Charlotte Fröse

Viel zu viele noch gut zu verbrauchende Lebensmittel landen täglich im Müll. In Deutschland sind das pro Person und Jahr an die 80 Kilogramm, wie das Johann Heinrich vom Thünen-Institut festgestellt hat. Zu viel, wie Foodsharing, eine Initiative zur Rettung von Lebensmitteln, findet. Langfristiges Ziel ist es, die Wegwerfkultur von Lebensmitteln und anderen Ressourcen zu vermindern.

Die Initiative rettet Lebensmittel von privaten Haushalten sowie von Betrieben. Auch im Landkreis Waldshut existiert bereits eine Foodsharing-Gruppe. Jetzt haben sich auch im westlichen Kreisgebiet um Rickenbach Menschen gefunden, die es sich ebenfalls zur Aufgabe gemacht haben, Lebensmittel vor der Tonne zu retten.

Der Fairteiler im Schlosspark Bad Säckingen
Der Fairteiler im Schlosspark Bad Säckingen | Bild: Verena Wehrle

Laura Mertz aus Rickenbach ist eine aktive Foodsaverin, sie verfolgt die Bewegung schon seit einigen Jahren und seit rund einem Jahr ist sie auf den Zug aufgesprungen. Seither rettet und teilt sie Lebensmittel, die sonst in der Mülltonne landen würden. Zwischenzeitlich hat sie schon einige Mitstreiter um sich gesammelt, wie sie berichtet.

Im ehrenamtlichen Engagement werden übrig gebliebene Lebensmittel, die zwar noch genießbar, aber nicht mehr verkäuflich sind oder an Tafelläden abgegeben werden können, hauptsächlich beim Schmidts Markt in Rickenbach abgeholt. Aber auch Obst und Gemüse aus dem Garten, zu viel gekaufte Nudeln oder nicht mehr benötigte Konserven können einer weiteren Verwendung zugeführt werden.

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Was und wieviel abgeholt wird, ist sehr unterschiedlich. Aber mitgenommen wird alles, was aussortiert und übrig ist. Wenn es dabei beispielsweise zwei volle Kisten überreife Bananen sind, dann ist bei den Abnehmern schon Kreativität gefragt, wie die Lebensmittel verwendet werden können, erzählt Laura Mertz.

Lebensmittel zum raschen Verbrauch

Über die Organisations- und Austauschplattform foodsharing.de erfahren eingetragene Mitstreiter, ob im privaten Wintergarten von Laura Mertz Lebensmittel zum Abholen oder Tauschen vorhanden sind. Ein zusätzliches Schild an der Straße signalisiert ebenfalls, dass Lebensmittel zum raschen Verbrauchen eingetroffen sind.

„Jeder kann Lebensmittel bringen, oder Lebensmittel entnehmen“, betont Laura Mertz. Das Angebot werde sehr gut angenommen, berichtet sie, obwohl die Hemmschwelle bei vielen Menschen doch noch sehr hoch sei, sich einfach so zu bedienen.

Noch besser funktionieren würde die Lebensmittel-Tausch-Börse, wenn es in Rickenbach einen öffentlichen, idealerweise vom Wetter geschützten, mit einem Stromanschluss versehenen und jederzeit zugänglichen, Verteilerplatz geben würde, betont Laura Mertz. Die Fühler in Richtung Gemeinde wurden diesbezüglich bereits ausgestreckt, jedoch bisher ohne Erfolg.

Fairteiler auch in Bad Säckingen

Isabelle Mainka, sie ist eine von drei Botschafterinnen der Landkreis-Gruppe, berichtet, dass es bereits in Bad Säckingen und auch in Dogern öffentlich und jederzeit zugängliche so genannte Fair-Teiler gibt. Ehrenamtliche füllen die Regale sowie Kühlschränke und überprüfen täglich die vorhandenen Lebensmittel. Zu finden ist der Fair-Teiler zum Beispiel im Bad Säckinger Schlosspark.

Der Fairteiler im Schlosspark Bad Säckingen
Der Fairteiler im Schlosspark Bad Säckingen | Bild: Verena Wehrle

„Letzte Bastion vor der Mülltonne“

Isabelle Mainka ist es wichtig zu erwähnen, dass die Gruppe nicht in Konkurrenz zu anderen Initiativen steht, die sich gegen Essensverschwendung einsetzen. Allen mildtätigen Organisationen wie den Tafelläden wird bewusst der Vortritt gegeben, um gerettete Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen.

„Foodsharing ist die letzte Bastion vor der Mülltonne“, definiert sie. Und die Aktion ist und bleibt kostenlos. Neben dem aktiven Lebensmittelretten verstehen sich Foodsaver auch als eine bildungspolitische Bewegung, die sich den nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen der Vereinten Nationen verpflichtet fühlt.

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