Untätig ist hier niemand. Und kein Kind steht irgendwo in einer Ecke und schaut auf sein Handy. Im neuen Lauchringer Abenteuerland haben die Sechs- bis etwa Zwölfjährigen Kinder anderes im Sinn: Mit sichtlicher Freude sind sie aktiv und kreativ. Unterstützt und begleitet von Betreuern und Helfern, hämmern, sägen, bauen, malen und spielen sie.

Begegnung und Erlebnis für Kinder

Das Abenteuerland ist eine integrative Begegnungs-, Beschäftigungs- und Erlebnisstätte für Kinder. Es ist eines der Projekte des Familienzentrum Hochrhein (Faz), das seinerseits vom Diakonischen Werk Hochrhein getragen wird. Es bietet Kindern die Möglichkeit, in der freien Natur zu spielen, zu entdecken und den Umgang mit Werkzeugen zu lernen.

Es schmeckt: Nach dem Bauen und Spielen im Freien, treffen sich die Kinder in der Scheune zum gemeinsamen Mittagessen. Bild: Ursula Freudig
Es schmeckt: Nach dem Bauen und Spielen im Freien, treffen sich die Kinder in der Scheune zum gemeinsamen Mittagessen. Bild: Ursula Freudig

Bei den Ferienfreizeiten bauten die Kinder entsprechend dem Motto „Asterix und Obelix“, gallische Dörfer. Die drei einwöchigen Ferienfreizeiten – ohne Übernachtungen – sind vor Kurzem zu Ende gegangen. Mit täglich rund 100 Kindern waren alle ausgebucht. Für die Verpflegung war die Küche des Abenteuerlandes zuständig. Das Team von Küchenchefin Regina Jaumann hatte alle Hände voll zu tun. „Wir haben jeden Tag etwas anderes gekocht, immer war Gemüse und Salat dabei“, erzählt Regina Jaumann. Ulla Hahn, Leiterin des Familienzentrums Hochrhein, war jeden Morgen mit dem Faz-Bus auf großer Einkaufstour.

<strong>Gut ausgestattete Küche:</strong> Rund 100 Kinder versorgte die Küche des Abenteuerlandes in den Ferienfreizeiten täglich mit einem Mittagessen, Ulla Hahn (links, Leiterin des Familienzentrums Hochrhein) hilft hier Küchenchefin Regina Jaumann. Bild: Ursula Freudig
Gut ausgestattete Küche: Rund 100 Kinder versorgte die Küche des Abenteuerlandes in den Ferienfreizeiten täglich mit einem Mittagessen, Ulla Hahn (links, Leiterin des Familienzentrums Hochrhein) hilft hier Küchenchefin Regina Jaumann. Bild: Ursula Freudig

Es waren die ersten Ferienfreizeiten im neuen Abenteuerland, das dieses Jahr im Mai offiziell eröffnet wurde. Gefeiert wurde die Verwirklichung eines ehrgeizigen Projekts, das zumindest im Landkreis Waldshut seinesgleichen sucht. Hinter dem Abenteuerland des Familienzentrums Hochrhein steht das Engagement vieler: Die Gemeinde Lauchringen, das Diakonisches Werk Hochrhein, Aktion Mensch, die Glücksspirale, der Rotary Club Waldshut-Tiengen, hiesige Handwerksbetriebe und viele private Sponsoren und ehrenamtliche Helfer haben ihren Anteil.

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„Zugpferde“ waren und sind die Faz-Leiterin Ulla Hahn und der Faz-Mitarbeiter Andreas Schumpp, der das Projekt „Abenteuerland“ leitet. Die Beiden waren schon vor rund zehn Jahren bei der Einführung des ersten Abenteuerlandes die maßgeblichen Kräfte. Das alte war in der ehemaligen Lauchringer Gärtnerei untergebracht, musste aber der Erschließung des Neubaugebiets Nack II weichen. Bürgermeister Thomas Schäuble und der Gemeinderat unterstützten die Pläne, ein neues Abenteuerland zu bauen und stellten ein Gelände beim Schwimmbad zur Verfügung. Als ehrenamtlich tätiger Architekt konnte der Rotarier Franz Michler gewonnen werden. In rund zwei Jahren entstand das neue Abenteuerland.

