Herr Karle, wo sind Sie überall im Einsatz?

Man kann mich oder mich mit meiner Band Da Capo grundsätzlich für alles buchen, was mit Musik zu tun hat: Hochzeiten, Geburtstage, Firmenfeiern, Modeshows, Tanzabende, Karaoke-Abende, Fasnachtsveranstaltungen, auch für große Events, weil ich technisch gut ausgerüstet bin. Ich versuche immer, meinen Teil dazu beizutragen, dass es eine gute Veranstaltung wird. Es ist wichtig, auf die Leute einzugehen und zu spüren, welche Lieder passen. Ganz schlimm finde ich es, wenn Musiker zu laut und am Geschmack der Gäste vorbei spielen.

Was heißt das zum Beispiel für die Kappenabende bei der Narro-Zunft und wie lange spielen Sie schon dort?

Beim Kappenabend gehe ich anfangs auf ein gemischtes Publikum mit vielen älteren Gästen ein. Später dann sind es mehr Jüngere und die wollen natürlich Party machen. Dazu gekommen bin ich 2012 durch Zufall. Ich begleitete eine musikalische Einlage der 6 am Hochrhy und danach hat man mich gefragt, ob ich nicht gleich Musik für den ganzen Abend machen will und dabei ist es geblieben. Ich fühle mich wohl bei den Kappenabenden, die Waldshuter Narren sind wie eine große Familie, der Zusammenhalt ist groß.

Was sind denn an der diesjährigen Fasnacht die Renner bei den Liedern?

Es gibt die Klassiker, die jedes Jahr gespielt werden, wie das „Flieger- und Lasso-Lied“ oder „Die Hände zum Himmel“. Neue Renner dieses Jahr sind „Cordula Grün“ und „Bella Ciao“. Ansonsten sind es die ganz normalen Schlager- und Pop-Hits von früher und heute.

Wie viele Lieder haben Sie insgesamt im Repertoire?

Ich spiele und singe über 1000 Lieder und es kommen immer wieder neue hinzu. Alle im Kopf haben kann man nicht, aber wenn nötig, kann ich die Texte oder auch die Noten auf dem Monitor meines Keyboards anzeigen.

Wie funktioniert eigentlich ein Keyboard?

Ein Keyboard ersetzt im Grunde ein komplettes Orchester oder eine kom-plette Band und ich steuere dies. Links spielt die Band und rechts spiele ich die Melodie als Keyboarder oder wenn ich beispielsweise eine Gitarre einstelle, als Gitarrist. Das braucht Erfahrung und handwerkliches Können. Als Ritual trinke ich vor jedem Auftritt ein Glas Sekt, dann lege ich los.

Ist es auch anstrengend?

Man muss schon fit sein. Beim Kappenabend spiele und singe ich zum Beispiel nach dem Programm bis zu eineinhalb Stunden am Stück und stehe dabei immer, das ist besser für meinen Rücken und auch besser fürs Singen. Das ist schon anstrengend. Aber es macht mir einfach Spaß und ich denke, den muss man auch haben, wenn der Funke aufs Publikum überspringen soll.

Erinnern Sie sich spontan an besondere Auftritte?

Ja, unvergessen ist mir eine Hochzeit, auf der Max Mutzke gesungen hat und ein Sportlerball, bei dem Rocco Costa mit seiner tollen klassischen Stimme „Nessun Dorma“ gesungen hat. Beide habe ich dabei auf dem Keyboard begleitet, das waren ganz tolle Momente. Nie vergessen werde ich auch eine große Hochzeit in einer Basler Kirche, bei der Roger Federer unter den Gästen war. Ich war davon ausgegangen, „meine“ Sängerin Josephine Pee auf dem Keyboard bei einem Lied zu begleiten. Dann drückte mir der Pfarrer aber ein Buch für eine ganze Messe in die Hand, die ich auf der Orgel spielen sollte. Meine Sängerin hatte vergessen, mir dies zu sagen. Ich kannte die Orgel nicht, aber ich kann Noten lesen und deshalb ging es irgendwie. Heute kann ich darüber lachen, aber damals war es für mich ein Tanz auf dem Vulkan und alles andere als witzig.

Wie steht es mit dem Geld, kann man als Solokünstler reich werden?

Ich mache es ja nur als Hobby, im Schnitt habe ich so zwei Auftritte im Monat, meistens am Wochenende. Mein Broterwerb ist die Musikschule. Ich bin wie alle professionell arbeitenden Solokünstler nicht ganz günstig. Abzüglich vieler Ausgaben, bleibt dennoch unter dem Strich kaum was übrig. Ich investiere viel in mein Equipment und gebe auch für Kleidung einiges aus. Passend zu den Liedern, die ich spiele, wechsle ich sie sogar während eines Auftritts mehrmals. Auch die Vorbereitungszeit muss man bei meiner Gage sehen. Bei Erstkunden schaue ich mir vor dem Auftritt die Location an. Bei Hochzeiten spreche ich vorher mit dem Paar, damit ich weiß, worauf sie Wert legen. Inklusive Vorbereiten, Aufladen und Fahrt ist bei einem einzigen Auftritt schnell ein ganzer Tag vorbei.

Haben Sie noch einen unerfüllten Traum?

Ich würde gern mal eine CD mit meinen eigenen Liedern aufnehmen. Aber ansonsten bin ich glücklich mit meinem Hobby. Es ist ein toller Ausgleich zu meinem Berufsleben. Ich kann ganz verschiedene Musikrichtungen spielen, vom Walzer bis zum Fasnachtslied, von der dezenten Hintergrundmusik bis zum Partyknaller. Und ich lerne immer wieder interessante Leute kennen. Wenn ich nach einem Auftritt im Auto sitze, bin ich ausgeglichen und fühle mich gut. Musik ist einfach meine große Leidenschaft, die mich schon mein ganzes Leben begleitet.

Zur Person

Alexander Karle (58) ist in Riedern am Wald geboren und aufgewachsen. Der gelernte Rundfunktechniker machte sein Hobby zum Beruf: Er lernte Klavier, Orgel und klassische Orgel in Privatunterricht, absolvierte Ausbildungen am Konservatorium Trossingen, an der Musikschule Freiburg und an der Yamaha Akademie Hamburg. 1981 wurde er Europameister an der elektronischen Orgel. 1992 gründete er die Musikschule Hochrhein, die er mittlerweile gestiftet hat. Aktuell ist er Inhaber einer Musikschule in Wettingen/CH, die rund 90 Schüler zählt. Er ist Prüfer im Europäischen Keyboard- und Orgelverband, stellt Instrumente für einen namhaften Hersteller vor und spielt in der Band Soul Circus (früher Soul Connection). In der Region beidseits des Rheins ist er als Solokünstler unterwegs. Neben Klavier und Orgel spielt er Akkordeon und singt. Alexander Karle ist verheiratet, hat einen Sohn und lebt mit seiner Ehefrau in Dogern.