Herr Benz, seit 31 Jahren sind Sie Bürgermeister der Gemeinde Hohentengen. Was waren die Beweggründe, nicht mehr zu kandidieren?

Ich wusste, dass diese Frage kommen würde. (Überlegt) Ehrlich gesagt, habe ich zum ersten Mal in den 31 Jahren eine Entscheidung treffen müssen, die nicht mit Argumenten belegt ist. Letztendlich war es eine Bauchentscheidung – und für mich zehn Tage ein ganz zähes Ringen.

Bürgermeister war immer Ihr Traumberuf. Ist er es noch? Was hat sich verändert?

Es ist nach wie vor mein Traumberuf und ich gehe immer noch mit Freude an die Arbeit. Man ist älter geworden und bedingt durch die Corona-Zeit gab es den einen oder anderen freien Abend mehr, das habe ich genossen.

Was sich verändert hat, und das nicht zum Guten, ist das Anspruchsdenken, der Egoismus der Menschen, der Umgang miteinander. Vom Staat wird seit Jahren suggeriert, er kann alles richten und die öffentliche Hand alles leisten. Das ist der völlig falsche Weg. Die politischen Rahmenbedingungen stimmen nicht mehr, das ist in der Praxis vor Ort oft schwer auszuhalten.

Die Entscheidung aufzuhören ist Ihnen sehr schwergefallen. Warum?

Ganz einfach, weil es meine Berufung ist und es mir nach wie vor trotz allem unheimlich viel Spaß macht. Ich freue mich jeden Tag auf mein tolles Team im Rathaus, den Werken, Bauhof, Kläranlage und Kitas.

Warum haben Sie sich schon jetzt auf eine Nicht-Kandidatur festgelegt?

Damit man sich rechtzeitig auf die Suche nach einem Nachfolger machen kann.

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Welche Reaktionen gab es auf ihre Ankündigung, nicht mehr zu kandidieren?

Der schlimmste Gang war vor meine Mitarbeiter zu treten, da gab es bei einigen, auch mir, feuchte Augen. Deren Reaktionen waren ausschließlich von Respekt geprägt. Vielfach kam die Frage: Warum machst du nicht weiter? Das scheint mir zu zeigen, dass der Zeitpunkt richtig gewählt ist.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Das sind besonders zwei Dinge: Der Kontakt zu meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und dass ich die Projekte, die ich angerissen habe, nicht zu Ende führen und die Ideen, die ich im Kopf habe, nicht mehr verwirklichen kann.

Was bleibt zu tun bis zum 29. Mai 2023?

Unglaublich viel. Wir sind kurz vor dem Abschluss der Bauerlaubnisse für den Radweg nach Stetten, das Bürgerhaus Stetten ist im Bau. Wir müssen die kommunale Wärmeplanung im Hinblick auf die Klimaschutzziele voranbringen, Atommüllendlagerung und Flugverkehrsbelastungen fordern uns, um Personal für die Kitas müssen wir uns kümmern und weitere Arbeitsplätze in der Gemeinde schaffen.

Wir suchen noch einen weiteren Facharzt für das soziale Projekt Pfarrwiese und wollen dort die Belegungszahlen weiter steigern. Die Haushalte sind aufzustellen, neue Baugebiete voranzubringen. Die Aufgaben gehen nicht aus und werden weiterhin mit Volldampf angegangen.

Was werden Sie in der neu gewonnen Freizeit tun?

Eine sehr gute Frage (lacht). Das werde ich mir in den kommenden Monaten überlegen. Die Entscheidung war schwer genug, die muss ich jetzt erst einmal sacken lassen. Fest steht, dass ich etwas machen muss und machen werde. Das kann im ehrenamtlichen Bereich sein, vielleicht mache ich ein Sprachstudium oder werde beruflich tätig.

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