In der Pinguinanlage im Zolli-Vivarium in Basel herrschen frostige 10 Grad. Echte Pinguin-Wohlfühltemperatur. Dort ist jetzt auch ein flauschiger junger Königspinguin zu sehen.

Der am 5. Juli geschlüpfte kleine Pinguin ist jetzt etwa halb so groß wie seine Mutter und hat einen beachtlichen Appetit.

Die Mutter sorgt sehr gut für ihr Junges und füttert es mit hervorgewürgtem Fischbrei.
Die Mutter sorgt sehr gut für ihr Junges und füttert es mit hervorgewürgtem Fischbrei. | Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Allerdings sorgte der Kleine in der Pinguin-Gruppe fast für zu viel Begeisterung, wie der Zoo in einer Mitteilung schreibt. Denn rund um den Nachwuchs war bei den Königspinguinen alles geboten, was es so geballt sonst nur aus Soaps im Fernsehen kennt: Leihmutterschaft, scheiternde Paar-Beziehung, Kindesentzug und Tagesmutter. Hier die Zusammenfassung der Ereignisse:

Der Ei-Diebstahl

Schon bevor er geschlüpft war, sorgte der kleine Pinguin für Gezänk in der Gruppe, als ein Weibchen der Mutter das Ei stahl. Glücklicherweise passte die „Leihmutter“ gut darauf auf.

Kurz vor dem erwarteten Schlupftermin forderte die echte Mutter das Ei resolut zurück. Mutter und Vater kümmerten sich in der Folge drei Wochen hervorragend um das Junge.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Ende des Familienfriedens

Der nächste Streit entbrannte, als ein weiteres Weibchen das Junge stahl und sich der Vater mit der Diebin davonmachte. Die folgenden Tage waren turbulent. Alle Beteiligten stritten sich und fügten sich die eine oder andere Blessur mit dem spitzen Schnabel zu.

Das Junge tat derweil das einzig Richtige: Ruhig versteckte es sich unter der Bauchfalte eines der Erwachsenen, bis die Zänkerei ein Ende hatte.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Die Trennung

Damit die Mutter zur Ruhe kommen konnte, wurde der abtrünnige Vater mit seiner neuen Partnerin und mit zwei friedlichen Tieren auf der zweigeteilten Anlage abgetrennt.

Unterstützung für die alleinerziehende Mama

Endlich kehrte Ruhe ein und das Junge wächst und gedeiht prächtig. Die alleinerziehende Mutter erhält sogar Unterstützung von der Leihmutter, die das Ei ausgebrütet hat.

Da diese keinen Versuch mehr macht, das Junge an sich zu bringen, toleriert die Mutter, dass diese das Junge ab und an füttert. Die Hilfe kommt ihr sicher zupass, da sie das Küken nun ohne den Vater aufziehen muss.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Wissenswertes über Königspinguine

Der kleine Königspinguin unterscheidet sich nicht nur aufgrund der Größe, sondern auch durch sein Daunenkleid von den Erwachsenen. Anfangs ähneln Pinguinküken eher dicken braunen Schneemännern. Das flaumige Gefieder eignet sich noch nicht zum Schwimmen. Erst nach der ersten Mauser gehen junge Pinguine zum ersten Mal ins Wasser.

Der Zoo Basel hält seit 1953 Königspinguine und züchtet sie. 70 Königspinguine sind bisher im Zoo Basel geschlüpft. Für eine erfolgreiche Zucht benötigen Königspinguine im europäischen Sommer eine gekühlte Anlage.

Erst bei Temperaturen unter 10 Grad fühlen sie sich wohl, denn sie sind für kalte Temperaturen ausgerüstet: Ein dicht anliegendes, festes Federkleid, eine dicke Unterhautfettschicht und eine isolierende Luftschicht zwischen Daunen und Haut halten sie schön warm. Auch Gesicht, Flügel und Beine sind so dicht befiedert, so dass der Vogel nur wenig Wärme verliert. Im Sommer bleiben die Esels- und Königspinguine im Zoo Basel deshalb im gekühlten Innengehege.

Der Königspinguin ist nach dem Kaiserpinguin die zweitgrößte Pinguinart. Sein Verbreitungsgebiet sind die antarktischen und subantarktischen Inseln. Der Bestand wird auf zwei Millionen erwachsene Vögel geschätzt.

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