Immer wieder tauchen vermehrt auch in unserer Gegend Betrüger auf und ziehen ihren Mitmenschen mit hinterhältigen Tricks das Geld aus der Tasche. Erst letzte Woche machten erneut Benzinbettler im östlichen Zipfel des Landkreises Waldshut Schlagzeilen.

Nach diesen jüngsten Fällen in Lottstetten und Küssaberg beschreibt uns Polizeisprecher Mathias Albicker die fünf miesesten Maschen der Trickbetrüger. Das Perfide dabei: Die Gauner machen sich die Hilfsbereitschaft anderer Menschen zu nutze und nehmen sie aus. Doch die Polizei ist an ihnen dran.

Erst im Februar schnappte die Polizei in der Region zwei Betrüger, noch bevor sie einen 77-Jährigen ausnehmen konnten.

"Misstrauisch sein und im Zweifel die Polizei verständigen" – Hauptkommissar Mathias Albicker, Polizeipressesprecher für den Landkreis Waldshut.
"Misstrauisch sein und im Zweifel die Polizei verständigen" – Hauptkommissar Mathias Albicker, Polizeipressesprecher für den Landkreis Waldshut. | Bild: Reinhardt, Lukas

Es kommt immer wieder auch am Hochrhein zu solchen Betrugsvorfällen, bestätigt uns Polizeisprecher Albicker. Denn die Betrüger sind mittlerweile von den anonymen Großstädten auch aufs Land ausgewichen. Und immer wieder kommt es auch zu Verhaftungen. So wie eben im Februar.

Der Polizeisprecher stellt jedoch fest, dass die Bevölkerung mittlerweile wachsamer geworden ist und mehr sensibilisiert. Dennoch gibt es kein Grund zur Entwarnung. Misstrauen bei solchen Fälle, wie wir sie hier jetzt beschreiben, sei auf jeden Fall angebracht, so Hauptkommissar Albicker.

So wollen Benzinbettler Geld ergaunern

Wie auch in den beiden Fällen letzte Woche stehen die Betrüger am Straßenrand und versuchen mit Handzeichen andere Autofahrer zum Anhalten zu bewegen. Dann geben sie eine Notlage vor und bitten den arglosen Autofahrer um Geld, berichtet Polizeisprecher Albicker: „Es sind meist nur zweistellige Beträge, 50 Euro, selten auch mal 100 Euro.“

Allerdings stehen die Betrüger mit ihrem Auto nicht lange an einem Ort, weiß Albicker. Auch letzte Woche in Lottstetten war der vermeintlich benzinlose rote Golf – ohne zu tanken – nach kurzer Zeit wieder weg. Der Polizeisprecher rät: „Kein Geld geben, weiterfahren und gleich die Polizei verständigen.“

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Der Enkeltrick – eine niederträchtige Masche, alte Menschen zu betrügen

Eine ebenso niederträchtige Masche ist der Betrug an Seniorinnen und Senioren. Die Geschichte fängt meist so an: „Rate mal, wer hier spricht?", sagte jemand am Telefon. Mit solchen Formulierungen brechen Betrüger oft das Eis bei älteren und alleinlebenden Menschen. Sie geben sich als Enkel oder naher Verwandter aus und schildern eine schlimme Notlage, ein Unfall oder Ähnliches, beschreibt Mathias Albicker.

Natürlich geben sie gleichzeitig einen finanziellen Engpass vor. Oma soll also möglichst schnell, möglichst tief in die Tasche und damit dem vermeintlichen Enkel und die Arme greifen. Erneut also eine Masche, bei der diese Betrüger die Hilfsbereitschaft anderer Menschen ausnutzen. Albicker rät Betroffenen, bei den Anrufern Dinge abzufragen, die nur richtige Verwandte und Bekannte kennen können, nie Geld oder Wertsachen zu übergeben und die Polizei zu informieren.

Der Enkeltrick ist besonders niederträchtig: Hier werden alte, hilfsbereite Menschen abgezockt.
Der Enkeltrick ist besonders niederträchtig: Hier werden alte, hilfsbereite Menschen abgezockt. | Bild: Stefan Gruber

Einen konkreten Enkeltrick-Fall gab es übrigens gerade eben Anfang März am Hochrhein. Im Landkreis Lörrach bracht ein vermeintlicher Enkel eine alte Frau aus Kandern dazu, ihm Wertsache und Bargeld zu übergeben. Misstrauisch wurde die Dame erst einige Tage später. Doch da war der Betrüger über alle Berge.

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Betrüger grasen bestimmte Einsatzgebiete regelrecht ab

Gerade der Enkeltrick, aber auch die Masche mit dem falschen Polizeibeamten tauchen in einer Region meist gehäuft auf, weiß der Hauptkommissar. Denn bei beiden Vorgehensweisen brauchen die Betrüger vor Ort Komplizen, die dann bei den Opfern Geld und Wertsachen abholen.

„Deshalb werden gewisse Regionen systematisch abtelefoniert“, so Albicker, um danach in eine andere Gegend zu wechseln. So tauchten Enkeltrick und falsche Polizeibeamten in Wellen immer mal wieder auf.

Im Zweifel einfach die Tür zumachen: So auch bei Polizeibeamten, wenn sie Zweifel an deren Echtheit haben.
Im Zweifel einfach die Tür zumachen: So auch bei Polizeibeamten, wenn sie Zweifel an deren Echtheit haben. | Bild: Mascha Brichta

Falscher Polizist will an Ihr Geld

Falscher Polizeibeamter: Ganz besonders dreiste Maschen haben die falschen Polizeibeamten drauf. Ganz heftig wird es nämlich, wenn die Betrüger in Polizeiuniform und gefälschtem Dienstausweis vor der Tür stehen und sich Zutritt verschaffen wollen. Denn kaum einer wird eine gut gefälschte Uniform und einen Dienstausweis von einem echten unterscheiden können.

