Zwischen der Gründung der Stühlinger „G’vätterlisschuel“ bis zur Kita liegen 137 Jahre und aus pädagogischer Sicht auch Welten. Die Treibende Kraft zur Einrichtung von Kindergärten war die badische Großherzogin Luise. Die Kindergartengründung ging damals einher mit der Gründung des katholischen Frauenvereins, der 2017 aufgelöst wurde.

Entschluss zum Neubau

Der erste Kindergarten Stühlingens befand sich im heutigen Haus Angela Mut in der Altstadt direkt neben dem Amtshaus (früher Schlosser Fritz Schölderle). Bald waren die Räume zu klein. Zudem war der Besuch jener Kinder, die in der Unterstadt zu Hause waren, recht mühsam. Wer hatte schließlich damals schon ein Fahrzeug? So entschloss sich der Frauenverein, der Träger der Einrichtung, zum Neubau eines Kindergartens. Dieses mit Schindeln verkleidete Gebäude gibt es bis heute. Es wurde vor einigen Jahren von dem aus Afghanistan stammenden Arzt Abdul Zamani erworben und in ein schmuckes Eigenheim umgewandelt.

Kindergartenleiterin Schwester Hermann Joseph und Küchenschwester Euphronia mit zwei Stühlinger Kindern auf dem Arm in den 60er Jahren.
Kindergartenleiterin Schwester Hermann Joseph und Küchenschwester Euphronia mit zwei Stühlinger Kindern auf dem Arm in den 60er Jahren. | Bild: Archiv: Edelgard Bernauer

Geleitet wurde der Stühlinger Kindergarten bis in die 60er Jahre von Schwestern des Vincentinerinnenordens, die auch im Loreto-Krankenhaus im Einsatz waren. Was die pädagogische Betreuung und die räumlichen Gegebenheiten anbetrifft, liegen zwischen der 2012 erbauten Kita und dem damaligen Erziehungskonzept Welten. Puppen waren nicht zum Spielen, sondern zum Anschauen da und waren meist in einem Schrank eingeschlossen.

War ein Kind unartig, kam es für eine gewisse Zeit in einen Verschlag unter der Treppe. Und bevor das Vesper ausgepackt werden durfte, ertönte im Chor der in Stühlingen allseits bekannte Spruch „Schwester Hermann Josef, wir bitten schön ums Brot und tun den Finger auf den Mund!“ Schwester Hermann Josef war die letzte Ordensfrau, die den Kindergarten leitete. In den 60er Jahren wurde dann in der Unterstadt ein neuer Kindergarten gebaut, der bis 2012 seinen Zweck erfüllte.

Ein Spaziergang mit vielen Kindern in der Nachkriegszeit. Im Hintergrund "Tante Cilli".
Ein Spaziergang mit vielen Kindern in der Nachkriegszeit. Im Hintergrund "Tante Cilli". | Bild: Archiv: Edelgard Bernauer

40 Jahre der Stühlinger Kindergartengeschichte sind auch eng verbunden mit dem Namen Edith Kauffmann (gestorben 2018). Mit ihrem Rückzug 2017 löste sich auch der katholische Frauenverein Stühlingen auf, der seit jeher Träger des Stühlinger Kindergartens war.

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Die neue Kita platzt allerdings mittlerweile schon wieder aus allen Nähten. Es hat sich schnell herumgesprochen, dass die Stühlinger Kita nicht nur architektonisch gut aussieht, es wird auch eine individuelle Betreuung angeboten. Es gibt einen Mittagstisch und eine Elternberatung sowie zeitgemäße pädagogische Konzepte. Kurzum: Die KitaStühlingen gehört inzwischen längst zur örtlichen Infrastruktur.

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