Es ist ein Phänomen, das im Großen wie auch Kleinen kommt und geht. Da werden jahrelang friedliche und nachbarschaftliche Beziehungen zum Beispiel zwischen Staaten gepflegt, bis ein scheinbar nichtiger Anlass alte Gräben wieder aufreißt. Im Kleinen bekommt dieses Phänomen gerade auch die Gemeinde Murg zu spüren. Anlass ist eine Treppe. Plötzlich laufen an dem ansonsten sachlichen Ratstisch im Murger Rathaus die Emotionen heiß.

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Über diese Erscheinung lässt sich natürlich philosophieren und noch viel mehr spekulieren. Aber weder das eine noch das andere macht wirklich Sinn. Denn die Fakten sprechen für sich. Nach den Kommunalwahlen 2014 hatte der Gemeinderat 19 Sitze, mit Überhangmandaten 21 Sitze. Elf der gewählten Bürgervertreter kamen aus Murg, zehn aus den Ortsteilen. Die Murger waren also in einer, wenn auch knappen, Mehrheit. Dann kam die Abschaffung der unechten Teilortswahl, womit den Ortsteilen keine Sitze im Gemeinderat mehr garantiert waren. Gleichzeitig wurde die Gesamtzahl der Sitze im Gemeinderat auf 18 reduziert.

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Was die Gemeinderäte aus den Ortsteilen zunächst als Nachteil empfanden, entpuppte sich mit den Kommunalwahlen 2019 dann als ihr großes Plus. Jetzt kommen zehn Gemeinderäte aus den Ortsteilen, acht Gemeinderäte aus Murg. Damit ist das Murger Mehrheitsverhältnis futsch. Die Machtposition hat sich genau umgekehrt. Die Gemeinderäte aus den Ortsteilen haben, wenn sie denn wollen und sich einig sind, in der Gemeinde das Sagen. Das bringt die Gemüter in Wallung und dürfte erst der Anfang sein. Es wird spannend. Die Gemeinderäte aus Murg sind jedenfalls gefordert.