Zwei Gedenksteine erinnern in Laufenburg jetzt an das während der Nazi-Herrschaft ermordete Ehepaar Emilie und Siegfried Löwenstein. Der Künstler Gunter Demnig verlegte die „Stolperstein„ genannten Plaketten Donnerstagmittag vor dem ehemaligen Wohnhaus der Löwensteins. Vertreter des öffentlichen und des kirchlichen Lebens sowie Bürger waren auf Einladung der Stadt Laufenburg und des Freundeskreises Jüdisches Leben Waldshut-Tiengen zur Verlegung am Stadtweg 1 gekommen.

„Wir müssen entschiedener gegen Rechts vorgehen als bisher“, forderte der Laufenburger Bürgermeister Ulrich Krieger in seiner Rede zu Beginn der Veranstaltung. Emilie und Siegfried Löwenstein seien nur zwei einzelne von insgesamt sechs Millionen Menschen gewesen, die von den Nazis als Juden ermordet worden seien. „Die Stolpersteine tragen dazu bei, dass diese Verbrechen nicht vergessen werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Weil es 75 Jahre nach Ende des Krieges und der Nazi-Herrschaft immer weniger Zeitzeugen gebe, sei die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit umso wichtiger, erklärte der Bürgermeister. Die Stadt stelle sich dieser Aufgabe und habe erst vor kurzem eine kommentierte Ausgabe der in der NS-Zeit erschienenen „Heimatbriefe für die Soldaten der Stadt Laufenburg (Baden)“ herausgegeben. Krieger dankte Manfred Fögele und Malte Thomas, die die Verlegung der Stolpersteine initiiert sowie Gudrun Rolle, Ines und Johannes Zeller, die sie finanziert haben.

Schon lange befasst sich Manfred Fögele mit der Geschichte der Familie Löwenstein und der von ihr lange betriebenen Dampfsäge. Noch vor 15 Jahren habe er vielerorten Ablehnung verspürt, als er sich nach nach den Löwensteins erkundigt habe, erklärte der ehemalige Konrektor der Hans-Thoma-Schule Laufenburg vor der Verlegung der Stolpersteine in einer kurzen Rede. Auch in Laufenburg habe es während des Dritten Reichs „Erfüllungsgehilfen und fanatische Nazis“ gegeben. Fögele zeichnete das Leben von Emilie und Siegfried Löwenstein nach, die im April 1942 im Alter von 59 beziehungsweise 66 Jahren von Stuttgart nach Ostpolen ins Transitlager Izbica deportiert worden waren. „Sollten sie die Zustände dort tatsächlich überlebt haben, sind sie in einem der Vernichtungslager ermordet worden – Belzec, Sobibor oder Majdanek.“

Nachdem Gunter Demnig die Gedenkplaketten für Emilie und Siegfried Löwenstein im Boden verlegt hatte, betete der römisch-katholische Pfarrer Klaus Fietz das Kaddisch. Dieses jüdische Gebet wird traditionell zum Totengedenken gesprochen. Raimund Huber trug zum Beginn und zum Schluss der Gedenkfeier am Akkordeon zwei jiddische Lieder vor.