Der Musikverein Dettighofen feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Schon ab 1864 musizierte in Dettighofen eine Gruppe an Fasnacht, Chilbi, Geburtstagen und Hochzeiten sowie an kirchlichen Anlässen in loser Zusammensetzung.

Der Blick in die Geschichte

Ab 1872 wurde es dann ernst mit der Gründung des Musikvereins. Die Männer der ersten Stunde waren am 27. Februar Anton Saurer, Johann von Roth, Xaver Bercher, Ambros von Roth, Blasius Kramer, Franz Anton Saurer, Severin Hauser, Hermann Saurer, Friedrich von Roth, Roman Saurer, Leo Hauser, Johann und Xaver von Roth. Zum ersten Vorsitzenden wurde Xaver Bercher, als Rechner Xaver von Roth und als Dirigent der Lehrer Peter Harder gewählt, der auch den zwei Jahre zuvor gegründeten Männerchor leitete.

Der Verein während der Jahrhundertwende im Kaiserreich um 1900 mit 16 Musikern in der Dorfmitte.
Der Verein während der Jahrhundertwende im Kaiserreich um 1900 mit 16 Musikern in der Dorfmitte. | Bild: Patrick Hartmann

Um die Jahrhundertwende im Kaiserreich zählte der Verein 16 aktive Musiker, während des Ersten Weltkrieges ruhte die Tätigkeit. Von den Musikern kehrten zwei Männer des Vereines nicht nach Hause zurück. 1920 folgt der Beitritt zum damaligen Bezirksmusikverband Oberrhein, heute Blasmusikverband Hochrhein.

Das könnte Sie auch interessieren

In der Zeit der Weimarer Republik verzeichnete der Verein einen Aufschwung, es folgten erfolgreiche Teilnahmen an verschiedenen, dokumentierten Musikwettbewerben. Erheblichen Anteil daran hatte Dirigent Ernst Weissenberger aus Weisweil, der von 1903 bis 1930 den Verein dirigierte und zu Höchstleistungen antrieb. Sein Schicksal endete tragisch: Als religiös Verfolgter wurde er in der Nazizeit 1934 in ein Konzentrationslager gebracht und kam 1944 nach zehnjähriger Haft im KZ Buchenwald ums Leben. Von 193 bis 1945 starben neun Männer des Musikvereines im Zweiten Weltkrieg.

Uniformweihe und erstes Musikfest: 1952 stellten sich die Männer des Musikverein zum Gruppenbild.
Uniformweihe und erstes Musikfest: 1952 stellten sich die Männer des Musikverein zum Gruppenbild. | Bild: Patrick Hartmann

Erst 1952, drei Jahre nach Gründung der Bundesrepublik, konnte der Musikverein Dettighofen sein erstes großes Fest feiern. Zum 80-jährigen Bestehen und zur Einweihung der ersten Vereinsuniform in grau-blauen Farben veranstaltete der Verein an Pfingsten ein von mehreren Gastvereinen besuchtes Musikfest auf einer Freilichtbühne. 20 Jahre später, 1972, gaben sich die Musiker ein volkstümliches Outfit, 1988 änderte der Stil in eine Halbtrachtkleidung.

Ab 1972 in modernerer Kleidung auf dem Waldsportplatz in den Berchen.
Ab 1972 in modernerer Kleidung auf dem Waldsportplatz in den Berchen. | Bild: Patrick Hartmann

Der Verein durchlebte seit seinem Bestehen etliche Krisen. Bereits 1903 schrumpfte die Anzahl der Musiker auf zehn Personen zusammen, die beiden Weltkriege und der damit verbundene Neuaufbau kosteten den Verantwortlichen viele Mühen. Die vereinsinternen Schwierigkeiten 1959 und die Abspaltung 1983 brachten manche Zerreißprobe in die kleine Gemeinde.

Die Personen an der Spitze

In der Vereinschronik stehen deshalb Vorstände wie Hermann Saurer, Edwin Albrecht und Karl Probst für Stabilität und Kontinuität in der Vereinsführung. In der musikalischen Leitung haben Gustav Stengele, Heinrich von Roth, Werner Thomann und Rolf Russi Maßstäbe für ein erfolgreiches, langjähriges musizieren gesetzt. Musikfeste veranstaltete der Verein 1972, 1986, 1992 und 2004.

Die Erfolge

Die Pro-Musica-Plakette erhielt der Musikverein Dettighofen zu seinem 100-jährigen Bestehen 1972. Beim Verbandsmusikfest 1991 in Bernau errang der Verein unter Dirigent Rolf Russi den ersten Platz mit Belobigung. Es folgten erfolgreiche Teilnahmen an verschiedenen Wertungsspielen in der Region, beim Bundesmusikfest 2007 in Würzburg oder 2010 beim Landesmusikfest in Metzingen. 2010 waren die Nachwuchsmusiker der DALJ- Formation (Dettighofen, Altenburg, Lottstetten, Jestetten) mit Dirigentin Nicole Markhardt erfolgreich beim internationalen Jugendkapellentreffen in Wehr.

Die Männer am Dirigentenpult

Am Osterkonzert 2016 wurde Rolf Russi nach 30 Jahren Dirigententätigkeit verabschiedet Er hat den Verein mit seinen musikalischen und menschlichen Fähigkeiten geprägt. Er starb 2020 viel zu früh an einer Krankheit. 2017 hat Bernhard Zimmermann den Dirigentenstab übernommen und seit dem Osterkonzert 2019 spielen die Musiker in ihren neuen Uniformen.

Das könnte Sie auch interessieren