Das Wehrer Unternehmen Kownatzki Premium Gears (KPG) will nach Albbruck umsiedeln und dort expandieren. „Wir platzen aus allen Nähten“, erklärt Günter Ebi, Geschäftsführer und Inhaber von KPG. Schon seit einigen Monaten sei man auf der Suche nach einem größeren Fläche, in einem Gewerbegebiet in Albbruck sei man fündig geworden und habe sich um ein Grundstück beworben. Am Montag hat nun der dortige Gemeinderat seine einhellige Zustimmung gegeben. Auch wenn noch kein Vertrag unterschrieben ist und der Vorgang noch verschiedene Verwaltungen beschäftigen wird, ist der Abschied aus Wehr für Ebi besiegelte Sache. „Vor allem für den Generatoren-Service fehlt und der Platz. Aber auch die Fertigung der Zahnräder und Getriebe ist am Anschlag, so Ebi. KPG hat aktuell rund 80 Mitarbeiter, und ist damit einer der größten Wehrer mittelständischen Unternehmen. Die Öflinger Immobilie hat KPG gepachtet, nun sucht die Firma den Weg in mehr Unabhängigkeit in einem eigenen Gebäude.

Mit dem Einstieg von Günter Ebi bei dem früheren Wehrer Familienunternehmen im Jahr 2017 schuf sich die Firma ein neues Standbein: Der Service für Generatorenhersteller. Bis zu 50 Tonnen schwere Kraftwerksgeneratoren werden von KPG demontiert und generalüberholt. Gerade für diese über zehn Meter langen Generatorenteile fehlt in Öflingen der Platz – auch zum rangieren. „Wir haben uns teilweise externe Hallen angemietet, aber auf Dauer ist das auch keine vernünftige Lösung“, so Ebi. Eine Erweiterung des Öflinger Standorts sei nicht möglich und auch andere Grundstücke in Wehr seien leider nicht in Frage gekommen. „Bürgermeister Thater war sehr rege und hat uns mehrere Alternativvorschläge gemacht, aber wir haben gewisse Anforderungen“, berichtet Ebi, dazu zähle beispielsweise die Anfahrtsmöglichkeit für Schwertransporte, aber auch ein praktikabler Grundriss. „Ein Gebäude in L-Form ist für uns nicht geeignet.“ Ohne Kompromisse eingehen zu müssen, sei in Wehr nichts zu machen gewesen, meint Ebi.

Platznot: Bei KPG werden bis zu 50 Tonnen schwere und zehn Meter lange Teile von Kraftwerksgeneratoren demontiert und repariert.
Platznot: Bei KPG werden bis zu 50 Tonnen schwere und zehn Meter lange Teile von Kraftwerksgeneratoren demontiert und repariert. | Bild: Justus Obermeyer

Nach der Zusage aus Albbruck hofft Ebi nun auf eine Realisierung des Neubaus innerhalb von zwei bis drei Jahren. KPG wolle die aktuelle Corona-Phase nutzen, um sich neu aufzustellen. „Wenn die Wirtschaft wieder anzieht, wollen wir Gas geben können“, so Ebi.

Mit dem Bau von Zahnrädern und Getriebeteilen hat sich das Öflinger Unternehmen Kownatzki weltweit einen Namen gemacht.
Mit dem Bau von Zahnrädern und Getriebeteilen hat sich das Öflinger Unternehmen Kownatzki weltweit einen Namen gemacht. | Bild: Justus Obermeyer/Archivbild

Für Bürgermeister Michael Thater ist die Entscheidung zur Umsiedlung „ein schwerer Schlag, gar kein Frage“. Nach der Stilllegung der Textilveredelung Dreiländereck im vergangenen Jahr und dem angekündigten Aus der Firma Celanese, ist die Umsiedlung von KPG die dritte schlechte Nachricht aus der Wehrer Wirtschaft innerhalb weniger Jahre. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung wolle Celanese nun doch zumindest bis Jahresende weitermachen, teilte Thater in diesem Zusammenhang mit. Und auch bei KPG hat der Bürgermeister die Hoffnung, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

KPG

Kownatzki Premium Gears entstand 2016 aus dem Familienunternehmen Kownatzki, das Insolvenz anmelden musste. 2017 wurde Günter Ebi Mehrheitsgesellschafter bei KPG und brachte Know-How und Kontakte aus seinem früheren Unternehmen mit. Bis 2013 war er Geschäftsführer bei Sensoplan, das seit dem Jahr 1994 in Hohentengen Teile für Kraftwerksgeneratoren herstellte. 2010 wurde die Firma vom amerikanischen Großkonzern General Electric übernommen. Als GE einige Jahres später auch eine Sparte des Sensoplan-Konkurrenten Alstom übernahm, endete dies für die Hohentengener tragisch: GE wickelte den kleineren Generatorenhersteller trotz guter Geschäftszahlen ab.

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