Schimpansen-Weibchen Kitoko bemuttert im Moment zwei Jungtiere gleichzeitig. Hochträchtig adoptierte sie kurzerhand das Junge ihrer Schwester Fifi, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht um ihr Neugeborenes kümmern konnte. Eine ganz besondere Geschichte, über deren Hintergründe der Zoo Basel jetzt informiert.

Was war geschehen?

Am 26. Juni brachte das 28-jährige Schimpansen-Weibchen Fifi ein gesundes Weibchen zur Welt. Alles schien gut zu laufen, außer dass Fifi das Junge ungewöhnlich früh an andere Gruppenmitglieder abgab. Fifi säugte ihr Neugeborenes aber immer noch regelmäßig, so die Beobachtung.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Nach etwa zwei Wochen wurde Fifi schwach und begann, mit den Hinterbeinen zu lahmen. „Obwohl sich die Tierärzte intensiv um sie kümmerten, verbesserte sich ihr Zustand nicht. Auch fanden die Tierärzte keine Ursache für deren Symptome.“

Kitoko übernimmt die Mutterrolle

Ende Juli beobachteten die Tierpfleger, dass Kitoko – Fifis Schwester – das Neugeborene mehrheitlich bei sich hatte und es auch zu säugen begann.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Wenige Tage später gebar Kitoko selber ein kleines Männchen, welches sie anfangs aber zu ignorieren schien. In der Folge drängten Vater Kume (18) und andere Gruppenmitglieder darauf, dass Kitoko ihr Junges zu sich nahm. Seither kümmert sich die erfahrene Mutter Kitoko um beide Jungtiere.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Den beiden Kleinen geht es gut und sie entwickeln sich normal.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Das weibliche Junge heißt Sangala, das männliche Junge von Kitoko erhielt den Namen Sabaki.

Adoptionen in der Natur

Bei Schimpansen komme es auch in der Natur gelegentlich zu Adoptionen von Jungtieren, erläutern die Experten des Zoos. Dies liege daran, dass Schimpansen-Jungtiere relativ lange, nämlich die ersten sechs Lebensjahre, auf ihre Mutter angewiesen sind. „Wenn diese vorher stirbt, sinken die Überlebenschancen des Nachwuchses in der Wildbahn erheblich – doch bei Adoptionen der verwaisten Jungtiere durch andere Gruppenmitglieder bleiben die Überlebenschancen hoch.“

Die Adoption in Basel ist trotzdem etwas Besonderes, denn in der Natur sind die verwaisten Jungen zum Zeitpunkt ihrer Adoption in der Regel schon älter: „Nur in zwei bekannten Fällen waren die adoptierten Jungtiere jünger als zwei Jahre. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen auch, dass unter wildlebenden Schimpansen die Chance auf Adoption unter verwandten Tieren größer ist und vor allem die Adoptionen durch Schwestern der verstorbenen Mutter erfolgreich sind.“

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

Dennoch ist Kitokos Adoption der neugeborenen Sangala wohl nur den Umständen im Zoo zu verdanken.

Bild: Zoo Basel (Torben Weber)

„In der Natur hätte sich die sterbende Mutter von der Gruppe entfernt und hätte ihr Junges mitgenommen. Die vorhandenen Ressourcen und die Gruppendynamik im Zolli erlaubten es Kitoko, das Junge ihrer Schwester zu übernehmen. Da Kitoko zur selben Zeit Nachwuchs erwartete, war sie bereit, sich um Sangala zu kümmern“, heißt es in der Mitteilung.

Wie geht es Fifi mittlerweile?

Auch nach weiteren medizinischen Untersuchungen – laut Zoo-Angaben sogar mit Hilfe von Gynäkologen und Kardiologen der Humanmedizin – habe bisher noch keine Diagnose für Fifi gestellt werden können. Die Schimpansen Mama ist aber auf dem Weg der Besserung: „Dank der medizinischen Betreuung geht es ihr bis auf die Lähmung der Hinterbeine wieder besser. Das Tierärzte-Team arbeitet weiterhin am Fall.“

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