Sie sprechen mit der ganzen Welt und dafür müssen sie weder eine Nummer wählen noch Ferngespräch-Gebühren bezahlen. Die Lauchringer Amateurfunker um ihren Vorsitzenden Roland Bannwarth sind Mitglieder eines vielseitigen Vereins.

„Der Amateurfunk ist eine Spielwiese, die man wegen ihrer Größe gar nicht vollständig erkunden kann“, erklärt Roland Bannwarth. Der 59-jährige Mechatroniker leitet den Ortsverband Hochrhein-Klettgau seit 16 Jahren. Funker ist er bereits 26 Jahre.

Aktives Rufen – passives Lauschen

Aber was machen die Funker eigentlich, während sie funken? Die Kontaktaufnahme geschieht über das aktive Rufen oder das passive Lauschen. Den Funkern stehen verschiedene Systeme, wie der CB-, der Kurzwellen- oder der Mittelwellenfunk mitsamt verschiedenen Frequenzbändern zur Verfügung.

Hört der Funker einen Ruf, oder eine Antwort auf seinen Ruf, antwortet er auf derselben Frequenz. Konnte erfolgreich eine Verbindung aufgebaut werden, senden sich die beiden Funker anschließend sogenannte QSL-Karten als Empfangsbestätigung zu.

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Diese Karten bilden die Voraussetzung, um ein Amateurfunkdiplom bzw. die Lizenz zum Funken inklusive des einzigartigen Rufzeichens zu beantragen. Gleichzeitig stellen die postkartenähnlichen, meist mit ortsspezifischen Motiven bedruckten Karten wahre Errungenschaften dar. Besonders begehrt sind Karten von weit entfernten Inseln, aus dem Vatikan oder von Prominenten. Doch diese muss man eben erstmal kontaktiert bekommen.

Prominente Funker

Zum weltweiten Netzwerk der Amateurfunker gehörten und gehören Menschen aus allen Bevölkerungsschichten, so zum Beispiel auch Staatsoberhäupter wie der ehemalige König von Spanien, Juan Carlos, und der deutsche Politiker Friedrich Merz, Schauspieler wie Marlon Brando und Prescilla Presley sowie viele Wissenschaftler und die allermeisten Raumfahrer. „Man weiß nie auf wen man trifft“, erklärt Roland Bannwarth.

Roland Bannwart kommuniziert über das Funkgerät mit ganz Europa. Das Vereinsheim der Funkamateure Lauchringen ist mit einer leistungsstarken Technik ausgestattet.
Roland Bannwart kommuniziert über das Funkgerät mit ganz Europa. Das Vereinsheim der Funkamateure Lauchringen ist mit einer leistungsstarken Technik ausgestattet. | Bild: Peter Rosa

Während für viele der weltweit rund über 2,5 Millionen Funkamateure das Basteln und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit ihrer Technik im Vordergrund stehen, ist es für ihn die Kommunikation selbst. „Man spricht über das Wetter, man tauscht sich aber auch über das gemeinsame Thema Amateurfunk oder auch über persönliche Themen aus“, erklärt er.

Im Laufe der Jahre sind auf diese Weise etliche Freundschaften entstanden, mit Hobby-Funkern und -Funkerinnen aus Spanien, Portugal, Italien und dem Rest Europas. „Man baut und unterhält Freundschaften zu Menschen, die man noch nie gesehen hat und die man in vielen Fällen auch nie persönlich treffen wird“, sagt Bannwarth.

Auch Kontakt zur ISS möglich

Andere Vereinsmitglieder, unter ihnen Schiffsmotorenbauer, Flugzeugmechaniker, Mechatroniker aber auch Anwälte, funken regelmäßig mit Gleichgesinnten in Japan, Peru, in Forschungsstationen an den entlegensten Ecken der Welt oder jenen, die ortsungebunden von Kreuzfahrtschiffen aus funken. Sie überwinden damit Distanzen von über 10 000 Kilometern. Mit einer früheren Anlage war sogar der Kontakt zur Internationalen Raumstation ISS möglich.

Die Relais-Station auf der Küssaburg dient heute oft als Verstärker. Aber es geht auch mit Heimfunkgeräten, die schon wenigen hundert Euro ordentliche Leistung mitbringen. Auch Handgeräte kommen bei vielen Funkern zum Einsatz. Mittlerweile gibt es sogar Smartphone-Apps, mit denen man – Lizenz vorausgesetzt – über verschiedene Relais-Stationen in die weite Welt hinausfunken kann.

Doch es geht auch selbst hinaus in die Welt, den Amateurfunk ist vielseitig: Regelmäßig nehmen Mitglieder des Lauchringer Vereins an Aktionen teil. Hierzu gehören das Funken von Berggipfeln und Veranstaltungen aus, das Funken bei Wanderungen oder Aktionen, bei denen mittels Peilfunk ein bestimmter Gegenstand gefunden werden muss. Hierzu gibt es sogar Meisterschaften.

Kontaktaufnahme auch im Katastrophenfall

Ein großer Vorteil der Funktechnik ist, dass sie im Bedarfsfall unabhängig von weiterer Infrastruktur funktioniert.

Besonders in Katastrophengebieten, wenn der Strom ausgefallen ist, sind es immer wieder Amateurfunker, die mittels Batteriebetrieb oder solarzellenbetriebenen Geräten Kontakt zur Außenwelt halten und gemeinsam mit Behörden Hilfe koordinieren.

Zu den Faktoren, die eine Verbindung beeinflussen können, gehören das Wetter, der Tag-Nacht-Wechsel sowie Sonnenflecken.

Die Technik ist mitunter kompliziert. Um funken zu dürfen, brauch man ein persönliches Rufzeichen und eine Lizenz. Diese erhältman mit bestandener Prüfung.
Die Technik ist mitunter kompliziert. Um funken zu dürfen, brauch man ein persönliches Rufzeichen und eine Lizenz. Diese erhältman mit bestandener Prüfung. | Bild: Peter Rosa

In Zeiten von Mobilfunk und Internet erscheint die Funk-Technik altmodisch. Ein treuer Stamm an Fans wie auch viele junge Funker beweisen aber, dass die Technik und ihre Möglichkeiten bis heute eine Faszination ausmachen und in vielen Bereichen sogar elementar sind. So zum Beispiel der Polizeifunk oder die Funkmelder der Feuerwehr. Nicht zuletzt funktionieren die meisten Autoradios bis heute über diese Technik, wenn auch mittlerweile digitalisiert über das sogenannte DAB+.

Das Vereinsheim der Lauchringer Amateurfunker befindet sich unter dem Dach des alten Feuerwehrgebäudes. Auf dem Dach ragt eine 3,6 Meter lange Antenne in die Höhe. Die Funkstrahlung ist in den verwendeten Frequenzbereichen ebenso unbedenklich, wie Radio. Jeden zweiten Freitag im Monat treffen sich Mitglieder hier, um die neu eingetroffenen QSL-Karten einzusehen, über die Technik zu quatschen und ab und zu auch mal den einen oder anderen Funkruf zu starten. Am anderen Ende kann sich der Nachbarort melden, aber auch die andere Seite der Weltkugel.