<strong>Prominente Fans:</strong> Sabine Hartmann-Müller (CDU-Landtagsabgeordnete), Landrat Martin Kistler, Ulrike Holzwarth (Ehrenamtliche und Unterstützerin des Faz), Felix Schreiner (CDU-Bundestagsabgeordneter) und Christine Chrystof (Leiterin Integrationsgruppe Faszination). Bild: Ursula Freudig
Prominente Fans: Sabine Hartmann-Müller (CDU-Landtagsabgeordnete), Landrat Martin Kistler, Ulrike Holzwarth (Ehrenamtliche und Unterstützerin des Faz), Felix Schreiner (CDU-Bundestagsabgeordneter) und Christine Chrystof (Leiterin Integrationsgruppe Faszination). Bild: Ursula Freudig

Herzstück des großzügigen Wiesengeländes ist eine Scheune mit rund 300 Quadratmetern Grundfläche. Im oberen Geschoss ist Platz für zwei Matratzenlager. Im Außenbereich ist eine große Bühne bereits fertig, ein Backhaus, eine Kinder-Werkstatt und ein Garten folgen noch. Das neue Abenteuerland ist barrierefrei und um einiges größer als das alte. Nicht geändert haben sich seine Grundsätze. Zum einen ist dies die integrative Funktion. Kinder mit und ohne Behinderung treffen sich und sind soweit als möglich, gemeinsam aktiv. Das zweite Grundprinzip ist seine Naturnähe.

Alternative zur medialen Welt

Das Abenteuerland will bewusst eine Alternative zu medialen Welten bieten, die in immer größeren Maß die Lebenswirklichkeit von Kindern bestimmen. Dies oft auf Kosten der Bewegung und des sozialen Miteinanders. Deshalb dürfen die Kinder und auch die Betreuer und Helfer ins Abenteuerland keine Handys mitbringen. Es soll ohne mediale Ablenkung in einer natürlichen Umgebung gespielt, getobt und gewerkelt werden. Und dies gemeinsam und mit allem was dazu gehört.

<strong>Erfrischung:</strong> An heißen Tagen ist das kühle Wasser aus dieser Pumpe eine willkommene Abkühlung für die Kinder, hier Maxim (links) und Paul. Bild: Ursula Freudig
Erfrischung: An heißen Tagen ist das kühle Wasser aus dieser Pumpe eine willkommene Abkühlung für die Kinder, hier Maxim (links) und Paul. Bild: Ursula Freudig

Ulla Hahn und Andreas Schumpp sind überzeugt, dass die Kinder auf diese Weise viel fürs spätere Leben mitnehmen. Die beiden sind keine studierten Sozialpädagogen, sondern Quereinsteiger. Ulla Hahn (60) war einmal Sekretärin und hat fünf Kinder, darunter eine Tochter mit Behinderung, groß gezogen. Und Andreas Schumpp (49) hat als Modellbauer im Bereich Holz gearbeitet.

Schön bunt: Blick auf eine Außenseite der Scheune im Abenteuerland, das Bild entstand bei der Eröffnungsfeier im Mai 2018. Bild: Ursula Freudig
Schön bunt: Blick auf eine Außenseite der Scheune im Abenteuerland, das Bild entstand bei der Eröffnungsfeier im Mai 2018. Bild: Ursula Freudig

Beide sind überzeugt, dass gesunder Menschenverstand, ein unbefangener Kopf und Entscheidungen, die aus dem Leben, der Erfahrung und dem Herzen heraus getroffen werden, oft mehr bringen als das Anwenden von Theorien, die in einem Studium erworben wurden. Rückhalt durch eine studierte Fachkraft gibt es aber trotzdem: Andreas Harder, Geschäftsführer des Diakonischen Werks Hochrhein (Träger des FAZ), ist Sozialpädagoge.