Rheinfelden Im Ochsen in Warmbach wurden zum letzten Mal die beliebten Cordon bleus serviert

Der Ochsen in Warmbach ist bald Geschichte. Das Restaurant wird abgerissen und macht Platz für einen Wohnblock. Unser Mitarbeiter Boris Burkhardt war beim letzten Öffnungstag in der Gaststube und hat mit dem Wirt Leo Delo und seinen Stammgästen gesprochen.

Den letzten Arbeitstag am Samstag verbringt Leo Delo in seiner Wirtsstube voller Stammgäste. Danach wird der Ochsen in Warmbach Geschichte sein: Das Gebäude wird abgerissen und durch einen Wohnblock mit 14 Wohnungen ersetzt. Nach 31 Jahren im Ochsen geht Delo, heute 69 Jahre alt, in Pension.

Eines der ältesten Gebäude im Ort, meinen drei befreundete Paare aus Warmbach über den Ochsen zu wissen: „Sehr schade, dass eine solche Traditionswirtschaft abgerissen wird.“ Seit 1989 kommen die sechs regelmäßig zu Leo, wie sie sagen: früher sogar einmal pro Woche; heute versuchen sie es einmal im Monat. „Es ist heimelig. Man wird nicht blöd angeschaut, wenn man lacht“, sagt eine der drei Frauen, „und das Essen ist immer lecker“. Zum Abschiedsessen gab es für den ganzen Tisch Pizza Frutti di Mare, Salat und Cordon bleu.

Sperrung der Warmbacher Straße war eine Katastrophe

Letzteres war zusammen mit Schnitzel die Spezialität des Hauses. Etwas ungewöhnlich für einen Italiener, aber Delo wusste eben, was seine Kundschaft wollte. Die bestand übrigens trotz der vielen Warmbacher am Abschiedstag zu 85 Prozent aus Schweizern, wie er sagt. Die elfmonatige Baustelle in der Warmbacher Straße vom November 2016 bis September 2017 war deshalb eine Katastrophe für ihn: Drei Mitarbeiter musste er in dieser Zeit entlassen; den Verlust kalkuliert er auf 30.000 Euro. „Aber das interessierte keinen Menschen“, lässt er seinem Frust Luft. Wenn er zuvor gewusst hätte, wie lange die Baustelle gehen würde, sagt er, hätte er schon damals zugemacht: „Aber es hieß, sie würde nur drei Monate dauern.“

Mit dem Ende der Baustelle kamen neue Probleme: Für den kurzen Zeitraum von September bis April – das Datum des Abrisses stand ja fest – konnte Delo nicht mehr genug Mitarbeiter auf dem sowieso knappen Arbeitsmarkt finden: Sein 37-jähriger Sohn Christian zögerte jedoch nicht lange und kündigte seine Stelle als Industriekaufmann, um seinem Vater, seit 1994 Witwer, in den letzten Monaten des Ochsen beizustehen. Heute, am letzten Tag, hat er noch keine neue Stelle in seinem alten Beruf, aber er bleibt zuversichtlich: „Irgendwie geht’s immer weiter.“

Von Sizilien über Olten nach Rheinfelden

Leo Delo wurde in Corleone bei Palermo geboren und kam 1968 zunächst in die Schweiz nach Olten. 1970 zog er nach Badisch-Rheinfelden und begann, als Kellner in der Gastronomie zu arbeiten, unter anderem in der ehemaligen Pizzeria „Talisman“ in Grenzach-Wyhlen. 1987 wechselte er als Geschäftsführer zum Ochsen, den zunächst noch sein Schwager gepachtet hatte. Fünf Jahre später übernahm ihn Delo selbst als Pächter. Bisher wohnte der Sizilianer in der Wohnung über dem Ochsen; vor kurzem ist er nach Nollingen gezogen.

Künstlermanager Tom Beser ist heute ebenfalls mit Familie und Eltern zum Abschiedsessen gekommen: Bei ihm gab es den Spezialsalat mit Thunfisch, Sardellen und Hühnchen und Pizza Hawaii mit Sardellen. Beser wohnt ebenfalls in Warmbach und ist nicht nur Stammgast, sondern auch ein persönlicher Freund. „Es ist heute ein komisches Gefühl“, beschreibt er den letzten Besuch im Ochsen: „Es wird wohl erst bei mir ankommen, wenn die Wirtschaft wirklich zu ist.“ Mutter Beser fügt hinzu: „Es ist schade, dass es jetzt nur noch ein Gasthaus in Warmbach gibt.“ Familie Beser muss sich nun einen neuen Italiener in der Stadt suchen.

Riesenschildkröten bekamen ihr Gemüse aus dem Ochsen

Tom Beser kann der Situation aber auch etwas Positives abgewinnen: „Es wird spannend, für welche Unternehmungen Leo nun als Rentner Zeit haben wird.“ Delo sei ein ganz spezieller Charakter, ein Original: „Er hat auch schon mal einen Gast rausgeschmissen, der sich nicht benehmen konnte.“ Beser erinnert sich vor allem an das überzählige Gemüse, das ihm Delo regelmäßig für seine Riesenschildkröten überließ: „Auch da muss ich nun umdenken.“

Zum Abschied schenkt Tom Beser Leo Delo ein Lederkissen mit seinem Familienwappen: „Das ist etwas sehr Persönliches, das ich sonst nicht rausgebe.“

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