Das Ermittlungsverfahren zum Sturmunglück in Rickenbach, bei dem im vergangenen August ein Baum auf ein Zeltlager stürzte, endete jetzt mit einer Einstellung. Die durchgeführten Untersuchungen haben eine strafrechtlich relevante Verantwortlichkeit Dritter nicht ergeben.

In der Nacht zum 2. August war während eines starken Sturms ein 15-Jähriger in einem Zelt von einem Baum erschlagen worden. Der Jugendliche war Teil einer 17-köpfigen Jugendgruppe, die mit vier Begleitern von einem Zeltlager der DLRG Herrenberg bei Schwörstadt eine mehrtägige Wanderung im Hotzenwald unternahm. Auf dem Waldspielplatz Egg schlugen die Gruppe ihr Nachtlager auf, ein Teil schlief in einer Schutzhütte, der andere im Zelt. Bei einem nächtlichen Unwetter mit Sturmböen knickte eine Weißtanne um, stürzte auf das Zelt und begrub mehrere Kinder unter sich. Der 15-Jährige kam dabei ums Leben, vier weitere Teilnehmer der Freizeit wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

"Insbesondere kann den verantwortlichen Betreuern der Jugendlichen kein Vorwurf einer fahrlässigen Aufsichtspflichtverletzung gemacht werden", so die Leitende Oberstaatsanwältin Iris Janke in ihrer Mitteilung. Im gesamten südwestlichen Landesteil habe es zwar seit dem Nachmittag über verschiedene Wetterdienste Sturmwarnungen gegeben. Die Auswertung der Messungen an der nächstgelegenen Wetterstation habe aber ergeben, dass am Unglücksort im südlichen Schwarzwald über den gesamten Abend hinweg keine stärkeren Windböen zu verzeichnen waren. Vielmehr sei es nur leicht windig gewesen. Die örtlichen Verhältnisse hätten daher durchweg keinen Anlass zur Sorge vor einem aufziehenden Sturm gegeben. Auch sei die allgemeine Sturmwarnung im Laufe des späteren Abends aufgehoben und erst in der Nacht wieder erneuert worden.

Die seit dem Orkan Lothar freistehende Weißtanne sei durch eine plötzliche Sturmböe, die um 1.40 Uhr mit 97 Stundenkilometer auf den Baum traf, zu Fall gekommen und habe die Jugendlichen unter sich begraben. Janke: "Bei dieser Sachlage kann vor einem Sorgfaltspflichtverstoß der Betreuer nicht ausgegangen werden, da diese nicht mit einer einzigen derart starken Böe rechnen mussten, nachdem sich die Wetterlage seit dem Spätnachmittag kaum verändert hatte."

Zusätzliche Ermittlungen zur Standhaftigkeit des Baumes hätten ergeben, dass insoweit auch kein fahrlässiges Versäumnis der Forstwirtschaft vorliege. Zwar habe die Tanne im Inneren einige schadhafte Stellen aufgewiesen, dies sei von außen aber nicht sichtbar gewesen. Soweit am Wurzelrand schadhaftes Holz ermittelt worden sei, hätten die Untersuchungen nicht ergeben, dass dies bei den engmaschig durchgeführten Kontrollen bereits sichtbar gewesen wäre.