Was also tun in einem solchen Fall? Hauptkommissar Albicker rät hier, beim geringsten Zweifel die Dienststelle der angeblichen Amtspersonen anzurufen. Wichtig: Sich die Telefonnummern nicht von diesen geben lassen, sondern sie selber raussuchen. Und die angeblichen Polizisten bis zur Abklärung vor der Haustür warten lassen.

Seit Anfang des Jahres sind solche falschen Polizeibeamten in der Gegend unterwegs. Im Januar kam es im Landkreis Lörrach zu mehreren Fällen. Ein Beispiel: Ein angeblicher Polizist warnte sein Opfer vor angeblich korrupten Angestellten in seiner Ortsbank. Deshalb solle der Geschädigte sein Geld von der Bank abheben. Es handle sich außerdem um Falschgeld.

Man werde jemand vorbeischicken, der es abholt und sicherstellt. Polizeisprecher Mathias Albicker dazu: "Die Polizei wird nie so vorgehen und verlangen, dass jemand Geld abhebt, um es der Polizei zur Sicherstellung zu übergeben." Deshalb: Hier wir in allen anderen Fällen, gleich die Behörden verständigen.

Gewinnversprechen – bitte misstrauen, wenn Sie angeblich horrende Summen gewonnen haben

Ganz viel Misstrauen ist angesagt, wenn jemand einen fetten Gewinn verspricht, sagt die Polizei. Denn wer freut sich nicht über eine solche Nachricht per Telefon, Email oder per Post: "Sie haben gewonnen". Aber Obacht: Meist wird vor Auszahlung des Gewinns die Einzahlung einer Gebühr verlangt – so wie in ähnlichen Fällen in der Region.

In Wehr wollte ein solcher Telefonbetrüger zwei Senioren hinters Licht führen. Man stellte ihnen einen Gewinn in Aussicht, wenn sie eine Gebühr von 700 Euro überwiesen. Doch die pfiffigen Senioren alarmierten stattdessen die Polizei. Kurze Zeit danach versuchten es die Gauner weniger Kilometer weiter in Zell im Wiesental.

Für die Auszahlung eines Gewinns von 49.000 Euro sollte der dort angerufene alte Herr vorher 1800 Euro entrichten. Auch er wurde misstrauisch und verständigte die Polizei.

Man sieht, die Maschen der Betrüger klappen nicht immer. Je aufgeklärter die Bürger sind, desto schwieriger wird es für sie. Deshalb informiert das SÜDKURIER-Medienhaus als lokales Medium gemeinsam mit der Polizei immer wieder regelmäßig über solche Machenschaften der Betrüger.

Betrugsmasche am Telefon: Ein Gauner gibt sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und verlangt Zugang zu Ihrem angeblich virenverseuchten Rechner. Gleich die Polizei informieren.
Betrugsmasche am Telefon: Ein Gauner gibt sich als Microsoft-Mitarbeiter aus und verlangt Zugang zu Ihrem angeblich virenverseuchten Rechner. Gleich die Polizei informieren. | Bild: Elnur Amikishiyev

Wenn der falsche Microsoft-Mitarbeiter auf Ihren PC will

Stellen Sie sich vor, ein Mitarbeiter des Weltkonzerns Microsoft ruft bei Ihnen an, er spricht nur ein bisschen gebrochen Deutsch. Er behauptet Ihr Rechner wurde gehackt, sei nun von Viren befallen und brauche ein neues Sicherheitszertifikat. Klingt alles ganz toll. Dann verlangen die falschen Microsoft-Mitarbeiter Zugang zum Rechner.

Was dann passiert, zeigen mehrere Fälle aus der Region. Ein 60-Jähriger aus Bad Krozingen ermöglichte dem Anrufer einen Fernzugriff auf seinen Rechner, der spähte dessen Kontodaten aus und überwies sich in zwölf Buchungen knapp 1000 Euro. In einem anderen Fall im Kreis Lörrach schloss der Geschädigte einen gefakten Wartungsvertrag ab und überwies 250 Euro.

Die dritte Variante, die Hauptkommissar Albicker beschreibt: Wenn der falsche Microsoft-Mitarbeiter Zugang zum Rechner des Opfers hat, sperrt er ihn manchmal auch. Erst nach Zahlung eines Geldbetrages wird er wieder freigeschaltet. Quasi mein PC in Geiselhaft.

Verhaftungen und Prävention

Auch wenn die Gauner sehr flexibel und nie lange an einem Ort sind, gelingen den Beamten immer wieder Festnahmen. Im Februar machten sie zwei mutmaßliche Enkeltrick-Betrüger in Freiburg dingfest, die wahrscheinlich in der ganzen Region unterwegs waren. Letztes Jahr schnappte die Polizei einen mutmaßlichen Betrüger in Hilzingen im Hegau, der ähnliche Maschen wie den Enkeltrick angewandt haben soll. Vor zwei Jahren gingen falsche Polizeibeamte am Oberrhein in Bad Krozingen ins Netz.

Wichtigstes Instrument gegen Betrug bleibt jedoch die Prävention. Die Polizei ist hier vorbeugend tätig und klärt auf – unter anderem durch die Mithilfe der lokalen Medien oder beispielsweise durch die Sicherheitskooperation mit der Caritas Hochrhein. Mitarbeiter dieses sozialen Dienstes, die häufig Kontakt zu älteren Menschen haben, überreichen dort den Info-Flyer der Polizei zu diesem Thema, helfen bei der Informationsübermittlung und Erklärung.