Herr Stadelmann, die Stadtwerke Waldshut-Tiengen planen, auf dem Waldshuter Aarberg ein Glasfasernetz für schnelles Internet zu verlegen. Derzeit führen Sie eine Interessensabfrage bei Aarberg-Bewohnern durch. Wie steht es um die Nachfrage?

Die Vorabfrage läuft noch, besteht genügend Interesse, wird das Projekt sukzessive ab 2022 umgesetzt. Dafür benötigen wir aber bis zum 31. Juli 450 Vorverträge, damit sich der Ausbau auch für uns lohnt. Zur Zeit sind wir da leider noch im einstelligen Bereich, was meiner Ansicht nach an zwei Faktoren auszumachen ist. Zum einen gibt es Gerüchte, dass wir die Glasfaserkabel nicht bis zum Haus ziehen, was nicht stimmt, denn wir erschließen bis ins Haus, so dass einen hohe Internet-Geschwindigkeit möglich ist. Ein weiteres Hindernis ist, dass wir derzeit noch kein Internetfernsehen anbieten, also keine Streaming-Dienste. Wir haben nur Internet und Telefon, wollen aber Internet-TV mit in unsere Dienste aufnehmen. Wir gehen davon aus, dass wir diesen Dienst anbieten können, wenn wir mit dem Ausbau 2022 beginnen.

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Wieso ist es so schwierig, TV-Streaming anzubieten?

Das liegt daran, dass unser Dienstleister, mit dem wir auf der technischen Seite zusammenarbeiten, das nicht in unserem Vertrag hat. Ein weiterer Grund ist auch, dass wir als Stadtwerke mit dem Ziel gestartet sind, Internet und Telefon für Geschäftskunden anzubieten, und die brauchen in der Regel keinen Fernseher im Büro. Bei Privatkunden sieht das natürlich ganz anders aus. Und gerade der Waldshuter Aarberg besteht fast nur aus privaten Haushalten. Wir müssen da auf jeden Fall ran.

Jürgen Stadelmann arbeitet seit etwas mehr als drei Monaten als Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Waldshut-Tiengen. Derzeit betreut er den möglichen Breitbandausbau auf dem Aarberg in Waldshut. Im Interview spricht er über das Projekt. Bild: Stadtwerke Waldshut-Tiengen
Jürgen Stadelmann arbeitet seit etwas mehr als drei Monaten als Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Waldshut-Tiengen. Derzeit betreut er den möglichen Breitbandausbau auf dem Aarberg in Waldshut. Im Interview spricht er über das Projekt. Bild: Stadtwerke Waldshut-Tiengen | Bild: Stadtwerke Waldshut-Tiengen

Auf Facebook kursierten Gerüchte, dass kurz vor dem Start des Projektes der Stadtwerke das Internet auf dem Aarberg über mehrere Stunden komplett ausgefallen ist und die Stadtwerke dafür verantwortlich seien. Hatten die Stadtwerke da ihr Finger im Spiel?

Nein, wir haben nichts damit zu tun, das war einfach ein Zufall. Aber die Thematik, dass es da oben Unterbrechungen gibt, hat uns natürlich dazu gebracht, aktiv zu werden, auch wenn es nicht unser Hauptgrund war.

Welcher war dann der Hauptgrund?

Unser strategisches Ziel ist es, Glasfaser/Breitband in immer mehr Gebiete in Waldshut-Tiengen zu bringen. Bisher hatten wir es so gemacht, dass wir mit verlegt hatten. Das bedeutet, dass wir beispielsweise bei Tiefbauarbeiten oder beim Straßenbau auch gleich Glasfaser verlegt haben, quasi ein Mitnahmeeffekt. Auf dem Aarberg ist es anders, da wollen wir aktiv Breitband ausbauen. Der Aarberg bietet sich an, weil es ein geschlossenes Gebiet ist und es eine Glasfaser-Zuleitung bis nach Gurtweil gibt. Wenn einmal die Verkabelung da ist, ist Breitband ein Zukunftsmarkt. Und Corona hat gezeigt, wie wichtig auch privat ein schnelles und zuverlässiges Internet ist, Stichwort Homeschooling und Homeoffice. Und wer Fragen dazu hat, der kann sich gerne an uns wenden.

Unser Oberbürgermeister wohnt ja auch auf dem Aarberg. Hat er schon einen Vorvertrag abgeschlossen?

Er hat zumindest großes Interesse an der Thematik gehabt (lacht).

Sie sind seit drei Monaten bei den Stadtwerken, wo waren Sie vorher tätig?

Ich komme aus der Energiewirtschaft und habe in verschiedenen Unternehmen sowohl auf der Energieversorgerseite – Großindustrie Papier und Chemie, als auch auf der Absatzseite gearbeitet. Ich kenne also von beiden Seiten die Strom-, Gas- und Energiedienstleistungen sehr gut, auch ein wenig Elektromobilität und Glasfaser lerne ich gerade dazu.

Für welche Themenfelder sind Sie bei den Stadtwerken noch zuständig?

Elektromobilität, Glasfaser, gegebenenfalls Wärme und Strom natürlich.

Sie haben einen Zweitwohnsitz in Gurtweil. Können Sie sich vorstellen, komplett nach Waldshut-Tiengen zu ziehen?

Ob Erstwohnsitz weiß ich noch nicht, aber falls es eine tolle Immobilie gibt, dann ja. Aber ich bin sehr bergaffin, deshalb wohne ich im Oberallgäu. Da sind die Wege zu den Bergen etwas näher als hier (lacht).

Haben Sie eigentlich gutes Internet in Gurtweil?

Ich kann mich nicht beklagen.

Haben Sie die Gegend schon ein wenig kennengelernt?

Ein bisschen. Ich habe mal für die Papierfabrik Albbruck gearbeitet und war da für die Energie-Themen zuständig. Da war ich dann schon ein paar Mal in Waldshut und Tiengen.

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