Das Kreisforstamt hat eine Polizeiverordnung erlassen, die am 12. August 2020 für die Dauer eines Monats in Kraft getreten ist. Der Inhalt: Ein absolutes Feuerverbot im Wald und seiner Nähe. Der Grund: Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre und die in deren Folge absterbenden Fichtenwälder ist die Feuergefahr massiv gestiegen. Was man bislang allenfalls aus mediterranen Ländern oder den Sandböden Ostdeutschland kennen würde, sei inzwischen auch für den Südschwarzwald und den Hochrhein ein realistisches Szenario: Großflächige Waldbrände in unserer waldreichen Region.

Gefahrenstufe 4

Denn die Waldbrandgefahr ist hoch, wie Kreisbrandmeister Dominik Rotzinger erklärt und auf den Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes verweist: „Die Waldbrandgefahr war dieses Jahr schon auf der höchsten Stufe 5 von 5, was eine sehr hohe Gefahr bedeutet.“ Momentan liege die Gefahr im Landkreis Waldshut auf der Stufe 4.

Die Lage im Wald spitzt sich zu

In den vergangenen Jahren habe sich die Situation in den Wäldern im Landkreis Waldshut verändert, denn bislang war unsere Region laut Rotzinger nie eine „klassische“ Waldbrandregion. Es habe zwar immer wieder kleinere Vegetationsbrände gegeben, doch richtige Großbrände seien kein Problem gewesen, so der Kreisbrandmeister.

Tom Drabinski, Leiter des Kreisforstamts Waldshut
Tom Drabinski, Leiter des Kreisforstamts Waldshut | Bild: Landratsamt Waldshut

Tom Drabinski, Leiter des Kreisforstamts, verweist auf Veränderungen des Klimas und erklärt: „Wir haben seit 2018 eine anhaltende Trockenheit, damit verbundene geringe Niederschläge und lange zeitweise extrem hohe Hitzeperioden, die den Boden und das gesamte Auflagematerial (Reisig) durchtrocknen.“

Zudem sei insbesondere die Fichte durch das Klima stark geschwächt worden und vielfach bereits abgestorben. Eine gefährliche Kombination: „Wir haben also nicht nur das Gefahrenpotential am Boden, sondern auch noch stehendes Holz, das die Brandlast im Wald stark erhöht.“ Und das praktisch flächendeckend. Daher habe das Kreisforstamt die Brandgefahr neu bewerten müssen.

Die Verordnung: Was müssen Waldbesucher wissen?

1. Nicht Grillen

Dominik Rotzinger erläutert: „In Anbetracht der hohen Waldbrandgefahr, so leid es mir tut, muss auf das Grillfeuer im Wald, auch an den ausgewiesenen, öffentlichen Grillplätzen, und in der Nähe des Waldes verzichtet werden“, sagt der Kreisbrandmeister. Waldbesucher sollten lieber auf „Nummer sicher“ gehen und im eigenen Garten weit weg vom Wald an einer sicheren Feuerstelle grillen.

2. Nicht rauchen

Auch das Rauchverbot im Wald muss eingehalten werden.

3. Keine Waldarbeiterfeuer

Der Großteil der Waldbrände im Landkreis Waldshut entstünden durch außer Kontrolle geratene so genannte Waldarbeiterfeuer. „Oft – vielfach gut gemeint – verbrennen Waldbesitzer Reisig und Äste. Während der Arbeit teilweise sogar bewacht, aber mit dem Feierabend verlassen viele das Feuer, welches dann später außer Kontrolle geraten kann“, erklärt Dominik Rotzinger. Ebenso unterschätzen viele die Dynamik eines großen Reisigfeuers, wenn der Wind ungünstig dreht, kann ein Waldarbeiter nichts mehr ausrichten, es kommt zum Waldbrand.

Wie ist die Feuerwehr vorbereitet?

Die hohe Waldbrandgefahr stelle die Feuerwehren vor große Herausforderungen, wie Kreisbrandmeister Rotzinger ausführt: Vor allem in den Abendstunden neu entfachte Waldarbeiterfeuer seien riskant. Die Feuerwehr müsse dann häufig in der Dunkelheit einschreiten und Dunkelheit berge für die Einsatzkräfte neben dem Feuer „eine zusätzliche nicht unerhebliche Gefahr für die Feuerwehr„, wie der Kreisbrandmeister erklärt.

Dominik Rotzinger, Kreisbrandmeister Kreis Waldshut
Dominik Rotzinger, Kreisbrandmeister Kreis Waldshut | Bild: Landratsamt Waldshut

„Wenn Waldbrände nun eine größere Dimension annehmen sollten, ist dies sicher erst mal ein neuer Eindruck für die Einsatzkräfte. Das tägliche Geschäft der Feuerwehren ist es aber, sich spontan auf die an der Einsatzstelle vorgefundene Lage einzustellen und die Einsätze nach den erlernten Handlungsschemata abzuarbeiten“, sagt Dominik Rotzinger.

Für die spezielle Einsatztaktik bei Großbränden seien in naher Zukunft zudem Schulungen mit internationalen Experten geplant. Solche Lerneinheiten seien bereits im Frühjahr geplant gewesen, mussten wegen Corona aber abgesagt werden.

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