An der Biotonne für die Küchenabfälle im Kreis Waldshut scheiden sich auch ein Jahr nach ihrer Einführung die Geister. Landrat Martin Kistler bewertete im Kreis-Umweltausschuss die Annahme der braunen Tonne bei den Bürgern als überraschend gut. Von Kreisräten kamen eher kritische Stimmen, auch zu den kommende Woche anlaufenden Kontrollen der Gefäßinhalte bei der Abfuhr.

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Eine „negative Bilanz nach einem Jahr“ zog Kreisrat Ulrich Krieger (CDU). Zwei Drittel der Haushalte nähmen die Biotonne nicht an, obwohl sie gratis sei; in diesem Zusammenhang stünde die dritte Gebührenerhöhung in kurzer Folge für den Hausmüll bevor. Die Bürger seien unzufrieden, die wilde Müllablagerung nehme zu, vor allem in den Wochen der Biomüllabfuhr. Er sehe „viel Luft nach oben“, so Laufenburgs Bürgermeister. Laut Kreisrat Johannes Dobler (AfD) sind die Bürger „nicht so begeistert“.

Kritische gab es auch am neuen „Detektionssystem“, das die Bürger mit roten Karten verwarnt, wenn sie ins Bio-Gefäß auch „Störstoffe“ wie Metalle, Kunststoff oder Hygieneartikel mischen. In einer Probephase kommen ertappte Sünder zunächst mit der Verwarnung per gelber Karte davon. Ab Ostern kostet die Abfuhr extra, wenn nicht nur Bio in der braunen Tonne ist.

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Johannes Dobler etwa forderte, die Ampel-Kontrolle zu verschieben, bis die Verwaltung die Gebühren im Griff habe. Auch für Fred Thelen (Freie Wähler) ist es mühsam, dem Bürger das System zu erklären. Was tun, wenn der Nachbar etwas in die fremde Biotonne schmeißt? Dafür gebe es abschließbare Tonnendeckel und Schließsysteme für große Gefäße, informierte Elmar Weißenberger vom kreiseigenen Abfallwirtschaftsbetrieb.

Seit einem Jahr gibt es im Landkreis Waldshut die Biotonne.
Seit einem Jahr gibt es im Landkreis Waldshut die Biotonne. | Bild: Schlichter, Juliane

Laut Antonia Kiefer (Grüne) bringt die nurmehr 14-tägige Abfuhr des Restmülls Probleme für Haushalte mit Windeln oder hohem Hygienemittelverbrauch. Weißenberger verwies auf den Gebrauch größerer Abfallgefäße oder von Müllsäcken. Marita Höckendorf von den Grünen sieht Probleme mit Haushalten, in denen wenig deutsche Sprachkenntnisse vorhanden sind. Für den Landrat ein Argument dafür, wie wichtig der Spracherwerb für Menschen mit ausländischen Wurzeln ist.

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