Seit 150 Jahren seien diese Kirche und alle Gemeindemitglieder Bausteine des Glaubens und der Kirche Jesu Christi, sagte Georg Gänswein, Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. „Halbzeit“ ist der Sonntag Gaudete („freuet euch“) in der Adventszeit und Anlass für eine Pause, um zurückzublicken und in die Zukunft zu schauen, sagte Gänswein, der aus dem Kreis Waldshut stammt, in seiner Predigt. Dem Zweifel, ob Dekoration und Umtrieb in den Straßen dem Warten auf Christi Geburt angemessen seien, stellte er Johannes den Täufer entgegen. Für seinen Glauben wurde er ins Gefängnis geworfen, und dort zweifelte er: „Bist du der, der kommen soll?“. Doch das mache ihn sympathisch.

„Jeder, der den Glauben ernst nimmt, hat Zweifel, und unterdrückte Zweifel tun nicht gut“, sagte der Kurienerzbischof und ermutigte dazu, es mit dem Glauben auszuprobieren. „Ob Schwimmen einen über Wasser hält, weiß man erst, wenn man ins Wasser steigt“, sagt er. „Nicht von der Stimmung hängt der Advent ab, sondern von der Stimme aus dem Gefängnis, auf die Christus allein die Antwort gibt“, schloss Georg Gänswein seine Predigt.

Im Anschluss an den Festgottesdienst wurde das neue Bonifatiushaus als Kultur- und Begegnungszentrum eingeweiht. Mit dem Kreuz, das dort aufgehängt wurde und das zuvor von Erzbischof Gänswein in der Kirche gesegnet worden war, sei nun der Schlussstein dieses Bauwerks gesetzt, sagte Pfarrer Thorsten Becker.

Der Bau ist keine Selbstdarstellung, sondern in der Versammlung werde das Evangelium lebendig, und dazu brauche es Raum und Räume, stellte er fest. Architekt Gerhard Zickenheiner, der das Bonifatiushaus gebaut und das Pfarrhaus umgebaut hat, sagte, mit sechs Jahren Planungs- und Bauzeit sei das sein längstes Projekt gewesen, doch es sei mehr als ein bauliches Ensemble. Die baulichen Veränderungen gaben den Anlass, auch Zielsetzungen für die Gemeinde zu definieren. Der Zusammenhang zwischen Planen und Bauen und inhaltlichem Gestaltungsprozess sei ihm nie so deutlich geworden wie hier.

Städtebaulich wurde eine Wunde geschlossen, durch den Abriss eines Gebäudes die Kirche freigestellt. Landrätin Marion Dammann erinnerte an die Einweihung der Kirche am 6. Juni 1867, aber auch an den Brand der Kirche im Jahr 2007, der Anlass war, Identität und spirituelle Ausrichtung neu zu definieren. Sie dankte auch, dass die Kirche bei der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen Position bezieht und hilft. Diesem Dank schloss sich OB Jörg Lutz an, der daran erinnerte, dass Lörrach beim Bau der Kirche eine Kleinstadt mit 6000 Einwohnern war, an deren Rand die neue Kirche stand. Die zweite Welle der Industrialisierung habe der Stadt damals einen viel größeren Wandel gebracht als man ihn heute erlebt. Etwas Beachtliches, Großes und Schönes sei hier zustande gekommen, sagte Georg Gänswein.

Er zitierte Goethe, der sagte, man brauche Wurzeln und Flügel. Wurzeln, weil Verankerung nötig ist, Flügel, um voranzukommen, denn Stehenbleiben heißt zurückgehen. Auch er hob darauf ab, dass Kirche und Bonifatiushaus vielen Dach und Heimat biete und betonte: „Das Schöne am katholischen Glauben ist, dass es hier keine Ausländer gibt.“ Willkommenskultur gab es in der Kirche schon immer und als Deutscher, der viel in der Welt herumkommt, könne er heute stolz sein, wegen der hier praktizierten Willkommenskultur, so Gänswein. Thorsten Becker nahm sein Wort von der Halbzeit auf und wollte mit den Gästen auf die nächsten 150 Jahre der Gemeinde anstoßen.