Bei einem gemeinsamen Frühstück am Samstag im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wutöschingen konnten Bewohner und Personal mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ins Gespräch kommen. Der SPD-Politiker war auf Initiative seiner Lauchringer Parteifreundin und SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter in den Landkreis Waldshut gekommen.

Die Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen standen dabei im Vordergrund. Es müsse mehr Anerkennung und Wertschätzung für die Arbeit am Menschen geben, so die einhellige Meinung der Teilnehmer.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter und Wutöschingens Bürgermeister Georg Eble.
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Rita Schwarzelühr-Sutter und Wutöschingens Bürgermeister Georg Eble. | Bild: Johannes Renner

Hubertus Heil ist sicher, dass Applaudieren allein nicht reiche, sondern, dass „spürbare Verbesserungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen“ geschaffen werden müssen, um das Berufsbild der Pflege attraktiver zu machen. „Ich habe selbst erlebt, was es bedeutet, wenn Angehörige pflegebedürftig werden“, machte Heil deutlich.

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Umso wichtiger sei es, dass man Personal, Patienten und Angehörige nicht gegeneinander ausspiele. Mit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz habe man hier ein wichtiges Ziel erreicht. So wird das Jahreseinkommen von Kindern pflegebedürftiger Menschen bis zu einem Betrag von 100.000 Euro jährlich nicht mit Leistungen der Hilfe zur Pflege verrechnet.

„Diejenigen, die Arbeit am Menschen leisten, sind Leistungsträger unserer Gesellschaft, nicht diejenigen mit Schlips und Kragen.“
Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister (SPD)

Für Arbeitnehmer müsse es mehr Respekt geben. Corona, so der Minister, habe gezeigt, welche Berufe wirklich systemrelevant seien. Das seien Arbeiter im Lager, Supermarktkassierer und eben auch Pflegekräfte. Deren Arbeitsbedingungen zu verbessern, liege ihm persönlich am Herzen, sagte Heil bei dem Frühstück in Wutöschingen. Berufe in Bildung, Gesundheit und Pflege würden laut Heil in Deutschland nicht ausreichend respektiert.

Der Minister hat an der Konzentrierten Aktion Pflege (KAP) gemeinsam mit Jens Spahn (CDU) und Franziska Giffey (SPD) mitgearbeitet. Dabei wurde ein Mindestlohn für die Pflegebranche vereinbart, wobei Heil betonte, dass „ein anständiger Tarifvertrag“ her müsse. Ein Gesetz, das einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag für die Branche ermöglicht, sei am Einfluss von Lobbyisten privater Anbieter und Konzerne gescheitert.

Vier Fragen an Hubertus Heil und Rita-Schwarzelühr-Sutter über den Fachkräftemangel in der Pflege

Pflege sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die alle etwas angehe, so Heil. Eine anwesende Krankenschwester warf ein, dass es auch darum gehen müsse, das helfende Motiv für die Berufswahl wieder stärker zu machen. Es sei ein schöner Beruf und es tue gut zu helfen, sagte sie.

Andere Stimmen kritisierten, dass die Belastungen in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen seien, es sich nicht mehr lohne zu sparen und es mehr und mehr Sozialfälle in den Einrichtungen gebe – trotz lebenslanger Arbeit. Die bisherigen Bemühungen seien nicht genug, räumte der Bundesminister ein.

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„Langfristig muss die Pflegeversicherung eine Bürgerversicherung werden, in die alle einzahlen“, erklärte Hubertus Heil. In einem Mix aus Beitrags- und Steuerpolitik liege laut Arbeitsminister der Schlüssel für nachhaltige Verbesserungen.

Die Arbeitswelt als Ganzes stehe vor Wandlungsprozessen, machte der Minister in Wutöschingen deutlich. Die Digitalisierung habe den Trend zum Arbeiten von zu Hause begründet und beschleunigt. Arbeiten von zu Hause aus geht für Pfleger in der Regel nicht.

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Der Beruf leidet unter einem Nachwuchsmangel. Der Fachkräftemangel sei auch im Kreis Waldshut ein großes Problem, machten die Anwesenden deutlich. Erschwert werde die Situation durch die direkte Konkurrenz aus der Schweiz. „Die werben uns mit höheren Gehältern die Fachkräfte ab“, sagte Rita Schwarzelühr-Sutter.

Hubertus Heil gab auch zu bedenken, dass öffentlich „heftiger“ um die Themen Pflege und Arbeit der Zukunft gestritten werden müsse. „Fehlende Fußnoten in einem Buch von Frau Baerbock oder Herr Laschet sind nicht wichtig für die Zukunft dieses Landes. Die Würde und Zukunft von Arbeit hingegen schon.“