelegten Mühle aus Weizen.

Das Mühlrad hat einen Durchmesser von 4,60 Metern, ist einen Meter breit und komplett aus Metall. Beim Bau des Mühlrades packte Freund Wilfried Amann mit an. Würde das Mühlebächle noch in seinem ursprünglichen Bett verlaufen, wäre die Inbetriebnahme des Mühlrades kein Problem. So dient es eben als nostalgisches Dekor.

Die Alte Mühle wurde im Jahr 1746 errichtet. Hier der Blick aus Südosten. Das Mühlrad hat Albert Bregenzer von einer Mühle aus Weizen beschafft.
Die Alte Mühle wurde im Jahr 1746 errichtet. Hier der Blick aus Südosten. Das Mühlrad hat Albert Bregenzer von einer Mühle aus Weizen beschafft. | Bild: Edelgard Bernauer

Die Vergangenheit des Mühlebächles ergäbe eine Geschichte für sich. Heutzutage würde das Wasserwirtschaftsamt einer Umleitung zu rein kommerziellen privaten Zwecken eines Unternehmers wohl nicht mehr zustimmen. Aber das ist Schnee von gestern. Früher trieb das Rad der Alten Mühle, die als Beimühle galt, über eine genial einfache Technik eines der Mahlwerke der „Neuen Mühle“ an.

Gewölbekeller noch erhalten

Beim Ausbau der „Alten Mühle“ sorgte Albert Bregenzer dafür, dass möglichst viel alte Bausubstanz, besonders alte Balken und der Gewölbekeller, erhalten blieben. An der Südseite weist die in Stein gemeißelte Jahreszahl auf das Baujahr 1746 hin. Im Umfeld hortet Albert Bregenzer altes, von ihm selber restauriertes bäuerliches Gerät und etliche alte Mühlsteine. Ein jetzt gut gesicherter alter Ziehbrunnen und ein Staketenzaun vervollständigt das Gesamtbild.

Albert Bregenzer vor dem Ziehbrunnen bei der Alten Mühle. Im Hintergrund erkennt man den Fassadenstein mit der Jahreszahl 1746.
Albert Bregenzer vor dem Ziehbrunnen bei der Alten Mühle. Im Hintergrund erkennt man den Fassadenstein mit der Jahreszahl 1746. | Bild: Edelgard Bernauer

"Entscheidung nie bereut"

So wurde die „Alte Mühle“ zum Hingucker, die das Ortsbild aufwertet. Albert Bregenzer ist ein Alleskönner, der viele gute Ideen in seiner Mühle umgesetzt hat, ohne den eigentlichen Charakter zu verderben. Zwei Wohnungen im Gebäude sind vermietet. In der kleineren Wohnung fand ein syrischer Flüchtling eine schöne Unterkunft.

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Herzstück der Mühle ist ein schön gemauerter, großer und gut erhaltener Gewölbekeller. „Die Entscheidung, das Haus zu übernehmen, habe ich nie bereut“, betont Albert Bregenzer, obwohl er für das investierte Geld wohl locker einen Neubau hätte errichten können.