Es ist eine der größten Neuansiedlungen der vergangenen Jahre: Der pharmazeutische Dienstleister Fisher Clinical Services möchte in Herten sein europäisches Zentrum errichten. Geplant ist der Bau im künftigen Gewerbegebiet Sengern – also auf dem Gelände, das die Stadt dem Landkreis als Standort fürs Zentralklinikum angeboten hatte. In den kommenden drei Jahren sollen dort 200 Arbeitsplätze entstehen. Eine Option zum Ausbau ist in dem städtebaulichen Vertrag, dem der Gemeinderat am Donnerstag mit zwei Gegenstimmen zugestimmt hat, bereits vorgesehen.

Die Vorbereitungen für das Mammutprojekt laufen seit einem Jahr, wie Oberbürgermeister Klaus Eberhardt am Donnerstag in einem Pressegespräch erklärte. Zunächst habe Fisher Clinical Services Interesse an der Einhäge bekundet. Zum einen seien diese Flächen aber der Weiterentwicklung von Gewerbebetrieben vorbehalten, zum anderen sei die Einhäge schlicht zu klein, so der OB. Denn was der pharmazeutische Dienstleister plant, ist enorm, wie Astrid Frank, Managerin der europäischen Niederlassungen, erläuterte. In einem 6000 Quadratmeter großen Gebäudekomplex werden Wirkstoffe für klinische Studien hergestellt, verpackt und von Herten aus versandt. Vorgesehen sind 30 Versandvorbereitungsstationen, 30 Büroplätze, Sozialräume und Kantine. Auf dem Grundstück – direkt an der Bundesstraße gelegen – mit einer Gesamtgröße von 26 000 Quadratmetern sollen außerdem Erholungsflächen für die Mitarbeiter sowie mehr als 120 Parkplätze entstehen. Auch die Möglichkeit einer Kinderbetreuungsstätte ist vorgesehen. Der städtebauliche Vertrag enthält außerdem eine Optionsklausel auf das oberhalb liegende Grundstück in ähnlicher Größe: Spätestens zwei Jahre nach Erteilung der Baugenehmigung des jetzt geplanten Gebäudes muss das Unternehmen kaufen, spätestens vier Jahre danach mit dem Erweiterungsbau beginnen. Für dieses neue Zentrum werden Fachkräfte gebraucht. „Etwa ein Drittel der 200 Arbeitsplätze sind aus dem akademischen Bereich, wie Biologie, Chemie oder Pharmazie“, so Frank. Den größeren Anteil machen zum Beispiel kaufmännische Angestellte, Produktionsmitarbeiter, Verfahrenstechniker oder technische Assistenten (medizinisch/pharmazeutisch) aus.

Astrid Frank erläuterte das Projekt.
Astrid Frank erläuterte das Projekt. | Bild: Ralf H. Dorweiler

Angst vor dem Fachkräftemangel hat Frank nicht und für den OB schließt der neue Arbeitgeber auch eine Lücke. „Heute reden wir über das Angenehme, aber die Umstrukturierung von Umicore ist fast abgeschlossen“, so Eberhardt. Es sei auch seine Aufgabe, mit Neuansiedlungen einen Ausgleich herzustellen. Und die finanzielle Grundstruktur der Stadt zu verbessern. Das könnte mit einem potenten Gewerbesteuerzahler – Fisher Clinical Services erwartet einen Umsatz im hohen zweistelligen Millionenbereich – gelingen. Der Zeitplan ist durchaus ambitioniert. Denn nach den Vorstellungen von Fisher Clinical Services soll mit den Bauvorbereitungen schon Ende dieses Jahres begonnen werden, 2020 soll das Zentrum stehen. Von städtischer Seite ist dazu die Aufstellung eines Bebauungsplans notwendig. Die Kosten für die verschiedenen Fachgutachten, wie Lärm oder Naturschutz, trägt der Investor, wie Stadtbauamtsleiter Wolfgang Lauer erläuterte, der gemeinsam mit Stadtplanerin Christiane Ripka das Projekt betreut. Da nur 88 Prozent der Fläche der Stadt gehören, laufe aktuell das Baulandumlegungsverfahren. Die Erschließung erfolgt über die B 34 und mit einem Durchstich der bereits bestehenden Straßen. Alfred Winkler und Willy Hundorf (beide SPD) lehnten das Vorhaben am Donnerstag ab.

Fisher Clinical Services

Das Unternehmen hat weltweit 20 Niederlassungen mit mehr als 3500 Mitarbeitern. In Basel beschäftigt das Unternehmen 500 Mitarbeiter, in Weil am Rhein bislang 50. Der Tätigkeitsbereich umfasst die Wirkstoffherstellung bis zur Verteilung der Studienmedikation in Kliniken und Prüfzentren.